Konstanz "Mit zwölf Maßkrügen läuft es sich noch gemütlich"

Morgen beginnt das Konstanzer Oktoberfest. Servicekraft Daniel Fischer steht schon in Lederhose bereit. Ein Gespräch über Haxn, Geheimtipps und rote Karten.

Herr Fischer, warum gerade der Job?

Weil das ein guter Ausgleich zu meinem Hauptjob als LKW-Fahrer ist. Das Arbeiten in der Gastronomie hat mir schon immer Spaß gemacht. Man lernt immer neue, nette Leute kennen.

Sie nehmen zweieinhalb Wochen frei, um nüchtern unter Betrunkenen sein.

Klar, manchmal denkt man schon: Jetzt hätte ich auch lieber zwei Bier. Aber ich bediene dieses Jahr zum fünften Mal auf dem Oktoberfest. Man gewöhnt sich daran.

Geld spielt keine Rolle?

Doch, natürlich. Man kann hier gutes Geld verdienen. Es gibt aber teilweise Unterschiede von bis zu 2000 Euro, was die Servicekräfte am Ende ausbezahlt bekommen. Wir arbeiten auf Provision. Jede Maß zählt, sozusagen. Und alles aus den Körben des Oktoberfest-Shops, was wir später am Abend noch verkaufen. Außerdem ist es auch entscheidend, welche Tische man bedient. Die in der Mitte vor der Bühne laufen am besten.

Wie läuft so ein Oktoberfestabend typischerweise für Sie ab?

Für viele fängt der Arbeitstag zum Mittagstisch an. Wir kommen alle schon in der Lederhose und im Dirndl. Hemden bekommen wir gestellt, den Rest kaufen wir selbst. Bevor es losgeht, müssen wir erst einmal ein bis zwei Stunden alles vorbereiten – Tische sauber machen, eindecken, und so weiter. Es gibt immer Zweierteams. Jeder hat sechs Bierbänke mit 50 bis 60 Leuten. Am Anfang ist es besonders stressig, wenn um 18 Uhr alle mit Reservierung auf einmal reinkommen. Bis 8, halb 9 läuft man sehr, sehr viel.

Wie viele Maß können Sie stemmen?

Mit zehn bis zwölf Maßkrügen läuft es sich noch gemütlich. Alles darüber bekommt man nicht mehr gut unfallfrei durch die Menge.

Wer sind die besten Trinkgeldgeber?

Unterschiedlich. Manchmal sind es ein paar Jungs von irgendeiner Feuerwehr oder einem Fasnachtsverein. Schweizer geben nicht prinzipiell mehr.

Wie gehen Sie mit Beschwerden um, wenn die Haxn zum Beispiel kalt sind?

Dann nehmen wir die zurück in die Küche und tauschen sie um.

Gehen Sie privat auch auf Oktoberfeste?

Ja, ich bin jedes Jahr auf dem Cannstatter Wasen. Meine alte Heimat. Zum Oktoberfest nach München fahre ich schon eine ganze Weile nicht mehr. Zu groß, zu viele Leute, zu voll.

Haben Sie einen Geheimtipp für einen Tag hier?

Mittwochs und donnerstags würde ich sagen. Da ist das Zelt nicht ganz so ausgelastet wie am Wochenende und in den vergangenen Jahren war an diesen Tagen richtig gute Stimmung. Ich finde zum Beispiel Papis Pumpels super. Wenn „Wir lieben den Bodensee“ läuft, singt jeder mit. Super Lied.

Es passiert vereinzelt auch immer mal wieder, dass die Stimmung kippt. Wie gehen Sie und Ihre Kollegen mit Konflikten oder zu betrunkenen Gästen um?

Wir haben gelbe Karten, die wir verteilen, wenn sich einer daneben benimmt. Dann wird vom Sicherheitsdienst noch die Tischnummer aufgeschrieben. Wenn noch mal was ist, gibt’s vielleicht noch eine Verwarnung – oder derjenige fliegt gleich raus. Ich habe aber in den fünf Jahren nicht eine Schlägerei mitbekommen – zumindest nicht im Zelt. Wenn man mal kurz Luft hat und eine rauchen ist, kriegt man draußen schon mal was mit.

Fragen: Sandra Pfanner

O' zapft is morgen: Wie viel dieses Jahr die Maß kostet

  • Zur Person: Daniel Fischer ist 34 Jahre alt und wohnt in Radolfzell. Der Berufskraftfahrer kommt ursprünglich aus dem Raum Stuttgart und lebt seit fünf Jahren am Bodensee. Fischer ist schon seit vielen Jahren in der Gastronomiebranche tätig, hatte auch schon eine eigene Kneipe und ist dieses Jahr einer von 98 Servicekräften, die auf dem Konstanzer Oktoberfest arbeiten.
  • Maßpreis und Programm: Zur Eröffnung morgen findet um 17 Uhr der Festumzug zum Festplatz Klein Venedig statt. Fassbieranstich ist um 18 Uhr im Paulaner Festzelt. Die Maß kostet dieses Jahr 10,60 Euro – 30 Cent mehr als im Vorjahr. Besondere Programmtage: Damen Wies'n am Samstag, 23. September; Oktoberkinderfest am Sonntag, 24. September; Internationaler Blasmusikwettbewerb am Sonntag, 1. Oktober.
  • Sicherheit: Am Eingang zum Festgelände stehen Betonklötze, zudem gebe es dieses Jahr mehr Mitarbeiter im Sicherheitsdienst, so Stephanie Maier von Fetscher Event Marketing. Bei den Abendveranstaltungen gibt es im Zelt ein Rucksackverbot für Taschen ab 30x30x10 Zentimeter. Am Eingang gibt es Taschen-, Ausweis- und Alterskontrollen.
  • Öffnungszeiten: Mittwochs bis sonntags von 11 bis 24 Uhr. Bewirtung im Biergarten und Betrieb der Fahrgeschäfte ab 11 Uhr.
  • Reservierungen und Fest-Pins: Es gibt an allen Tagen noch freie Tische, so Stephanie Maier. Mit den Fest-Pins für 5 Euro kommt man auch ohne Vorabreservierung ins Zelt – solange es nicht voll ist. (sap)
Infos im Detail und Reservierungen: www.oktoberfest-konstanz.de.

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