Seit beinahe 20 Jahren gehört der Kleiderladen Weitertragen der Diakonie zum Handels-Mosaik der Innenstadt. Im Jahr 2000 öffnete er seine Türen in der Tegginger Straße 10, bevor er einige Häuser weiter in die Nummer 14 in die Nähe des René-Moustelon-Platzes zog. Vor einem Jahr hat Andrea Waluga die Leitung des Ladens übernommen. Zuvor war sie in der Behindertenhilfe der Caritas tätig.

Andrea Waluga glaubt an das Konzept von Weitertragen

"Auf die Stelle habe ich mich beworben, weil ich vom Konzept des Ladens überzeugt bin", erzählt Waluga strahlend in ihrem kleinen Büro am Ende des Ladens, der mit Kleidern, Schuhen und Taschen in allen Farben gefüllt ist. Der Kleiderladen unterscheidet sich von kommerziellen Second-Hand-Läden. Hier gibt es nicht nur Kleidung günstig zu erstehen. Für viele Menschen ist er ein sozialer Treffpunkt, eine wichtige Anlaufstelle in der Stadt.

Manche Besucher brauchen den täglichen Kontakt

"Mehrere unserer Besucher kommen täglich", sagt Waluga, sie kämen, um zu reden oder für 50 Cent eine Tasse fair-gehandelten "Bohnensee-Kaffees" zu trinken. Manche schütten ihr Herz aus, erzählen von ihren Sorgen. Oftmals können Waluga und ihre Mitarbeiterinnen weiterhelfen, indem sie die Betreffenden an die Familien- oder Schuldnerberatung des Diakonischen Werks gleich gegenüber weiterleiten. Bei den täglichen Arbeiten im Laden, dem Auspacken, Sortieren, Einräumen der Kleiderspenden, dem Auszeichnen der Ware und an der Kasse wird Waluga von 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen unterstützt.

Flüchtlinge verbessern hier ihr Deutsch

Die jüngsten drücken noch die Schulbank und leisten im Laden ihr Sozialpraktikum, das in der neunten Klasse ansteht. Die älteste Mitarbeiterin ist 82 Jahre alt. Manche kommen aus eigenem Interesse, finden über die Ehrenamtsbörse Radeus des Mehrgenerationenhauses ihren Weg in den Kleiderladen. Andere werden vom Jobcenter vermittelt und unternehmen hier ihre ersten Schritte in die berufliche Wiedereingliederung. Auch Flüchtlingsfrauen kommen oft für einige Stunden, um ihre Sprachkenntnisse zu erweitern, während sie dabei helfen, die vielen Tätigkeiten rund um die Kleidung zu erledigen.

Jede Ehrenamtliche kann ihre Talente einbringen

Mancher Rentnerin bietet der Laden eine sinnvolle Beschäftigung, die sie vor der Einsamkeit bewahrt. Waluga sieht ihre Aufgabe auch darin, allen Mitarbeiterinnen einen Arbeitsplatz zu bieten, der ihren Neigungen entspricht. "Manche bügeln gerne, andere können gut nähen und ausbessern, wieder andere möchten richtig anpacken und erledigen körperlich Anstrengendes wie das Auspacken und Sortieren der Spenden", sagt sie. Aus einigen Hobbys entstehen Themenabende. An jedem zweiten Dienstag im Monat, um 19 Uhr, bietet der Kleiderladen einen Stopf- und Flickabend. Kommen kann, wem es zu langweilig ist, solche Arbeiten allein zu erledigen oder auch wer lernen möchte, wie man Kleidung ausbessert. Ist der Angora-Pulli zu heiß gewaschen, ist das für die Damen im Kleiderladen nicht unbedingt ein Grund, ihn wegzuwerfen. "Upcycling" bedeutet, aus Altem etwas Neues zu machen. Aus dem teuren Pulli können zum Beispiel Kinderhöschen entstehen.

Die Preise für die verkauften Stücke sollen günstig bleiben

Angeboten werden die Waren etwas günstiger als in Second-Hand-Läden, die auf Kommissionsbasis arbeiten. Für Hosen gilt in der Regel der Einheitspreis von fünf Euro. Familien mit einem Berechtigungsschein der Diakonie zahlen nur die Hälfte. Frauen und Kinder, die im Frauenhaus Schutz suchen, werden unentgeltlich mit allem Nötigen versorgt. Gut besucht werde der Laden von Montag bis Samstag, erzählt Waluga. Auch mit dem Verhältnis von Wareneingang und Verkauf ist sie zufrieden. Seit sie dort arbeitet, hätten keine Spenden abgelehnt werden müssen. "Aus Platzgründen bitten wir manchmal nur darum, Kleidung zur Saison zu bringen." Und schließlich spricht sie das Geld an: "Was wir einnehmen, kommt in den Topf des Diakonischen Werks. Damit werden Projekte und Beratungen finanziert."