Die Dringlichkeit des Naturschutzes deutlich zu machen und ihre Mitmenschen zu sensibilisieren – das soll von nun an Aufgabe der Bewohner des westlichen Bodenseekreises sein. Die Bodensee-Stiftung und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) wollen Freiwillige zu Blühbotschaftern ausbilden, die sich ehrenamtlich für den Schutz blütenbesuchender Insekten wie Bienen einsetzen.

Völlig neu ist dieses Konzept nicht. Bereits in den vergangenen Jahren wurden Bürger vom Naturerlebniszentrum Allgäu und von der Bodenseeakademie in Vorarlberg als Blühbotschafter beauftragt. Dies geschah im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projekts "Blühendes Bodenseeland". Eine Premiere im westlichen Bodenseeraum ist es dennoch: Obwohl die Bodensee-Stiftung sich schon an dem früheren Projekt beteiligte, wurden bisher im Kreis Konstanz keine Blühbotschafter ausgebildet.

Das soll sich nun ändern. Während das Projekt "Blühendes Bodenseeland" Ende 2018 auslief, wurde in diesem Jahr ein neues Projekt mit dem Namen "Bürger, Bienen, Biodiversität" ins Leben gerufen, das bis Ende 2021 laufen wird. Die Blühbotschafter, die bisher eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben, sollen dabei zentral für den Schutz der bestäubenden Insekten werden – auch im westlichen Bodenseeraum.

"Wir zeigen den Leuten, was sie in ihrer eigenen Umgebung für blütenbesuchende Insekten tun können", sagt Sven Schulz von der Bodensee-Stiftung. Das sei enorm wichtig, da die Tiere es immer schwerer haben, einen Lebensraum und Futter zu finden. Laut Thomas Körner, Geschäftsführer des NABU Donau-Bodensee, seien davon auch die Menschen direkt betroffen, da Insekten als Bestäuber für unsere Lebensgrundlage sorgen: "Das ist eine gesamte Nahrungskette bis hin zum Menschen."

15 Freiwillige konnten bislang schon gefunden werden. Anmelden kann sich jeder, der älter als 18 Jahre ist. Schulz und Körner raten Interessenten jedoch zur Eile, denn die Plätze sind begrenzt. 25 Blühbotschafter können dieses Jahr ausgebildet werden.

Wer sich zu spät meldet, hat erst 2020 wieder eine Chance. Grund hierfür ist der Aufbau der Kurse, die die Teilnehmer ab Samstag, 15. Mai, besuchen. Wenn man auf jeden Einzelnen eingehen wolle, sei eine zu große Teilnehmerzahl nachteilig.

An fünf Terminen sollen die zukünftigen Blühbotschafter die Grundlagen über blütenbesuchende Insekten lernen und erfahren, wie ihnen zum Beispiel durch Blühflächen geholfen werden kann. Auch ein Rhetorikkurs steht auf dem Plan, denn die Botschafter müssen vor allem eines sein: überzeugend. Nach ihrer Ausbildung besteht ihre Aufgabe darin, Mitbürger, Bürgermeister oder Firmen anzusprechen und zum Insektenschutz zu bewegen.

Schulz und Körner sind überzeugt, dass es die richtige Entscheidung ist, Bürger in den Umweltschutz einzubeziehen. Da diese sich in ihren Wohnorten bestens auskennen und mit den Ansprechspartnern und Hintergründen vertraut sind, sei es für sie einfacher, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Zudem könnten sie ohne den sprichwörtlichen erhobenen Zeigefinger auf Möglichkeiten für den Insektenschutz hinweisen. Außerdem bringen sie ein schwerwiegendes Argument an: "Die Leute sind vor allem direkt die Betroffenen", so Schulz. Das könnte gerade in Diskussionen mit Politikern hilfreich sein.

Sobald die Lehrgänge beginnen, müssen zunächst einmal Rückmeldungen abgewartet werden. Sollten Verbesserungsmöglichkeiten auffallen, bestehe dann die Möglichkeit, beispielweise die Kurse bis zum nächsten Jahr zu überarbeiten.

Schulz und Körner schließen außerdem nicht aus, dass im Rahmen von "Bürger, Bienen, Biodiversität" in Zukunft auch pädagogische Angebote an Schulen im Landkreis entstehen könnten, die den Insektenschutz auch jüngeren Bürgern näher bringen.