Radolfzell Naturschutztage Radolfzell: Kretschmann weist den Weg

Mit einem ebenso staatsmännischen wie parteipolitischen Auftritt prägte Winfried Kretschmann am Sonntagnachmittag den Auftakt der Radolfzeller Naturschutztage und erntete mit seiner unmissverständlichen Haltung bei den rund 1000 Besuchern Respekt.

Die grundsätzliche Sympathie für den Kurs unter dem ersten grünen Politiker an der Spitze einer grün-roten Landesregierung verwundert nicht. Brigitte Dahlbender als Landesvorsitzende des BUND, der im Jahreswechsel mit dem Naturschutzverband Nabu die Radolfzeller Naturschutztage veranstaltet, sprach gut zwei Monate vor der Landtagswahl von fünf guten Jahren für den Natur- und Umweltschutz in Baden-Württemberg. Die Leistung liegt dabei nach Ansicht des Ministerpräsidenten vor allem darin, dass in dieser Zeit der Naturschutz ins Zentrum der Politik gerückt wurde. „Dabei geht es nicht um eine grüne Spielwiese“, sagte Winfried Kretschmann, „sondern um den Erhalt von Lebensgrundlagen.“

TTIP wird zum Streitthema

Einen schweren Stand hatte der Ministerpräsident phasenweise allerdings mit seiner Position zum geplanten transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP), das eines der Hauptthemen bei den diesjährigen Naturschutztagen ist. Er bezeichnete es als aberwitzig, wenn Baden-Württemberg als eine weltweit bedeutsame und vom Export abhängige Industrieregion ein Freihandelsabkommen mit den USA grundsätzlich ablehne. Statt sich als Wirtschaftsmacht zu verstecken, warb er für ein selbstbewusstes Auftreten Europas.

Mit der Einordnung weltweiter Wirtschaftsentwicklungen verdeutlichte Winfried Kretschmann dabei die Folgen einer Politik der Verweigerung. Im Zweifel würden dann die Standards im pazifischen Raum zwischen China und den USA definiert – mit entsprechenden globalen Folgen für den künftigen Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Von etlichen Zwischenrufen und dem Einwand von Brigitte Dahlbender, dass man sich nicht gegen ein Freihandelsabkommen, wohl aber gegen seine Ausgestaltung in Form des TTIP-Vertrags wehre, blieb der Ministerpräsident unbeeindruckt. Er plädierte für eine offensive Strategie zur Umsetzung europäischer Werte wie demokratischer Entscheidungsprozesse oder unabhängiger Gerichtsbarkeiten. Der Respekt für die klare Linie und den Gestaltungswillen brachte Winfried Kretschmann schließlich viel Beifall ein. Dass die Aufgaben des Natur- und Umweltschutzes angesichts der globalen Herausforderungen gewohnte Denkmuster strapazieren, ging zum Auftakt der Naturschutztage übrigens auch aus Randerscheinungen hervor: Der stumme Protest einer Bürgerinitiative gegen den geplanten Kiesabbau im Dellenhau/Hegau beispielsweise ging komplett unter.

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