Vor 15 Monaten rollte der erste Bagger für einen Teilabriss des katholischen Kindergartens St. Hedwig in den Radolfzeller Stadtteil Altbohl. Am Samstag wurde die für 2,9 Millionen Euro sanierte und mit einem Anbau versehene Kindertagesstätte offiziell und mit großem Andrang eingeweiht. Das Haus bietet nun Platz für 55 Kinder, davon zehn Plätze für Kinder unter drei Jahren. Mit dem Umbau des Kindergartens ging auch eine Funktionserweiterung einher: Die Kindertagesstätte will ein Zentrum für Familien sein. Im Sinne der Prävention möchte das Haus mit individuellen Beratungen Familien frühzeitig unterstützen und die Eltern miteinander vernetzen. Dafür lädt man auch Senioren aus dem Altbohl ein.

Ein Blick auf das frisch saniert und erweiterte Kinder- und Familienzentrum St. Hedwig im Altbohl.
Ein Blick auf das frisch saniert und erweiterte Kinder- und Familienzentrum St. Hedwig im Altbohl. | Bild: Georg Lange

Oberbürgermeister Martin Staab schätzte in seiner Eröffnungsrede die produktive Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche und bewunderte den Neubau, der den Anforderungen der Kinderpädagogik angepasst sei. In seiner knapp sechs Jahre dauernden Amtszeit konnten zwei städtische Einrichtungen neu eröffnet und zusätzlich zwei erweitert werden. Je einen Neubau und eine Erweiterung gab es bei katholischen Einrichtungen. Allein für den Kindergarten St. Hedwig investierte die Stadt rund 2,4 Millionen Euro. Die Stadt wolle familienfreundlich sein, erläuterte Staab die Investitionen in die Kindergärten.

Kindergarten-Geschäftsführerin Michaela Gesell (von links) und die Leiterin des Kindergartens St. Hedwig, Annette Rieger, berichten in einem unterhaltsamen Dialog über die Sanierung. Das Kinder- und Familienzentrum untersteht der Trägerschaft des Vereins St. Sebastian mit seinen Vorsitzenden Michael Dohm (weiter von links) und Stadtpfarrer Heinz Vogel. Die Planung und Umsetzung übernahm Architekt Martin Frei.
Kindergarten-Geschäftsführerin Michaela Gesell (von links) und die Leiterin des Kindergartens St. Hedwig, Annette Rieger, berichten in einem unterhaltsamen Dialog über die Sanierung. Das Kinder- und Familienzentrum untersteht der Trägerschaft des Vereins St. Sebastian mit seinen Vorsitzenden Michael Dohm (weiter von links) und Stadtpfarrer Heinz Vogel. Die Planung und Umsetzung übernahm Architekt Martin Frei. | Bild: Georg Lange

Für die Finanzierung des Eigenanteils beim Umbau der Kindertagesstätte von einer halben Million Euro nahm die Kirchengemeinde einen Teilkredit auf. Stadtpfarrer Heinz Vogel schloss am Gedenktag der Reichsprogromnacht und des Falls der Mauer seine Rede mit einem Bekenntnis ab: „Als Kirchengemeinde werden wir das Menschenmögliche tun, die Bedeutung von Achtung und Würde des Menschen weiterzutragen.“ In den sechs pädagogischen Einrichtungen für Kinder der katholischen Kirchengemeinde in Radolfzell soll es die Chance gegeben, das gesellschaftliche Leben in dessen Vielfalt und Verschiedenheit zu gestalten.

Annette Rieger übernahm im Januar 2014 die Leitung der Kindertagesstätte. Bei der Eröffnungsfeier erinnerte sie an die zunächst kleinen notwendigen Veränderungen, die letztlich in einen kompletten Umbau des Kindergartens mündeten, der auch den Mehrbedarf an Kinderbetreuung decken sollte. Erst drei Monate vor den Umbauarbeiten fand der Kindergarten eine Zwischenbleibe im Pfarrsaal in Böhringen.

Das Kinder- und Familienzentrum St. Hedwig im Altbohl bietet bis zu 55 Kindern Platz.
Das Kinder- und Familienzentrum St. Hedwig im Altbohl bietet bis zu 55 Kindern Platz. | Bild: Georg Lange

Christof Stadler erinnerte an die Geschichte des 1960 errichteten Kindergartens mit damaligen Kosten in Höhe von 160 000 Deutschen Mark. Als Eigenanteil für die Kinderbetreuung schenkte die Stadt das 2600 Quadratmeter große Gelände der Kirchengemeinde. Ganz bewusst habe man sich bei der Benennung des Kindergartens für die damals in Radolfzell eher unbekannte Heilige Hedwig entschieden. Viele Flüchtlinge aus Schlesien und dem Osten hätten die Verehrung der Heiligen Hedwig mit nach Radolfzell mitgebracht. Mit dem Namen habe man Willkommen signalisieren wollen. Auch heute sei die Namensgebung wieder symbolträchtig, wenn es um die Integration von Flüchtlingen gehe.

Der Trägerverein

Träger des Kinder- und Familienzentrums St. Hedwig im Altbohl ist der Radolfzeller Verein St. Sebastian. Zu ihm gehören sechs Radolfzeller Kindergärten sowie die Sozialstation Radolfzell-Höri für die Alten- und Krankenpflege und für Haushaltshilfen und Dorfhelfer. In der Kinderbetreuung sind 130 Mitarbeiter in Radolfzell, Stockach, Wahlwies und Ludwigshafen tätig. Das konfessionelle Haus ist auch für Kinder anderer Religionszugehörigkeiten sowie Konfessionslose zugänglich.