Radolfzell – "Ich habe so viel Herzblut für unsere Projekte gegeben. Tansania ist meine zweite Heimat und es freut mich, dass die Lebenshilfe Kinder in Afrika unterstützen kann" – das sagte Werner Schwarz, Vorsitzender der Lebenshilfe für Afrika e.V., bei der Mitgliedsversammlung des Vereins im Meinradshaus in Radolfzell. Und das sieht man, denn obwohl der Markelfinger nach schwerer Krankheit eigentlich in der Reha-Klinik in Allensbach sein sollte, hat er sich extra für die Mitgliedsversammlung seines Herzensprojektes beurlauben lassen, um sich trotz brüchiger Stimme bei all jenen bedanken zu können, die es ermöglicht haben, Waisenkindern in Afrika eine Chance für das Leben zu ermöglichen.

Begonnen hat das Engagement als Eigeninitiative bereits 1997, daraus entstand drei Jahre später, 2000, die Lebenshilfe für Afrika. Seither unterstützt der Verein unterschiedliche Projekte in verschiedenen Teilen Afrikas. Unter anderem das Kinderdorf in Kamishango (Tansania), welches das erste große Projekt des Vereins war. Inzwischen gibt es auch eine Kindertagesstätte und ein Bildungshaus in Monduli Shini (ebenfalls Tansania), wo derzeit rund 70 Waisenkinder Zuflucht finden. Auch in der medizinischen Versorgung hat sich dank des Vereins einiges getan. Kindern, die mit einer Fehlstellung oder Behinderung geboren wurden, deren Familien sich aber eine Operation nicht leisten können, wurde mithilfe einer finanziellen Unterstützung und dem Einsatz von kompetenten Helfern die Möglichkeit gegeben, ein normales Leben zu führen.

Außerdem wurde im Februar dieses Jahres ein Jungeninternat eröffnet, welches künftig bis zu 600 Kindern nicht nur den Zugang zu Bildung, sondern auch zu nahrhaftem Essen gewährleisten soll. "Wir wollen den Kindern einen guten Start ins Leben ermöglichen", so die 2. Vorsitzende Gudrun Walheim. Dass das durch das Engagement der Lebenshilfe funktioniert, zeigt sich an den ehemaligen Schülern, die inzwischen Lehrer, Priester, Schweißer, Maurer und vieles mehr geworden sind. Walheim ist fasziniert von der Energie vieler junger Afrikaner, die trotz ihres Schicksals ihre Lebensfreude nicht verloren haben.

Rund 2,4 Millionen Euro habe die Lebenshilfe seit 2001 bereits für Ausbildung, eine bessere Lebensqualität und sauberes Trinkwasser nach Afrika transferiert. "Das sind rund 100 000 Euro im Jahr", so Fred Bottling, Kassenwart. Auch in diesem Jahr ist geplant, rund 118 000 Euro für die Hilfe in Afrika aufzuwenden. Davon sollen 8000 Euro für dringend benötigte Toiletten in der Jungenschule zur Verfügung stehen. Und das obwohl durch die Alterung der Mitglieder und die Abspaltung des Nikolaushauses 48 Prozent weniger Einnahmen generiert worden seien. Besonders stolz ist der Verein auf die geringen Verwaltungskosten von gerade einmal 2,5 Prozent der Einnahmen.

Um zu sehen wie sich die Kinder in den unterstützten Schulen und Einrichtungen entwickeln, reist der 78-jährige Schwarz selbst so oft es geht nach Afrika. Wie Caroline Sugg, die Schwarz auf seiner jüngsten Reise begleitete, berichtet, gebe es immer, wenn Schwarz Kamishongo besucht, ein Kinderfest ihm zu Ehren, auf dem getanzt, gesungen und gelacht wird. Bis 2020 will Schwarz als Vorsitzender tätig sein. "Ich hoffe, dass wir das Engagement auf die neue Generation übertragen können", so Walheim zuversichtlich. Sich engagieren möchte auch die 58-jährige Bettina Engesser. Die Mooserin wurde einstimmig zur neuen Beisitzerin gewählt.

Informationen im Netz:
www.lebenshilfe-afrika.de