Weil regionale Künstler so gut angenommen werden, setzen die Narrizella Ratoldi beim Zunfthaus-Sommer wieder auf Einheimische auf ihrer Bühne. Diese kommen nicht nur aus der Region, sondern mehrheitlich aus Radolfzell selbst, wie Narrenpräsident Martin Schäuble erklärt. Das sei die Prämisse für das diesjährige Programm gewesen, nachdem die elfte Veranstaltungsreihe im Vorjahr mit knapp 600 Gästen ein voller Erfolg war. "Wir wollen mit Künstlern aus der Region schaffen und die brauchen auch eine Bühne", sagt Schäuble. Jetzt steht das Programm fest und die Narren starten am morgigen Samstag in den Vorverkauf.

An vier Abenden im August wird erst Bruno Epple lesen mit Musik von Alexander Bührer, dann Robert Werra seinen Film zeigen, Lothar Rapp die Bühne mit anderen Künstlern teilen und schließlich die Seefunk-Gruppe ihre Höhepunkte aus 30 Jahren präsentieren. Für den ungewohnten Auftritt außerhalb des Narrenspiegels probt die Seefunk-Truppe bereits seit Wochen, wie Thomas Uhl sagt. So viel umschreiben und aktualisieren müssten sie aber nicht – der Narrenspiegel vor 30 Jahren sei heute noch aktuell. Wann immer das Publikum vor lauter Lachen kaum noch Luft bekommt, kann es sich bei einem der drei Menügänge erholen. Ein Glas Sekt soll dabei wie bei jedem Kleinkunstabend inklusive sein.

Das Format hat sich gewandelt, wie Narrenpräsident Schäuble erklärt: Früher habe ein Künstler acht Auftritte bestritten, heute gibt es vier Abende sowie vier Frühschoppen aus jeweils anderer Hand. Und weil auch ein abendfüllendes Programm herausfordernd sein kann, verteilen sie das lieber auf mehreren Schultern. "Ich halte lieber eine Moderation aus dem Stegreif, als ein zweistündiges Programm zu entwickeln", sagt der Mundart-Künstler Lothar Rapp. Deshalb habe er sich drei Kollegen zur Verstärkung geholt. Benni Bromma war bisher einem männlichen Publikum beim Dreikönigsfrühschoppen vorbehalten, jetzt wird er mit und ohne Gitarre auftreten. Außerdem will Rapp mit ihm ein wenig Blödsinn machen, wie er lachend ankündigt.

Verändert haben sich auch die Eintrittspreise. Erstmals gibt es keinen Einheitspreis mehr, das hängt laut Narrenpräsident Schäuble auch mit dem Programm zusammen. Die Einnahmen sollen teils für die Künstler, teils für das Zunfthaus verwendet werden, wie er erklärt. Bei so einem alten Haus sei immer etwas zu tun, als nächstes soll beispielsweise die Technik erneuert werden. Was bleibt sei der Gedanke, die Stadt im Sommer beleben zu wollen: Bis zu hundert Gäste können in der Remise pro Kleinkunstabend gemütlich sitzen. Der direkte Kontakt zum Publikum, das nur wenige Meter von der Bühne entfernt ist, mache auch den Reiz aus: "Man sieht gleich Reaktionen und kann mit dem Publikum spielen", sagt Hansjörg Blender.

"Dieses Jahr muss man sich besonders beeilen", vermutet Blender. Den Film von Robert Werra bezeichnet er gar als Pflichtprogramm für jeden Radolfzeller. "Da sieht man, wie Radolfzell sich verändert hat" und wie beispielsweise einst der Verkehr durch die Innenstadt rollte.

Ein ganzer Sommer voller Kleinkunst

  • Freitag, 3. August: Den Zunfthaus-Sommer eröffnet Bruno Epple mit musikalischer Begleitung von Alexander Bührer. Epple wird Eigenes in Hochdeutsch und Mundart lesen. Der mehrfach ausgezeichnete Künstler wurde 1931 in Rielasingen geboren und in Radolfzell aufgewachsen. Bührer unterrichtete lange Zeit an der Musikschule Radolfzell und wechselte dann nach Konstanz, zuvor hatte er Saxophon an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart studiert. Der Eintritt kostet 15 Euro.
  • Freitag, 10. August: Robert Werra zeigt mit seinem knapp 100-minütigen Film die "Veränderungen einer Stadt". In drei Teilen geht es dabei um Radolfzell in den 60er- und 70er-Jahren, das einstige Molengelände sowie die baulichen Veränderungen rund um Schiesser und das Milchwerk. Der Eintritt kostet zehn Euro.
  • Freitag, 17. August: Lothar Rapp präsentiert Benni Bromma, bekannt vom Dreikönigsfrühstück der Narrizella, den Comedy-Zauberer "Shorty – The Magic Men" aus Schaffhausen sowie Blasmusiker Michael "Fish" Maisch. Der Eintritt kostet 18 Euro.
  • Freitag, 24. August: "Baden trifft Seefunk" lautet das Motto beim kulinarischen Abend mit Dreigänge-Menü. Die Seefunk-Gruppe wird Höhepunkte aus ihrer 30-jährigen Geschichte zeigen. Der Eintritt einschließlich Menü kostet 29 Euro.
  • Frühschoppen ist jeweils samstags ab 10.30 Uhr und wird jeweils von einer Abteilung der Narrenzunft übernommen. Am 4. August spielt die Bodensee-Eisenbahner-Kapelle, eine Woche darauf treten die Schloßberg-Musikanten aus Güttingen auf. Die Narrenmusik der Narrizella Ratoldi erklingt am 18. August sowie abschließend am 25. August die Promilleband Langenrain.
  • Vorverkauf beginnt am Samstag, 14. Juli. Karten gibt es bei EP Hiller an der Löwengasse, außerdem samstags in der Roten Tonne an der Schützenstraße sowie anschließend im Rahmen der Frühschoppen im Zunfthaus.