Frei nach dem Motto „Gut Ding will Weile haben“, wurde jetzt die neue Direktorin des Amtsgerichts Radolfzell in ihr Amt eingeführt. Tätig ist sie bereits seit Mai in dem markanten ehemaligen Ritterschaftsgebäude unterhalb des Rathauses. Damit folgte sie nach einer dreijährigen Vakanz der Stellenbesetzung auf den mittlerweile im Ruhestand befindlichen Richter Matthias Hintze, der 14 Jahre lang das Amtsgericht in Radolfzell geleitet hat.

Drei Jahre Vakanz am Amtsgericht

Allerdings blieb seine Stelle drei Jahre unbesetzt, was durch das Personal im Amtsgericht kompensiert werden musste. Mit Ulrike Steiner kommt eine erfahrene Juristin nach Radolfzell, die überdies gut vertraut mit der Region ist. Sie lebt seit Jahren auf der hinteren Höri. Außerdem war sie in ihrer Referendariatszeit in der Radolfzeller Verwaltung tätig.

In manchen Fällen muss die Justiz Flagge zeigen

Nach dem Studium in Freiburg, München und Konstanz ist sie in Seenähe geblieben. Nach verschiedenen Tätigkeiten in Konstanz und Villingen-Schwenningen kam sie 1997 zur Staatsanwaltschaft in Konstanz, wo sie im Jahr 2011 erste Staatsanwältin wurde. Die neue Tätigkeit in Radolfzell bezeichnete sie in der Feierstunde im Gewölbekeller des Österreichischen Schlösschens als Berufsausübung in einem Wunschort, an dem sie „glücklich bis ans Ende meiner Tage leben und arbeiten", wolle, wie sie erklärte. Wie wichtig die Rolle der Justiz für das friedliche und gemeinschaftliche Zusammenleben der Menschen ist, führte sie am Beispiel eines Volksverhetzers aus, der in ihrer kurzen Zeit in Radolfzell auf der Anklagebank saß: "Die Justiz muss in solchen Fällen, wie sie Chemnitz vorgefallen ist, Flagge zeigen", machte Ulrike Steiner unmissverständlich klar.

Ein Amtsrichter mit Charakter wird verabschiedet

Deutlich launiger ging es bei der Verabschiedung von Matthias Hintze zu, der seine Zeit in Radolfzell in Form von kleinen Anekdoten Revue passieren ließ. Dabei machte er in seiner Ansprache keinen Hehl daraus, dass er sein Amt nach seinem dem Motto „I did it my way“ ausgeübt hat. In der Tat ist Matthias Hintze so manchem Straftäter, Berufskollegen oder Zuhörer im Amtsgericht mit seiner unkonventionellen Art in Erinnerung geblieben.

Er schätzte den Augenschein

Denn als Richter schätzte er bei der Beweisaufnahme gerne die Form des Augenscheins. „Meine Liebe zum Augenschein habe ich hoffentlich auch an meine Referendare weitergegeben“, erklärte er. Natürlich nutzte er den Moment, sich ausgiebig bei seinen früheren Mitarbeitern und Weggefährten zu bedanken. Denn Matthias Hintze pflegte gerne den direkten Kontakt zu den Behörden, der Verwaltung und der Polizei vor Ort. Auf diese Weise konnte er in seiner Zeit als Direktor des Amtsgerichts so manches Verfahren abkürzen und effektiv abschließen.

Standort Radolfzell ist vorerst gesichert

Dass das möglichst lange so fortgeführt werden kann, hoffen alle Beteiligten. Denn Otto Röding als Präsident des Landgerichts Konstanz machte in seiner Ansprache deutlich, dass kleine Gerichtsstandorte wie Radolfzell in ihrem Fortbestand nicht vollkommen gesichert sind. Zumindest aktuell konnte er Entwarnung geben, denn Justizminister Guido Wolf möchte „die Struktur erhalten“, so Röding. Die Vorteile der Präsenz vor Ort liegen seiner Meinung nach auf der Hand: „Bürgernähe und Ortskenntnisse sind ein echter Vorteil“, befand der Landgerichts-Präsident.