Der bunte Abend in Liggeringen erwies sich erneut als ein Garant für herrliche Fasnachtsstimmung in vollem Haus vor begeistertem Publikum. Nach bewährtem Konzept steuerte jede Gruppierung der Moofanger einen Bühnenauftritt bei, sodass sich im obligatorischen Wettstreit um die beste Einlage alles wieder zu einem überaus unterhaltsamen hochnärrischen Abend fügte. So war Dorffasnacht zu erleben, wie es sie nur noch selten gibt. Die Liggeringer lassen ja bekanntlich keine Gelegenheit zum Feiern aus, erst recht nicht an Fasnacht.

Überhaupt, wo sonst sollten sie von den unfreiwilligen Fehltritten der Mitbürger erfahren, die im Laufe eines Jahres passieren können. Genau auf diese Begebenheiten hatten es die beiden Ansagerinnen Andrea Korat und Gerlinde Wagner abgesehen, die im Laufe des Abends eine ganze Sammlung dieser allzu menschlichen Geschichten präsentieren und für Heiterkeit sorgten. Mittendrin als "Running Gag" Ortsvorsteher Hermann Leiz, dem zwangsläufig nicht entgeht, was im Dorf passiert, obwohl er unentwegt Geld aus Radolfzell eintreiben muss. Denn nicht einmal einen Weihnachtsbaum könne sich Liggeringen leisten. Die nächste Generation der Korats und Wagners ist nicht weniger talentiert. Larissa Korath und Johanna Wagner als "Lumpenpack" besangen vorwurfsvoll eine Verweichlichung der Männer, gipfelnd in Schönheitswahn und Spaß am Kochen ("Ihr seid alle keine Männer mehr"). Ihr Wunsch: "Ihr sollt wie unsere Väter sein!" sorgte für Beifallsstürme im Publikum.

Der Fanfarenzug ging im Stil der ZDF-Show "Bares für Rares" von Horst Lichter auf vergnügliche Sondersendung aus Liggeringen, unterstützt von Ortshistoriker Jürgen Klöckler, der als "Experte für alten Kruscht" eigens aus dem Publikum auf die Bühne geholt wurde. Als illustres, durchaus alltagstaugliches Fundstück etwa kam im sonnigen Liggeringen ein Nebelhorn aus Möggingen einträglich unter den Hammer. Hingegen ist Hermann Leiz mit der als Sauna-Tempel angepriesenen Litzelhardthalle, in der "die Heizung spinnt" und "Regenwasser die Räume mit Feuchtigkeit erfüllt", einfach nur abgeblitzt. So bleibt nur, weiterhin die Feste bei schönem Wetter zu feiern.

Ganz große Klasse war das "Torkel-Kino" der Moo-Gruppe. Das Publikum lachte Tränen bei dieser Aufführung ohne Worte, bei der die sieben Darstellerinnen mit grandioser Gestik und Mimik alles, was nur geht, aus ihren Rollen heraus holten. Was hier gezeigt wurde, war respektable Schauspielkunst. Einen erneuten Großangriff auf Zwerchfell und Lachmuskeln starteten die Holzer als Bustouristen auf der Stadtbuslinie 6 – eine szenisch turbulente Abenteuerfahrt von Radolfzell nach Liggeringen, die zwecks Spannung natürlich über Möggingen führte. Im Bus auch Monika Laule und Martin Staab (auf dem Weg zur Paartherapie?) Die holprige Konstanzer Straße, befanden die Narren, könne zur Chance für den OB werden, sich mit einer "Martin-Staab-Allee" ein Denkmal zu setzen, ähnlich wie es einst Günther Neurohr mit der nach ihm benannten Brücke gelang. Auch die Hallensanierung in Liggeringen böte eine Chance, sich einen Namen zu machen. Vor allem aber wünschen sich die Narren eine Stadtbus-Haltestelle an der entlegenen Halle. OB Staab machte schon mal eine Probefahrt und fand auch gleich einen Namen für den neuen Bus-Stop, sollte er je kommen: "Bushaltestelle zur Ruine Litzelhardthalle".

Die Liggeringer Holzer bringen am bunten Abend eine abenteuerliche Fahrt im Stadtbus mit viel Lokalkolorit auf die Bühne. Eine neue Bushaltestelle könnte "Ruine Litzelhardhalle" heißen, lautet ein Vorschlag. Bild: Marina Kupferschmid
Die Liggeringer Holzer bringen am bunten Abend eine abenteuerliche Fahrt im Stadtbus mit viel Lokalkolorit auf die Bühne. Eine neue Bushaltestelle könnte "Ruine Litzelhardhalle" heißen, lautet ein Vorschlag. Bild: Marina Kupferschmid

Tolle Choreographien und schöne Kostüme gab es bei den zahlreichen Tänzen zu sehen. Die Moofanger-Garde unter neuer Leitung von Mareen Burth bewies wieder eine super Kondition, der Garde-Nachwuchs als Dancing-Girls unter Leitung von Tanja Seeberger heimste ebenso viel Applaus ein, und die Narrenräte als Dancing-Boys zeigten mit einem "Police-Tanz" und "Sexbomb" unerwartete Geschmeidigkeit und guten Rhythmus. Die Narrenmusik unter Leitung von Alexander Burth heizte den ganzen Abend über kräftig ein und auch der Fanfarenzug unter Leitung von Tamara Koblinger unterhielt die Besucher schmissig.

Die Akteure

Ein großes Team stemmte den bunten Abend in Liggeringen. Lumpenpack: Larissa Korat und Andrea Korath. Ansage: Andrea Korat und Gerlinde Wagner. Torkel-Kino: Alex Fetscher, Astrid Geier, Bettina Jarde, Heike Weber, Jeanette Mayer, Manuela Hagmüller, Sandra Leiz. Linie 6: Christian Weber, Christian Dieringer, Christian Gallus, Christoph Grundler, Tobias Bader, Michael Baur, Markus Fritschy, Patrik Schneider, Marco Bader, Marc Freischlatt. Dancing Girls: Kim Seeberger, Jana Riedel, Emma Weidele, Maren Schmölder, Danielle Schmölder, Marie Teufel, Anna-Lina Zahradnik (Leitung: Tanja Seeberger). Garde-Showtanz: Anna Hildebrand, Emma Hildebrand, Marie Hildebrand, Vanessa Bohle, Kim Seeberger, Theresa Zolg, Selina Rottland, Selina Frank, Senja Heine (Leitung: Mareen Burth). Narrenrat-Tanz: Volker Jarde, Fabian Leitz, Raymund Leitz, Ralf Seeberger, David Schmieder, Armin Bottlang, Andreas Schnee. Ton, Licht und Vorhang: Tim Blessing und Ralf Seeberger. Musik: Narrenmusik Liggeringen (Leitung: Alexander Burth); Fanfarenzug (Leitung: Tamara Koblinger). (mku)