Was braucht man, wenn man a cappella singt? Spaß am Singen in kleiner Gruppe, den Mut, ohne Instrumentalbegleitung aufzutreten, Zeit und Herzblut, Notenlesen (ist ein Kann kein Muss) – und hilfreich ist ein Smartphone oder Handy, mit dem man das Gesungene aufnehmen kann. Ansonsten hält sich der technische Aufwand bei der Radolfzeller a cappella Gruppe "Zell A Cappella" in Grenzen: Die sechs Sängerinnen und Sänger, die Soprane Margot Schmidt und Evelyn Pfleghaar, Heidrun Zeller-Thorn und Anke Kehl im Alt – Georg Fleischmann ist zur Zeit der einzige Tenor und Stefan Werner singt alleine im Bass – lieben es, mit kleiner Anlage aufzutreten, und die war beim Konzert in Radolfzell auch nötig. "Am Konzertsegel zu singen ist schwer", sagt Georg Fleischmann. "Man hört sich kaum, und bei schlechtem Wetter fehlen die Laufzuhörer." Trotz wolkenverhangenem Himmel und kaltem Wind saßen immerhin 30 Zuhörer auf dem Podium direkt vor den Musikern. Da das Podium für die Musiker Bühne und Schutz zugleich war, schrumpfte der Abstand bei den kühlen Frühlingstemperaturen zusammen: A cappella zum Anfassen sozusagen.

Ihr heutiges Repertoire von 40 bis 60 (mit Weihnachtsliedern) Kompositionen bauen sie seit 1997 aus. Wobei deutsche Lieder englische abgelöst haben. Das Markenzeichen von Zell A Cappella sind ihre gelben Krawatten, die nur dann verschwinden, wenn ein Kostümwechsel – eingebaut in den Auftritt – für ein Lied notwendig wird. Dafür holen sie sich immer wieder mal professionelle Hilfe. Auftritte hatten sie schon beim Chorduell vom SWR 4, bei der Splitternacht im K9 in Konstanz, bei den Gartenfreunden in Hilzingen, in Orsingen, bei der Kulturnacht oder im Zunfthaus in Radolfzell.

Auch auf Hochzeiten oder Taufen sorgen sie für musikalische Gestaltung. Geprobt wird – da die Gruppe kein Verein ist – einmal in der Woche privat und da, wo Kinder betreut werden müssen.

Zusammengestellt hat das Vokalensemble der verstorbene Godehard Steffen aus dem Gemischten Chor Radolfzell. Er wollte damals gemischte Vokalmusik für junge Sänger anbieten. Hauptberuflich Rechtsanwalt und Vater von vier Kindern, war er ein sehr vielseitiger Chor- und Ensembleleiter und das Herzstück von Zell A Cappella. Als sicherer Basssänger mit viel Volumen arrangierte er maßgeschneiderte Stücke für die Sänger – oft zusammen mit Margot Schmidt, die beispielsweise für den Blumenschmuckwettbewerb das Lied "Tulpen aus Amsterdam" in "Blumen von Radolfzell" umdichtete. Steffen forderte die Sänger heraus, sich gesanglich und in der Bühnenpräsenz weiterzuentwickeln, baute Kontakte auf, pflegte sie und hatte die Gabe, sich immer auf das Wesentliche zu konzentrieren. Kurz vor seinem Tod im Jahr 2012 sagte Steffen: "Ich will, dass Zell A Cappella weitermacht." Es war ein herber Verlust für die Gruppe, als er starb, auch weil danach so mancher Sänger aufhörte. Einige Aufgaben hat Margot Schmidt übernommen, die musikalische Ideen ein- und Struktur mitbrachte.

Die Gruppe

Das Gesangsensemble Zell A Capella bietet alles von der Renaissance bis zu Rock und Pop. Gegründet 1997, hat sich die Gruppe unter der Leitung von Godehard Steffen kontinuierlich weiterentwickelt. Getreu der Devise "Die Stimme ist das vielfältigste Instrument" verzichtet Zell A Capella auf jeden technischen und instrumentalen Schnickschnack und zeigt auf, wie breit gefächert reine Vokalmusik sein kann. Das Ensemble setzt sich hierbei auch mit vielen aus dem Leben gegriffenen Themen auseinander – etwa dem Drang der Deutschen zur Volksmusik.

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