Zum 20. Mal starteten die Schüler mit dem Konzert "Rock am Segel“ in die großen Ferien. Rund 1000 Besucher genossen das schöne Sommerwetter am Konzertsegel und ließen sich von vier Bands musikalisch unterhalten. Laut den Verantwortlichen beim Jugendgemeinderat (JGR), der die Veranstaltung seit zwei Jahrzehnten organisiert, verlief deren 20. Auflage sehr ruhig. Yannik Probst, Projektleiter vom JGR, fasste es zum Ende der Veranstaltung um 24 Uhr so zusammen: „Das war eine wirklich schöne Jubiläumsveranstaltung.“

Vorausgegangen waren rund sieben Stunden Musik am Konzertsegel. Um 17 Uhr startete die Formation „Sonic Hiker“ aus Konstanz mit einer Mischung aus klassischem Rock, Blues, Rockabilly und Swing, den die Musiker selbst als Nicotine-Rock bezeichnen. In jedem Fall haben die Beginner solcher Opern-air-Veranstaltungen es immer schwer, das Publikum in Schwung zu bringen.

Konzert (hier die Band Taktlos) bei untergehender Sonne: "Rock am Segel" fand am Mittwoch bei sommerlichen Temperaturen statt. Bild: Gerald Jarausch
Konzert (hier die Band Taktlos) bei untergehender Sonne: "Rock am Segel" fand am Mittwoch bei sommerlichen Temperaturen statt. | Bild: Jarausch, Gerald

Das musste auch der zweite Gewinner des Song-Contests, die Band „Taktlos“ aus Biberach, erkennen. Mit ihrem alternativen Crossover-Sound erreichten sie ebenfalls nur eine überschaubare Menge der Festival-Besucher. Dabei mühte sich die achtköpfige Gruppe nach allen Regeln der Kunst ab. Für sie selbst war der Auftritt daher auch ein besonderes Erlebnis: „An so einem schönen Ort haben wir noch nie gespielt. Die Location ist einfach sensationell“, sagte Bassist Lukas Renz gegenüber dem SÜDKURIER im Anschluss.

Kam aus Berlin zu "Rock am Segel" nach Radolfzell: Die junge Sängerin Toksi. Bild: Gerald Jarausch
Kam aus Berlin zu "Rock am Segel" nach Radolfzell: Die junge Sängerin Toksi. | Bild: Jarausch, Gerald

Ähnlich angetan zeigte sich das Berliner Duo Toksi. Die junge Künstlerin und Namensgeberin des Duos erreichte mit ihren tendenziell ruhigen Popsongs am Mittwochabend vermutlich die meisten Zuhörer am Konzertsegel. Für Eva-Maria Beller, Leiterin Kinder und Jugend im Fachbereich Bildung, Jugend, Sport, war sie die angenehme Überraschung des Abends: „Besonders freue ich mich darüber, dass eine junge Frau das Publikum so mitnimmt“, sagte sie. In der Tat gelang Toksi im Rückblick des Abends das, was man eigentlich dem Headliner zuschreibt.

Herrliche Abendstimmung am Konzertsegel: Unter der markanten Zeltkonstruktion entpuppte sich das Duo Toksi als Band des Abends. Bild: Gerald Jarausch
Herrliche Abendstimmung am Konzertsegel: Unter der markanten Zeltkonstruktion entpuppte sich das Duo Toksi als Band des Abends. | Bild: Jarausch, Gerald

Doch „We Invented Paris“ aus Basel gelang es nur bedingt, Brücken zwischen sich und dem Publikum zu schlagen. Zu starr und mit sich selbst beschäftigt lieferten die Musiker ihre retroelektrische Popmusik ab, sodass sich keine ausgelassene Stimmung in den späten Abendstunden entwickeln wollte. Vielleicht auch deshalb war der Verlauf von „Rock am Segel“ in diesem Jahr ein besonders ruhiger. Die Zeiten, als raue Rockmusik noch den Ton bei der Veranstaltung angab, scheinen offenbar vorbei zu sein.

Einer, der das gut wissen muss, ist Bastian Hirling. Bis zum vergangenen Jahr war er bei allen 19 Veranstaltungen des JGR als Helfer dabei. In diesem Jahr genoss er „Rock am Segel“ erstmals als normaler Zuschauer: „Es ist schön, mal auf der anderen Seite zu stehen“, stellte er fest. Gleichzeitig erinnerte er sich an die frühen Jahre, als Bands wie „Die Happy“ das Konzertsegel zum Wackeln brachten und das Festivalgelände aus den Nähten zu platzen drohte. „Das ist heute anders. In der Musik gibt es einen ständigen Wandel“, so seine Einschätzung.

Die Besucher von "Rock am Segel" nutzen das schöne Sommerwetter für einige Plauderstunden unter Freunden am See. Bild: Gerald Jarausch
Die Besucher von "Rock am Segel" nutzen das schöne Sommerwetter für einige Plauderstunden unter Freunden am See. | Bild: Jarausch, Gerald

Der Wandel offenbarte sich am Mittwoch auch in vielen Kleinigkeiten, die ein Festival so ausmachen. Erstmals und zum Jubiläum wurden eigens Bändel für die Veranstaltung angefertigt und auch die Trinkbecher zierte das neue Logo von „Rock am Segel“. „Der organisatorische Rahmen wird immer professioneller“, stellte dazu Pauline Meyer, Vorsitzende des JGR fest. Dazu gehört auch das Sicherheitskonzept. Ein entsprechendes Unternehmen war mit neun Personen vor Ort und zwölf volljährige Helfer der JGR standen ebenfalls für die Besucher zur Verfügung. Am Ende ist immer entscheidend, ob die Veranstaltung den Besuchern gefallen hat. Das war auch am Mittwoch wieder der Fall. An der angenehmen Stimmung hatte vermutlich auch der fröhliche Anlass seinen Anteil: "Rock am Segel" markiert traditionell den Start in die großen Ferien.