Sechs Monate nach der Verurteilung eines 41-jährigen Mannes durch das Amtsgericht Radolfzell zu acht Monaten Haft ohne Bewährung ist das Urteil rechtskräftig geworden. Anfang 2017 hatte der wohnsitzlose Mann seine 27-jährige Ex-Freundin mehrfach über Whats-App massiv bedroht und beleidigt. Außerdem verstieß er in 22 Fällen gegen ein gerichtlich angeordnetes Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz. Seine Berufung vor dem Landgericht Konstanz hat er jetzt mangels Erfolgsaussicht zurückgenommen.

In einem Fall hatte der Mann der Ex-Freundin damals mit "Erschießen" gedroht. Der schriftlichen Botschaft war ein Foto beigefügt, auf dem er selbst mit einer Waffe in der Hand zu sehen war. Es folgten weitere Einschüchterungsversuche, in denen er verschiedenen Arten der Exekution wie "Fesseln und Verbrennen" oder "Totschlagen" nannte. Dazu wollte er "Leute schicken", die nachts in ihre Wohnung eindringen und sie "fertig machen" würden. Garniert waren die Drohungen mit herabsetzenden sexuellen Beleidigungen.

Verurteilter missachtet eine einstweilige Verfügung

Die Frau versuchte zunächst, sich mit einer einstweiligen Verfügung nach dem Gewaltschutzgesetz zu schützen. Den 41-Jährigen hielt das aber nicht davon ab, sie mit 22 weiteren Anrufen zu belästigen. Nach einer Strafanzeige kam es zu einer Anklage der Staatsanwaltschaft Konstanz. Den ersten Gerichtstermin im vorigen Jahr vor dem Amtsgericht Radolfzell ließ der drogenabhängige Angeklagte platzen. Zum zweiten Termin wurde er deshalb von der Polizei abgeholt.

Vor dem Landgericht Konstanz ist der 41-Jährige in Berufung gegangen, um eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung zu erreichen. Dafür wollte er sich bereit erklären, als Auflage noch einmal eine Drogentherapie zu machen. Seine Aussichten auf Gnade gingen aber gegen Null, wie die Vorsitzende Richterin ihm gleich zu Beginn der Verhandlung klar machte. Vorstrafenliste und Bewährungshilfebericht ergaben eine durchweg negative Prognose. Geradezu anmaßend fand die Richterin, dass der 41-Jährige sich zum wiederholten Male Therapie statt Strafe wünschte: "Sie haben gerade eine Therapie abgebrochen!", sagte sie ärgerlich und legte dem vielfach vorbestraften Mann nahe, die Berufung zurückzunehmen. Zudem wurde bekannt, dass es mittlerweile noch ein weiteres Verfahren wegen eines Drogendelikts gegen ihn gibt.

Ein letzter Wortwechsel mit der Staatsanwältin

Nach einer kurzen Unterredung mit seinem Verteidiger gab der von seinem Lebenswandel deutlich gezeichnete Angeklagte auf. Außer weiteren Kosten hat er nichts erreicht. Bevor er den Saal verließ, wandte er sich noch an die Staatsanwältin: "Ich bin jetzt seit zwei Jahren raus (aus dem Gefängnis, Anm. d. Red.) und habe nichts mehr angestellt", behauptete er. Als die Staatsanwältin ihn an das soeben rechtskräftig gewordene Urteil für seine Straftaten aus dem Jahr 2017 erinnerte, winkte er ab, als zähle das für ihn gar nicht.