In Markelfingen brodelt es. Grund dafür ist die geplante Ortsumfahrung entlang dem Neubaugebiet "Im Tal". Nachdem der Ortschaftsrat mit deutlicher Mehrheit, zehn zu einer Stimme dafür, Ende 2017 für den Bau der Umgehungsstraße gestimmt hatte, machen nun die Bürger mobil. Befürworter und Gegner der Ost-Tangente haben in den vergangenen Wochen Unterschriften gesammelt und sie am Montagmorgen, einen Tag vor der Gemeinderatssitzung, Oberbürgermeister Martin Staab übergeben.

Von der Contra-Seite brachten Sindy Bublitz und Gabriel Schwaderer 449 Unterstützer-Unterschriften, dabei waren 345 Unterschriften von Markelfinger Bürgern, die restlichen kamen von Radolfzellern und Touristen. "Wir wollen zeigen, dass ein großer Teil des Dorfes nicht hinter dem Beschluss des Ortschaftsrates steht", sagte Gabriel Schwaderer während der Übergabe. "Wir haben die Befürchtung, dass die Straße sehr massiv wird", sagte Sindy Bublitz. Das Naherholungsgebiet spiele eine wichtige Rolle, für Bewohner und auch für den Tourismus in Markelfingen, dies wolle man nicht durch eine solche Straße zerstören.

Von der Pro-Seite überbrachten Sieglinde Jentsch, Rolf Retzbach und Hans Gräber 309 Unterschriften, 280 davon von Markelfingern, 29 von Auswärtigen. Die Umfahrungsstraße sei eine wichtige Entschidung für die Zukunft, ist sich Sieglinde Jentsch sicher. Sie hofft, für dieses Projekt auch die Gegner ins Boot holen zu können. "Wir wollen bei der Gestaltung der Trasse gemeinsam mit den Umweltschützern die für Markelfingen beste Lösung erarbeiten", sagt sie. Von der Übergabe der Pro-Seite gibt es leider keine Aufnahmen, da der SÜDKURIER über den Termin erst im Nachhinein informiert wurde.

Beide Seiten geben an, für ihre Sache weit mehr Unterstützer zu haben, die sich jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht in die Unterschriftenliste eintragen wollten. So berichtet Gabriel Schwaderer, dass in Gesprächen deutlich wurde, dass Gegner der Ost-Tangente Nachteile befürchteten, wenn sie sich öffentlich dazu bekennen. Sei es, weil sie sich auf einen Bauplatz im Neubaugebiet beworben hätten oder sonstige Nachteile befürchteten. "Im Dorf ist eine merkwürdige Stimmung", sagt Schwaderer. Unterschriftenlisten seien manipuliert und Aushänge abgerissen worden. "Wir wollen nur eine sachliche Diskussion, haben aber das Gefühl, das geht nicht mehr", sagt er.

Auch Sieglinde Jentsch ist sich sicher, weit mehr Markelfinger würden die Ost-Tangente befürworten. In persönlichen Gesprächen sei ihr mehrfach vermittelt worden, dass sich weitere Bürger durchaus eine Umgehungsstraße vorstellen könnten, aber die Planung noch zu wage sei, als dass sie die Unterstützerliste unterschreiben könnten. Markelfingen sei stetig gewachsen, die Umgehungsstraße wäre also notwendig. Dennoch müsse sie ökologisch und zukunftsorientiert geplant werden, so Jentsch.

Der Radolfzeller Gemeinderat soll in der Sitzung am 10. April, ab 16.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses einen Grundsatzbeschluss für oder gegen den Bau einer Umfahrungsstraße in Markelfingen fassen

Pro und Contra der Umgehungsstraße

  • Pro: Markelfingen ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen, auch der Verkehr habe immer weiter zugenommen. Durch den Bau einer Umgehungsstraße erhoffen sich die Befürworter eine wesentliche Beruhigung des Ortskerns, der immer mehr Verkehr zu verkraften hatte. Durch eine Beruhigung sei eine Neugestaltung der Dorfmitte um Kirche, Rathaus, Kindergarten und Schule möglich. Die Kreuzung Oberdorf-, Kartbrunner Straße und Schwanenweg als Zufahrtsstraße zum Baugebiet "Am Krähenhang" würde entschärft und beruhigt. Das bereits vorliegende Konzept "sicherer Schulweg" könnte endlich umgesetzt werden, wenn die Kreisstraße an den Ortsrand verlegt würde. Ebenfalls erhoffen sie sich eine Belebung der Geschäfte, da es bessere Parkmöglichkeiten geben könne. Auch der Durchgangsverkehr zum Wildpark könne nun außerhalb des Ortskern geleitet werden.
  • Contra: Die Gegner der Umgehungsstraße sind der Meinung, die Reduzierung des Verkehrs in der Oberdorfstraße von derzeit 2400 auf 1600 Fahrzeuge stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten und der Belastung der Natur durch den Bau einer Straße. Außerdem sei die Verkehrsentlastung gar nicht so groß, da die Bewohner des Neubaugebietes erneut für mehr Verkehr in der Dorfmitte sorgen würden. Die Baukosten von aktuell geschätzten 1,4 Millionen Euro würden wegen Lärmschutz, Flächenerwerb und Ausgleichsmaßnahmen, die noch nicht in dem Betrag eingerechnet sind, mit großer Sicherheit deutlich höher ausfallen. Die Straße würde das Naherholungsgebiet im Bereich Litzelsee deutlich entwerten und auch das Neubaugebiet "Im Tal" würde durch die Straße selbst an Wert und Wohnqualität verlieren. Das eigentliche Verkehrsproblem läge in der Radolfzeller Straße. (ans)