"Was wir uns erhofft haben, ist auch eingetreten", sagt Oberbürgermeister Martin Staab ein Jahr nach der Einführung des neuen Mobilitätskonzeptes. Der Erfolg gebe ihnen Recht: Die Zahl der Fahrgäste in den Bussen hat sich laut Andreas Reinhardt, Geschäftsführer der Stadtwerke Radolfzell, deutlich erhöht: von 750 000 auf eine Million. Dabei handelt es sich um einen statistischen Wert, für den etwa auch Schülermonats- oder Gästekarten eingerechnet wurden. Im Ausschuss für Planung, Umwelt und Technik des Radolfzeller Gemeinderats haben Reinhardt und Staab nun einen Jahresbericht vorgelegt und weitere Neuerungen angekündigt.

Ergebnis ist positiver als gedacht

Nach einer deutlich positiveren Entwicklung als erwartet sollen die Stadtbustarife nun entfristet werden und vorerst dauerhaft gelten. Das wird laut Reinhardt in einer Aufsichtsrats-Sitzung der Stadtwerke am Mittwoch, 17. Oktober, entschieden. In den nächsten Jahren soll sich das Angebot aber noch deutlich wandeln: "Die jetzige Grundlage unseres Liniennetzes ist 20 Jahre alt, da müssen wir grundsätzlich neu nachdenken", sagt Reinhardt. In den nächsten Jahren laufen die Konzessionsverträge für den Stadtverkehr aus, dann soll neu geplant werden. Reinhard nennt als Beispiel den Zuzug im Norden Radolfzells sowie Ortsteilen und die Notwendigkeit barrierefreier Haltestellen. "Die Stadt entwickelt sich weiter, da sind wir in den nächsten Jahren gefordert." Auch die Zeitkarten sollen verbessert werden. Denkbar ist laut OB Staab und dem Stadtwerke-Chef ein 365-Tage-Ticket, das 365 Euro kosten würde.

Wegen Großbaustelle bisher keine Gebühren

Nachgebessert werden soll nun bei den Wohnmobilen und einzelnen Parkflächen. In der Friedrich-Werber-Straße und Josef-Bosch-Straße sind wegen der Großbaustelle zum Seevillenpark keine Parkscheinautomaten aufgestellt worden. Dies wolle die Stadtverwaltung nach dem Ende der Bauarbeiten nun nachholen und auch diese Straßen bewirtschaften. Dort soll man dann künftig vier Stunden mit Parkschein parken dürfen. Die Parkraumbewirtschaftung soll auch auf das Gewerbegebiet Nord ausgeweitet werden. Die Parkplätze vor dem RIZ seien für die Beschäftigten angelegt worden. Nun würden aber immer öfter auch Hotelgäste ihre Fahrzeuge dort abstellen. Bei dieser Gelegenheit soll ebenso eine Parkplatzbeleuchtung installiert werden. Für diese Straßen wird es auch Monatstickets für 30 Euro geben.

Grundsätzlich zeigten sich die Mitglieder des Ausschusses zufrieden mit dem vor einem Jahr eingeführten Parkraumkonzept. "Nach den ersten Unruhen und Nachbesserungen hat es nun eine hohe Akzeptanz", sagt Norbert Lumbe (SPD). Die Ausweitung der Parkzonen sei eine "logische und notwendige Konsequenz". Bereits wenige Monate nach Einführung wurde das Konzept angepasst und das Kurzparken eingeführt. Eine Parkdauer von bis zu 30 Minuten kostet dadurch 50 Cent, für einen kurzen Gang etwa zur Apotheke ist so nicht gleich einen Euro fällig. "Wir spüren, dass wir die Probleme gelöst und ein Umdenken eingeleitet haben", sagt Staab zusammenfassend.

Räte sind mit Einjahres-Bilanz zufrieden

Dank der Umsetzung des Mobilitätskonzepts finde man auch nachmittags am Messeparkplatz noch eine Abstellmöglichkeit und die ewige Warteliste für Dauerparkscheine in der Altstadt ist Geschichte. "Die Aktion mit dem Bus hat sich als ganz tolle Sache erwiesen – überraschend", sagte Thilo Sindlinger (FGL). Ob Menschen vom Auto auf den Bus umgestiegen sind, lässt sich anhand der Zahlen der Stadtwerke nicht sicher belegen, wie OB und Stadtwerke-Chef Reinhardt sagen, doch sie würden davon ausgehen. Besonders Familien würden den Einzelfahrschein nun nutzen, weil er individueller einsatzbar und günstiger sei.

Wohnmobil-Plätze sollen aufgewertet werden

Kritik gab es in der Vergangenheit besonders für die Wohnmobil-Plätze an der Strandbadstraße: Zu viel Geld für eine zu schlechte Infrastruktur. "Da waren wir zu schnell mit der Gebührenanpassung", gibt Staab im Pressegespräch zu. Jetzt soll ein Infrastrukturgebäude mit Dusche, WC und Spülraum her, was bisher nur teilweise und rudimentär gegeben sei. Der Beschluss dafür ist laut Staab im Oktober geplant, ein Förderantrag für Tourismusmittel soll bereits nächste Woche gestellt werden. Abgesehen davon sollen die Wohnmobilplätze in der Nebensaison günstiger werden. So soll der Stellplatz in der Nebensaison nur acht Euro, in der Hauptsaison im Herzen elf Euro, auf der Mettnau 15 Euro kosten.

Auf die Frage von Christof Stadler (CDU), ob es Potential für einen noch günstigeren Bus gebe, antwortete OB Staab: "Kostenloser ÖPNV wäre keine adäquate Lösung." Das würde die Kapazität sprengen. Lorenz Thum (CDU) äußerte als Ortsvorsteher Markelfingens den Wunsch, dass dort auch außerhalb der Sommersaison häufiger ein Bus fährt – die aktuelle Verbindung sei dem Wildpark zu verdanken. "Wir müssen an verschiedenen Stellen nacharbeiten", erwiderte daraufhin Stadtwerke-Chef Andreas Reinhardt.