Zum 25. Mal trafen sich in Radolfzell begabte Musiker zu einem Meisterkurs für Violine, Violoncello und Klavier. Drei Hochschulprofessoren für Musik unterrichteten 24 Jungtalente an ihren Instrumenten und bereiteten diese eine Woche lang auf acht Konzerte mit mehr als 3000 Besuchern vor. Dabei gehen die Sommerakademie und deren Zuhörer eine für die Meisterkurse wichtige Symbiose ein: Unter akustisch erschwerten Bedingungen präsentieren die Musiker ihr Können auf öffentlichen Plätzen.

Im Gegenzug erhalten Radolfzeller eine Woche lang klassische Sommerkonzerte auf höchstem Niveau. Im Milchwerk beendete die Akademie ihren Unterricht mit einem Abschlusskonzert der Extraklasse von sechs alten und neuen Preisträgern. Die Dozenten und der Leiter der Musikschule ziehen Resümee und erläutern den andauernden Erfolg der Akademie für Schüler und Gäste.

Junge Musiker sammeln Erfahrung

Anke Dill ist bei der Sommerakademie die Dozentin für Violine: "Es muss sich weit herumgesprochen haben, dass diese Akademie eine besondere Zeit für junge Menschen ist, dass sie in ihrem Talent wirklich gefördert werden und eine unglaubliche Unterstützung von der Bevölkerung von Radolfzell erfahren", so die Dozentin. Die Musiker dürften vor vollem Haus spielen, können mehrfach auftreten und ihr Wettbewerbsrepertoire öffentlich aufführen. Dabei sammeln sie Erfahrungen und spüren den Rückhalt anderer hochtalentierter Studenten. Der Wettbewerb um die Preise sei zwar Teil des Geschäfts, sagt die Musikprofessorin, doch in Radolfzell habe der Wettbewerb eher eine inspirierende Wirkung. Dill kann unter den Musikern keine Ellenbogenmentalität erkennen. Im Gegenteil: Gegenseitig hätten sie sich mit Begeisterung getragen.

Carmen Piazzini ist begeistert von Musikern und Publikum

"Eigentlich habe ich das noch nie erlebt", erzählt Carmen Piazzini, die auch in Salzburg unterrichtet: "Bürger kommen und hören sich den Unterricht an." Eine Herausforderung für Studenten ist, dass der Unterricht vor Publikum stattfindet, so die Dozentin für Klavier. In ihren Unterricht bringen die Schüler ein Repertoire mit, das sie der Dozentin vorspielen. Nach zehnminütigem Solo unterbricht die Dozentin die Darbietung und beginnt mit den Klavierschülern, an deren Technik zu feilen. Schnell erkennt Piazzini, weshalb Stücke bei Schülern nicht funktionieren und übt mit ihnen den einfachsten Anschlag ein. Die Dozentin sagt: "Es macht mich glücklich, dass sich in der heutigen Zeit viele junge Menschen für diese Musik begeistern."

Cello-Lehrer Gustav Rivinius legt Wert auf zeitgenössische Werke

Beim Abschlusskonzert spielten auch ehemalige Preisträger der Akademie, die mittlerweile als Musiker sehr erfolgreich sind. Das zeige, dass sie sich hier wohl fühlen, sagt der Dozent für Violoncello, Gustav Rivinius. Der Cello-Professor zeigt sich gegenüber dem Publikum dankbar, dass es jedes Jahr wiederkomme. Die Schüler bringen ihr eigenes Repertoire mit in den Kurs. In Absprache mit dem Dozenten wählen sie die Stücke für die Konzerte aus. Dabei schützt er sie vor einer Überforderung, indem er wartet, bis der Student ein gutes Gefühl für die Präsentation hat. Es gibt die großen Werke von Bach, Mozart, Beethoven, Tschaikowsky und Brahms, die die jungen Leute zuerst lernen wollen, weil sie die Grundlagen sind, auf denen andere Werke aufbauen. Bei seinen eigenen Studenten legt Rivinius großen Wert darauf, dass sie zeitgenössische Stücke spielen.

Sommerakademie als Höhepunkt des Musikschuljahrs

Die Akademie ist für die Musikschule die intensivste Zeit des Jahres, die sie wieder aus ihrem Alltag heraushebt. Es kommen junge Leute aus weit entfernten Ländern nach Radolfzell, die nichts anderes im Kopf haben als Musik – von morgens bis abends, so der Leiter der Musikschule Radolfzell, Hans Heinrich Hartmann. Es sei schön zu sehen, mit welcher Intensität die jungen Leute sich mit der Musik beschäftigen. Erstaunlich sei, dass die jungen Leute kein Problem damit haben, nach dem Üben das Handy anzuwerfen und Musik aus dem Radio zu hören. Das Umschalten zwischen Alltag und ihrem Musizieren sei für sie selbstverständlich.