Radolfzell Narrizella-Frauen überzeugen mit artgerechtem Humor - Mit vielen Bildern!

Latenight der Weibsbilder im Milchwerk: Programm mit vielen Ideen und Einlagen

Der Start in die Fasnet ist bei der Narrizella Ratoldi Frauensache. Männer waren bei der "Latenight" am 11. 11. schmückendes Beiwerk, Musiker oder Bühnenhelfer der glanzvollen Show im Milchwerk – hervorgezaubert durch die "Weibsbilder" der Narrizella. Das Programm war angefüllt mit spritzigen Ideen, nonchalanter Moderation, feinsinnigem wie rabenschwarzem Humor und mit Tanz- und Gesangseinlagen, die zum Mitmachen animierten. Ganz nebenbei wurde das Publikum Zeuge der Hochzeit der Narreneltern.

Sina Gnauk befindet sich derzeit in der heißen Phase zwischen verfrühten Weihnachtsfeiern und verspäteten Geschenke-Einkäufen. Das Schrottwichteln brachte ihr den modernen Knigge ins Haus und war ihr Thema der souverän gehaltenen Büttenrede. Dieser würde empfehlen, dass Frauen auf Hochzeiten kein längeres Kleid als die Braut tragen sollten, wundert sich Gnauk in der Bütt: Zu blöd aber auch, dass der aktuelle Trend Miniröcke für die Braut vorsehe – zum Leidwesen aller anwesenden 80-jährigen Großmütter. Es beruhige jedoch, dass nach Knigge die Banane wie gewohnt gegessen werden darf: Mit Messer und Gabel. Gnauk warnte die Frauen, in der Weihnachtsphase nicht allzu laut nachzudenken. Geschenke unterm Weihnachtsbaum könnten sich als mehrteilige Topfsets entpuppen anstelle eines Koffersets samt Reise auf die Malediven.

Umzug oder Prozession? Eine Seniorin gerät im humorvollen Sketch in Schwierigkeiten (v.li.): Biggi Steinert, Jutta Graf, Antje Groll sowie Loretta Brunner.
Umzug oder Prozession? Eine Seniorin gerät im humorvollen Sketch in Schwierigkeiten (v.li.): Biggi Steinert, Jutta Graf, Antje Groll sowie Loretta Brunner. | Bild: Georg Lange

Lilith Steinhilber und ihre Sirenas stöberten im Fundus des Eurovision-Song-Contests (ESC). In einer Mischung aus Burlesque, Bauchtanz und Gogo-Swing entstaubten sie den deutschen Hit für den ESC 2009. Wäre die Tanztruppe damals in Moskau mit dabei gewesen, dem deutschen Beitrag wäre der 20. Platz erspart worden. "Wann kommt denn nun der Umzug", stellte Jutta Graf in der Rolle einer senilen Seniorin und vor prächtig gemalter Kulisse des Heilig Geist-Spitals die alles entscheidende Frage zur Fasnet. Doch die evangelisch getaufte Greisin brachte schlichtweg alles durcheinander. Der närrische Umzug entpuppte sich als Hausherren-Prozession mit absurder Fahnenverordnung und der traditionelle Rathausumtrunk als Akt politischer Dekadenz. Ein Schelm sei der, der in beiden Radolfzeller Kultur-Highlights eine Ähnlichkeit vermuten mag.

Die Fasnet der Narrizella hat für diese Saison ihren eigens dafür produzierten Ohrwurm, der viele Narren unter die Haut gehen dürfte. In einer Mischung aus funkigem Soul und Jazz stellte Elsa Santinho-Reiser mit ausgereifter Stimme den zum Tanzen und Schmusen anregenden Gassenhauer vor, der auf der Homepage der Narrizella zum Download bereit steht. Köstlich machten sich Biggi Steinert und Heidi Hirling zur Fasnet ausgehfein. Wobei Heidi Hirling sich ein wenig im Fundus der Tasche und in den Farbtönen des Makeups vergriffen hatte. Was für die eine Kamm, Parfüm und Hut Stil gebend für den Ausgang war, war für die andere die Klobürste, das Toiletten-Raumspray und ein Kochtopf als Hutersatz.

Marlis Reining – geborene Riester – weiß, wovon sie spricht. Nach 18 Jahren Probezeit erhielt sie einen Heiratsantrag. Für Frauen sei es auf dem Heiratsmarkt weniger fetzig: "Wer nimmt einen noch mit 61. Obwohl", schränkte sie neidlos ein: "Wenn eine alte Hütte brennt, dann brennt sie gescheit.". Marlis Reining stellte sich die Frage, ob sich der Griff zum Mann überhaupt noch lohnen würde, vor allem zu den Fasnet-Tagen. Dem köstlich amüsierten Publikum präsentierte sie das Fasnet-Artenschutz-Gesetz über die artgerechte Haltung von Männern in den närrischen Tagen. Dabei empfahl sie primär einen Griff zu Männern, die kein Mitleid erregen würden. Reining gab Ratschläge für die Ernährung, Unterbringung und Tränkung von Männern in der brünftig anmutenden Narrenzeit.

Was als Rollatoren-Reigen begann rockte das Milchwerk in Grund und Boden (hinten von links): Loretta Brunner, Petra Blender, Antje Groll sowie (vorne von links): Jenny Müller, Sabrina Volk und Janina Ruh.
Was als Rollatoren-Reigen begann rockte das Milchwerk in Grund und Boden (hinten von links): Loretta Brunner, Petra Blender, Antje Groll sowie (vorne von links): Jenny Müller, Sabrina Volk und Janina Ruh. | Bild: Georg Lange

Jutta Graf und Annika Kloss brachten ein Schreckensszenarium einer Reform im Gesundheitswesen auf die Bühne. Die Schauspielkünste der Närrinnen waren außergewöhnlich gut. Getränkt von rabenschwarzem Humor zeigten sie die Zukunft ambulanter Operationen, bei denen sich die Versicherten wegen den Kosteneinsparung selbst operieren. Nur wenigen gelingt es, einen Sarkasmus bühnenreif zu präsentieren, bei dem der Zuschauer permanent zwischen Lachtränen und einem im Hals stecken bleibenden Humor hin und her schwankt – Jutta Graf und Annika Kloss gehören definitiv zu diesen wenigen.

Sechs ältere Seniorinnen trafen sich auf der Bühne zum Rollatoren-Reigen. Schnell hatte man sich vom Vorurteil schleichender Greisinnen verabschieden müssen. Die Power-Rentnerinnen rockten den Saal und wurden vom tobenden Publikum zur Zugabe gezwungen. Carmen Aschinger und Julia Bierbach regionalisierten den Sylvester TV-Dauerbrenner "Dinner for one" und persiflierten in einer äußerst originellen und unnachahmlichen Art die Speisegesellschaft und ersetzte die fiktiven Männer durch die ehemaligen Narrenmoddern aus drei Generationen. Das grölende Publikum brauchte Baldrian um sein Lachen wieder zu beruhigen.

 

Mitwirkende

Moderation: Sandra Hain und Sina Gnauk, Regie: Sandra Barth. Akteure: Lilith Steinhilber, Sandra Streicher, Sarah Contius, Ann Class, Michèle Kleiber, Jutta Graf, Loretta Brunner, Biggi Steinert, Antje Groll, Elsa Santinho-Reiser, Heidi Hirling, Marlies Reining, Jutta Graf, Annika Kloss, Petra Blender, Antje Groll, Jenny Müller, Janina Ruh, Loretta Brunner, Sabrina Volk, Carmen Aschinger, Julia Bierbach sowie Sina Gnauk.

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