Mit sieben Kapellen beteiligen sich die Musikvereine aus ganz Radolfzell an dem Musikfest, mit dem der Blasmusikverband Hegau-Bodensee in Singen drei Tage lang sein 125-jähriges Bestehen feiert. Den Auftakt bildet am Freitagabend ein Open-Air-Konzert mit Vlado Kumpan auf dem Singener Rathausplatz. Am Samstag nehmen 23 Kapellen an einem Wertungsspiel teil. Parallel gibt es acht Stunden lang 41 Platzkonzert an sieben Orten der Singener Kernstadt. Insgesamt erwartet der Verband 7000 Musikanten von 85 Blasmusikvereinen und rund 20 000 Gäste. Am Sonntagnachmittag bilden rund 2000 Musiker einen Gesamtchor und präsentieren auf dem Marktplatz eine Welturaufführung einer Komposition von Rolf Rodin.

Am Musikfest nehmen alle Musikvereine aus den Ortsteilen sowie die Stadtkapelle Radolfzell und das Jugenblasorchester (JBO) teil. Für den Leiter der Musikschule Radolfzell, Hans-Heinrich Hartmann, ist das ein Zeichen für ein hohes Engagement für die Musik und für die hohe Qualität in der Jugendarbeit. Beim Wertungsspiel tritt das JBO gegen die routinierten Kapellen aus dem Landkreis an. Insgesamt können sich die Besucher allein am Samstag von 64 Kapellen bei Wertungsspielen und Platzkonzerten unterhalten lassen.

Außer den Musikern sind auch die Trachtenträger dabei

Am großen Festumzug am Sonntag beteiligen sich die Musikvereine aus Stahringen und Böhringen sowie die Trachtengruppe Alt Radolfzell. Insgesamt sind 62 Vereine beteiligt. Im Anschluss treffen sich rund 2000 Musiker auf dem Rathausplatz von Singen. Vom Balkon aus gibt Verbandsdirigent Helmut Hubov den Takt zur Welturaufführung des Stückes "Friedvoller Weg" von Ralf Rodin. Der Verband hat eigens für das Jubiläum das Werk in Auftrag gegeben, das von der Werner und Erika Messmer-Stiftung finanziert wurde. Cornelia Messmer spendierte die Notenblätter für die Musiker und Vereine.

Ortsvorsteher Thomas Will vertritt seit vier Jahren den MV Güttingen. Mit 27 Musikern wirkt der Verein beim Umzug und Gesamtchor mit. "Es wird sicher ein Erlebnis", so Will: Allein der Titel des Werkes "Friedvoller Weg" rechtfertige, beim großen Gesamtchor mitzuspielen. Der MV Liggeringen bereitet sich mit Dirigent Markus Müller auf ein Platzkonzert in der August-Ruf-Straße vor. Der Verein glänzte vor drei Wochen mit einer Fusion aus Blasmusik und Hardrock. Das Repertoire in Singen umfasst ab 11 Uhr Unterhaltungsmusik und ein neues Stück. Der Musikverein Böhringen hat beim Musikfest nahezu "all inclusive" gebucht und beteiligt sich an Umzug, Platzkonzert und nach über zehn Jahren am Wertungsspiel.

Wertungsspiele sind anstrengend, aber enorm wichtig

Als Dirigent nimmt Kuno Rauch gleich an drei Wertungsspielen teil. Er dirigiert den MV Markelfingen, die Stadtkappelle Radolfzell sowie das Jugendblasorchester (JBO) und deckt mit ihnen alle Facetten der Blasmusik ab. Das Wertungsspiel erfordere die meiste Vorbereitungszeit, so Kuno Rauch: Platzkonzerte werden für gewöhnlich dem Grundrepertoire eines Vereines entnommen. Bei Wettbewerben lasse man sich hingegen bewerten. Da müsse man wie ein Profi auf die Musiker achten.

Die Stücke zum Wertungsspiel haben nicht nur unterhaltsame, sondern aus künstlerische und handwerkliche Kriterien zu erfüllen. "Sie werden bis ins kleinste Detail geprobt", so der Vorsitzende der Stadtkapelle, Thomas Späth. Er könne nachvollziehen, dass Wertungsspiele im Verein auf negative Stimmungen stoßen, da sich Musiker über Wochen auf zwei Stücke konzentrieren. Der Vorteil sei, dass Musikvereine mit Wertungsspielen auf einem sehr hohen Niveau bleiben. Das Wertungsspiel des Verbands sei eine gute Vorbereitung für das Deutsche Musikfest in Osnabrück im kommenden Jahr, an dem die Stadtkapelle teilnehmen wird.