Radolfzell-Stahringen Mit Leidenschaft für die Software-Entwicklung

Wirtschaftsköpfe: Carl Pfeffer ist der neue Chef bei Fischer Computertechnik. Das Stahringer Unternehmen will die Produktkommunikation vorantreiben.

Was bringt einen Menschen, der lange in der metallverarbeitenden Industrie gearbeitet hat, dazu, ein Software-Unternehmen zu leiten? „Das Thema Software begeistert mich sehr. Wenn man heute über Hochtechnologie, die sogenannte Hightech, redet, denkt man eigentlich automatisch an Software“, sagt Carl Pfeffer dazu. Er ist seit Juni CEO bei der Firma Fischer Computertechnik (FCT) im Radolfzeller Ortsteil Stahringen, einem Unternehmen, das auf Produktkommunikation und -dokumentation spezialisiert ist (siehe Text unten).

CEO – die englische Abkürzung bedeutet Chief Executive Officer – lässt sich im Zusammenhang mit einer deutschen Aktiengesellschaft etwa als Vorstandschef oder Geschäftsführer übersetzen. Der Vorteil der amerikanischen Abkürzung: "Sie wird überall verstanden", so Carl Pfeffer – durchaus ein Faktor für ein Unternehmen, dessen Kunden nicht nur im deutschsprachigen Raum zu finden sind. Wenn man Carl Pfeffer über seinen Werdegang und seinen Weg zu seiner jetzigen Arbeit reden hört, hat man das Gefühl, er sei allmählich hineingewachsen. Die Hälfte seines Berufslebens habe er bei Daimler mit verschiedenen Fach- und Führungsaufgaben verbracht, erzählt er. Vor der Arbeit für FCT war der Betriebswirt außerdem in der metallverarbeitenden und Zulieferindustrie tätig, etwa bei der Firma Zapp in Düsseldorf oder den Aluminiumwerken Wutöschingen (AWW).

"Was da bisher gewachsen ist, hat eine ganze Branche bis heute geprägt"

Carl Pfeffer führt im Anschluss aus, wie sein Wechsel aus der klassischen Industrie in die Software-Branche zustande kam. Walter Fischer, der Gründer von FCT, habe ihn gefragt, ob er im Aufsichtsrat des Stahringer Unternehmens mitarbeiten wolle. Der Hintergrund: Carl Pfeffer, gebürtiger Bonner, der in Köln, Sankt Gallen und Fontainebleau Betriebswirtschaft studiert hat, kommt von der finanziellen Seite der Unternehmensführung: "Bei FCT in Stahringen wurde noch ein Finanzer, der CEO bei einem größeren Unternehmen ist, für den Aufsichtsrat gesucht", sagt er. Und: „Ein großer Teil meines Interesses an Software kam dann aus dieser Arbeit“, erzählt er heute. Zum 1. Juni dieses Jahres haben Walter Fischer und er praktisch die Ämter getauscht, Carl Pfeffer wechselte auf den Vorstandsposten und Walter Fischer in den Aufsichtsrat. In dieser Funktion berate er das Unternehmen weiter, sagt Nachfolger Carl Pfeffer – wichtig für einen langfristigen Übergang, denn: "Was da bisher gewachsen ist, hat eine ganze Branche bis heute geprägt." Gleichzeitig habe ihn bei FCT die unternehmerische Herausforderung gereizt, erzählt Carl Pfeffer, denn jetzt ist er nicht nur Angestellter eines Unternehmens, sondern selbst Anteilseigner und damit Mitbesitzer.

Und wie lautet seine Vision für die Firma Fischer Computertechnik? "Wir wollen unsere Kunden in den digitalen Wandel begleiten und sie weiterhin in die Lage versetzen, ihre erklärungsbedürftigen Produkte immer und überall perfekt zu erklären", antwortet Carl Pfeffer darauf. Im Gespräch lässt er durchblicken, dass auch Virtual Reality und Augmented Reality Themen seien, die in der Entwicklungsabteilung des Unternehmens eine Rolle spielten. Konkret könnte diese Zukunftsmusik bedeuten, dass beispielsweise jemand, der ein Gerät reparieren will, sich in einer Datenbrille anzeigen lassen kann, welche Schritte er dabei ausführen muss. Konkret treibe das Hauptprodukt des Unternehmens die Entwicklung zu einer durchgängigen Produktkommunikation – in der Fachsprache "informatorisches Supply Chain Management" – voran, sagt Carl Pfeffer.

Um diese Herausforderung anzunehmen, ist Carl Pfeffer mit seiner Familie von Waldshut-Tiengen nach Bodman gezogen – "der perfekte Ort für uns", wie er sagt. Die Familie, zu der zwei kleine Töchter gehören – "meine erste Familiengründung", merkt der 54-jährige Carl Pfeffer an – kannte Bodman bereits aus den Ferien. Und auch für Carl Pfeffers Hobbys Segeln und Wintersport sei der Wohnsitzwechsel von Waldshut-Tiengen an den Bodensee eine gute Sache gewesen.

Das Unternehmen und das Produkt

  • Unternehmen: Die heutige Fischer Computertechnik AG (FCT) wurde 1985 von Walter Fischer als GmbH in Frankfurt am Main gegründet. Noch in seinen ersten Jahren zog das Unternehmen nach Radolfzell. 2013 wurde FCT in eine AG umgewandelt, die laut CEO Carl Pfeffer derzeit im Besitz von einigen wenigen Anteilseignern ist. Heute hat das Unternehmen laut Pfeffer etwa 50 Mitarbeiter am Standort in der Stahringer Hauptstraße, hinzu kommen noch einige in eigenen Vertriebsbüros. Die Kunden kommen laut Unternehmensangaben aus dem ganzen deutschsprachigen Raum – darunter viele Niederlassungen ausländischer Unternehmen – und darüber hinaus. In der Region stehen beispielsweise Georg Fischer (Schaffhausen), Förster Technik (Engen) oder Rolls Royce Power Systems (Friedrichshafen) auf der Kundenliste.
  • Produkt: Hauptsächlich verkauft FCT ein Computerprogramm, mit dem andere Unternehmen ihre Produkte dokumentieren und kommunizieren können. Die Informationen zu einem Gerät werden darin in sogenannten Modulen erfasst, sodass sich am Ende eine Datenbank mit allen Informationen zu einem Produkt ergibt. Diese Informationen können dann auf verschiedene Arten verwendet werden, beispielsweise als Bedienungsanleitung für einen Staubsauger, als Reparaturanleitung für einen Drucker, die im Internet mit einem Fehlercode abrufbar ist, oder als Dokumentation einer großen Industrieanlage wie einem Kraftwerk. Laut Carl Pfeffer kann dieses Computerprogramm beispielsweise auch Dokumente und Videos einbinden.

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