Es war ein echtes Heimspiel für den Bariton Maximilian Krummen, der auf vielen Opernbühnen zu Hause ist: Zu einem Liederabend kam er wieder nach Radolfzell. Hier ist er aufgewachsen, besuchte die Musikschule und machte vor zehn Jahren hier Abitur. „Ich bin überwältigt, so viele bekannte Gesichter zu sehen“, gestand der 28-jährige Sänger gerührt. Auch der Cellist und Kammermusikpartner Johannes Kasper ist hier zur Schule gegangen. Dritter im Bunde war Pianist Jonathan Ware, der sich ebenso wie seine Mitspieler freute, nun auch Teil der Musikstadt Radolfzell zu sein.

Kaum fasste der untere Ausstellungssaal der Villa Bosch die vielen Besucher, einige mussten sogar Plätze mit Sichtbehinderung in Kauf nehmen. Aber wichtiger war, was es zu hören gab. Und das sprengte tatsächlich die Erwartungen. Das Trio hatte ein stimmiges Programm zusammengestellt, wechselte Lieder mit instrumentalen Beiträgen geschickt ab.

Krummens Stimme ist fast zu mächtig für den kleinen Raum

Um Liebe und Sehnsucht nach der Heimat ging es in den vorwiegend romantischen Liedern, die Maximilian Krummen vortrug. Vom Schubert-Zeitgenossen Franz Lachner erklangen beschwingte und innige Lieder, die genau diese Themen behandelten. Krummens klar geführter, markanter Bariton war fast zu mächtig für den kleinen Vortragssaal, man merkte, dass er große Opernhaus-Bühnen gewohnt ist. Gut artikuliert und textverständlich, beweglich in den Registern, dabei auch weich und klangvoll in den Piano-Passagen erfreute er etwa im schönen Lied von Ignaz Lachner „An die Entfernte“ nach einem Goethe-Text mit zartem und innigem Gesang.

Die Lieder des russischen Komponisten Alexander Borodin waren ein guter Kontrast zur deutschen Romantik. Schmissig und energisch, in typisch russischem Kolorit besang Krummen „Das schöne Fischermädchen“, klagte „Das schöne Mädchen liebt mich nicht mehr“ oder wechselte beim fröhlichen „Hört, Freunde mein Lied“ vom melismatischen Gesang gar in die Kopfstimme. Vom Zeitgenossen Marius Felix Lange erklang auch das zum Stadtjubiläum komponierte „Min Untersee“. Violoncello und Klavier verfolgen hier ganz eigene Linien, man hört das plätschernde Wasser sogar in der Klavierstimme, das gleißende Sonnenlicht im Cello-Part. Verbindend lobt die Bariton-Stimme das innige Heimatgefühl, das sich beim Anblick des Untersees einstellt.

890: Das Trio ist ins Spiel vertieft. V.l.: Pianist Jonathan Ware, Cellist Johannes Kasper, Bariton Maximilian Krummen. Bild: Veronika Pantel
Das Trio ist ins Spiel vertieft. V.l.: Pianist Jonathan Ware, Cellist Johannes Kasper, Bariton Maximilian Krummen. | Bild: Veronika Pantel

Beispiel für die witzige Seite des Joseph Victor von Scheffel

Nach der Pause startete das Trio mit „Hering und Auster“ nach der Silcher-Melodie von der Loreley und dem witzigen Text von Joseph Victor von Scheffel: Nie wieder wird sich der Hering in die Auster verlieben, die ihn beim Zuklappen ihrer Schalen guillotinierte. Ein Robert-Schumann-Block wechselte Instrumentales und Vokales: Vier aus seinen fünf Stücken im Volkston op. 102 spielten Johannes Kasper und Jonathan Ware frisch und die Gefühlstiefen auslotend. Das vierte erklang markant und rhythmisch, das melodische zweite inwendig und zart und auch das dritte mit schwingenden Bögen und schwierigen technischen Anforderungen gelang sehr sicher.

Bei den Liedern nach Texten von Heinrich Heine erwies sich der Pianist als einfühlsamer Partner des Sängers, der seine Parts durchaus individuell gestaltete. Für den lange und begeistert gespendeten Applaus bedankte sich das Trio mit der Wiederholung des Radolfzeller Liedes „Min Undersee“ nach dem Text von Hermann Sernatinger.