Demnächst rücken beim katholische Kindergarten St. Hedwig im Altbohl die Bagger an. Ein Teil des Kindergartens, der in den frühen 1960er Jahren gebaut wurde, wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Künftig soll auch dort neben verlängerten Öffnungszeiten Ganztagesbetreuung angeboten werden. Während der einjährigen Bauzeit wird der komplette Betrieb in den Pfarrsaal Böhringen verlegt und in Zusammenarbeit mit der Stadt für die Kinder ein Fahrdienst mit Bus eingerichtet. Der bisher dreizügige Kindergarten mit 66 Plätzen wird in dieser Zeit nur zweizügig weitergeführt. Für die verabschiedeten Schulanfänger können in diesem Jahr keine Kinder nachrücken.

Nicht einmal eine Containerlösung war möglich

„Der Pfarrsaal in Böhringen ist die letzte Notlösung, sonst hätten wir den Kindergarten für die Bauzeit schließen müssen“, erklärt Pfarrer Michael Hauser auf Nachfrage unserer Zeitung. Man habe bis zuletzt versucht, andere Ausweichquartiere zu finden – ohne Erfolg. Auch eine Containerlösung habe sich nicht umsetzen lassen, berichtet er. Nun bleibe nur die Möglichkeit, den Pfarrsaal für die im September startende Übergangszeit entsprechend vorzubereiten. Glücklicherweise sei der Sanitärbereich groß genug, um die Toiletten mit wenig Aufwand kindgerecht umzugestalten.

Pfarrer Michael Hauser setzt auf das Verständnis der Eltern

„Solche Situationen sind immer problematisch. Aber vor jedem Neuanfang steht ein Umbruch“, sagt Pfarrer Hauser auf die Frage, wie denn die Eltern reagierten, die letztlich keine Chance hätten, angesichts der knappen Kindergartenplätze in Radolfzell alternative Betreuungsmöglichkeiten zu finden. Er hoffe auf das Verständnis aller und, dass am Ende das Ergebnis überzeuge.

Kindergartenbau war nicht mehr zeitgemäß

„Wir mussten handeln“, unterstreicht Pfarrer Hauser. Der Kindergarten aus den frühen 60er Jahren mit Anbau aus den 80er Jahren sei sowohl energetisch wie auch durch die knapp bemessenen Gruppenräume nicht mehr zeitgemäß. Zudem fehlten Nebenräume wie Küche und Ruheräume, um dem Wunsch der Stadt, auch Ganztagesbetreuung und eine Krippengruppe anzubieten, nachkommen zu können.

So soll der Neubau gestaltet werden

„Wir wollen nicht alles platt machen, sondern lassen den Gebäudeteil aus den 1980er Jahren stehen“, erklärt Michael Hauser. Dort sollen Küche, Speisesaal und Bewegungsräume untergebracht werden. Daran angegliedert wird nach den Plänen des Radolfzeller Architekturbüro Frei ein eingeschossiger großzügiger Neubau in Massivbauweise mit drei Gruppenräumen, die jeweils eine Zugangstreppe zu einer Spielebene haben, sowie weitere Räumlichkeiten, die optimale Abläufe gewährleisten und beste Voraussetzungen für die pädagogische Arbeit bieten. „Wir überlegen noch, ob wir den Kindergarten – wie St. Anton – zum Familienzentrum entwickeln“, kündigt Pfarrer Hauser eine Option an. Die Investitionen werden auf 2,9 Millionen Euro geschätzt. 80 Prozent der anrechnungsfähigen Kosten nach Abzug aller Zuschüsse trägt gemäß einer Investitionskosten-Vereinbarung die Stadt Radolfzell.