Schon von Weitem ist Kinderlachen zu hören. Je näher das Kinderkulturzentrum Lollipop kommt, desto lauter wird es. Zudem kommen die ersten Kinder selbst ins Blickfeld. Ein Mädchen übt zwischen zwei Tischen auf einem Einrad, die Hände auf den Holzplatten abgestützt, damit sie nicht fällt. Daneben balanciert ein Junge auf einem wackeligen Brett und versucht, es gerade zu halten. Im Hintergrund ist ein Zelt aus weißen Planen zu sehen, in dessen Schatten sich noch mehr Radolfzeller Nachwuchs tummelt. Bereits auf den ersten Blick wird deutlich, dass hier, auf der Wiese hinter dem Kinderkulturzentrum, der Zirkusworkshop des Radolfzeller Pfingstferienprogramms stattfindet.

Seit elf Jahren gibt es das Angebot, für das Ibrahim Güler von der Abteilung Kinder und Jugend verantwortlich ist. Vorgeschlagen haben es der Familienzirkus Bingo, der mit neun Artisten aus Horb am Neckar angereist ist, und der befreundete Radolfzeller Zirkuspädagoge Klaus Riedel. Weil Ibrahim Güler von der Idee begeistert war, dürfen die Teilnehmer nun innerhalb von fünf Tagen selbst zu Artisten werden und eine Zirkusschau auf die Beine stellen.

Auf schmalen Stöcken balancieren die Kinder sich drehende Teller aus Plastik, während sie durch die Manege gehen und Kunststücke aufführen.
Auf schmalen Stöcken balancieren die Kinder sich drehende Teller aus Plastik, während sie durch die Manege gehen und Kunststücke aufführen. | Bild: Marinovic, Laura

Wie Güler erzählt, sollen damit zum einen die Eltern der Kinder entlastet werden, die in den Ferien arbeiten müssen und ihren Nachwuchs sicher versorgt sehen wollen. Der Zirkusworkshop dauert deshalb vom Morgen bis zum Nachmittag, im Kinderkulturzentrum wird auch gemeinsam gegessen. Auf der anderen Seite geht es aber vor allem darum, den Kindern Spaß zu bereiten und ihnen die verschiedenen Zirkusattraktionen näher zu bringen. Zu diesem Zweck stellt der Familienzirkus Bingo Zelt und Ausrüstung zur Verfügung, leitet gemeinsam mit Klaus Riedel die Kinder an und gibt Hilfestellung bei komplizierteren Kunststücken.

„Es ist wichtig, dass die Kinder die Zirkuskünste ausprobieren“, erklärt Riedel, der unter dem Künstlername Klaus Klarifari auch als Ein-Mann-Zirkus auftritt. Am ersten Tag des Workshops sollten die Kinder daher zunächst herausfinden, was ihnen am meisten Spaß macht und sich für zwei Künste entscheiden, die sie in den folgenden Tagen üben – alleine und in festlegten Gruppen. „Es ist eine Mischung aus freiem Üben und dem Training als Gruppe“, sagt Klaus Riedel. Gemeinsam sollen die Kinder in der abschließenden Zirkusschau ihr Können präsentieren. Zur Auswahl stehen unter anderem Künste wie Bodenakrobatik, Jonglage, Clownerie, Zauberei und Luftakrobatik am Trapez oder Vertikalseil.

 

Wichtig ist dabei: Zwang herrscht während des Workshops keiner. Wenn die Kinder eine Auszeit brauchen oder gerade keine Lust auf ihr Training haben, dürfen sie sich auch zurückziehen und sich anderweitig beschäftigen. Zudem können sie auch Zirkuskünste und Geräte ausprobieren, die in der Schluss­aufführung keine Rolle spielen – so etwa das Einrad. Weil gerade Anfänger einen ebenen Boden brauchen, den die Wiese hinter dem Kulturzentrum nicht bieten kann, werden die Kinder darauf nicht durch die Manege fahren. Üben dürfen sie damit aber dennoch jederzeit: „Es ist wichtig, dass es nicht nur ums Endergebnis geht“, stellt Klaus Riedel klar.

Und üben, das tun die rund 40 Kinder im Alter von sechs und 13 Jahren mit einem bewundernswerten Ehrgeiz. Unermüdlich proben sie ihre Auftritte, sagen als Clowns einstudierte Sprüche auf und tanzen durch die Manege, zeigen als Akrobaten Turnfiguren und balancieren bunte Teller auf langen Stöcken. Nebenbei wird aufmerksam beobachtet, was die anderen Teilnehmer gerade tun und Bewunderung für deren Können kundgetan. Neid ist hier nicht zu finden. Als eine Gruppe junger Fakire über einen Haufen Glasscherben läuft und auf einem Brett mit Nägeln zum Stehen kommt, sind sie von vielen anderen Teilnehmern umringt, die gebannt zuschauen und ehrfürchtig ihren Mut loben.

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Auch Ibrahim Güler betrachtet die Proben mit einem freudigen Lächeln. „Der Workshop kommt wunderbar an“, stellt er fest. Schließlich seien einige der Kinder auch schon seit vielen Jahren dabei und kommen vielleicht auch im nächsten Jahr wieder. Da soll der Workshop nämlich erneut stattfinden.