Demokratie muss mit Leben gefüllt werden

Demokratie leben und erlebbar machen. Das wollte das Bürgerbündnis für Demokratie Radolfzell (BRD) mit der Aktion zum Tag der Demokratie am Samstag auf dem Seetorplatz. Bürger Radolfzells hatten die Möglichkeit, den direkten Dialog mit Politikern und Vertretern aufzunehmen. Gründe für ein Veranstaltungsformat dieser Art gibt es genügend: Das Ansehen von politischen Ämtern ist in den letzten Jahren sehr gesunken. Auch das Interesse und die Beteiligung an demokratischen Prozessen sind in der Bevölkerung stark zurück gegangen. Für die Politik und die gesamte Gesellschaft ist vor allem das Internet die größte Herausforderung. Dort können ungeprüfte und falsche Informationen schnell einen sehr großen Personenkreis erreichen und so zu spontanen Reaktionen führen, die eigentlich keine sachliche Grundlage besitzen.

An Tischen bekommen die Teilnehmer von Vertretern aus Politk und von Organsiationen schnelle Antworten zu drängenden Fragen.
An Tischen bekommen die Teilnehmer von Vertretern aus Politk und von Organsiationen schnelle Antworten zu drängenden Fragen. | Bild: Jarausch, Gerald

Im Hinblick auf die Kommunal- und Europawahlen im nächsten Jahr wollte das Bürgerbündnis zudem einen Beitrag leisten, um die Demokratie lebendig, persönlich und interessant werden zu lassen. Dazu setzte man auf einen Trend der Zeit, sich möglichst rasch viele Informationen anzueignen. Im Dialog-Speeddating mit mit Vertreterinnen und Vertretern der Kommunalpolitik, von Vereinen und Initiativen durften dabei Fragen aus insgesamt sechs Themenbereichen gestellt werden. "Hier werden die Gemeinderäte und Politiker einmal gezwungen, nur kurz zu antworten", erklärte dazu Bürgermeisterin Monika Laule als Mitglied des BRD.

Gespräche im Acht-Minuten-Takt

In der Tat ging es immer schnell zur Sache an den Tischen. In jeweils acht Minuten wechselten Akteure wie OB Martin Staab, Reiner Kühl vom Freundeskreis Asyl oder MdB Andreas Jung (CDU) die Tische, um sich den Fragen der Bürger zu stellen. Schon schnell kristallisierten sich die Haupt-Diskussionsthemen der Radolfzeller dabei heraus. "Sie wollten vor allem wissen, wie man schnell bezahlbare Mietwohnungen in Radolfzell schaffen kann", sagte der Fraktionsvorsitzende der FGL, Siegfried Lehmann, nach seiner Speeddating-Runde. Sehr wenig Interesse zeigten die Menschen nach seiner Auskunft nach Themen wie dem bedingungslosen Grundeinkommen, das ebenfalls gesetzt war.

Bürger bringen ihre eigenen Themen ein

Grundsätzlich wollten sich die teilnehmenden Bürger ohnehin nicht das Denken verbieten lassen und verließen immer wieder einmal thematisch die vorgegeben Bereiche. "Hier fragt jeder, was ihn tatsächlich beschäftigt", so Siegfried Lehmann. Dabei hatten die Themenvorgaben (Wohnraum; Arbeit/Bedingungsloses Grundeinkommen; Klima/Rohstoffe; Digitalisierung/Datenschutz; Zusammenleben/Generationen/Integration/Inklusion; Infrastruktur/Verkehr) durchaus einen Grund. "Das soll hier nicht als Meckerkasten verstanden werden", so Nina Breimeier, Mitglied des BRD und des Präventionsrates.

MdB Andreas Jung (CDU) im Gespräch mit Radolfzeller Bürgern während des Speeddatings.
MdB Andreas Jung (CDU) im Gespräch mit Radolfzeller Bürgern während des Speeddatings. | Bild: Jarausch, Gerald

Dialog-Partnerin Susann Göhler-Krekosch (Gemeinderätin der SPD) war am Samstag etwas enttäuschend, wie rar sich vor allem junge Leute bei dem Termin machten. "Wir wissen gar nicht mehr, wie wertvoll die Demokratie ist, weil wir sie für selbstverständlich halten", befand sie. Da passte es gut, dass man bei dem Anlass einen Luftballon mit einer Botschaft in den Himmel aufsteigen lassen konnte. Symbolträchtig um fünf Minuten vor 12 Uhr ließen die Teilnehmer ihre Ballon samt Karten aufsteigen, auf dem sie den Satz "Demokratie ist super, weil" vervollständigt hatten. Mit etwas Glück konnten die Teilnehmer zudem an einem Glücksrad eine Aktion mit den Politikern gewinnen, bei dem sie in einem ungewöhnlichen Umfeld in den Dialog treten können. Unter den Aktionen fanden sich zum Beispiel ein Tanzkurs, ein Klepperle-Kurs und eine Segway-Tour. Daran konnte man erkennen, dass der Spaß ein Teil des Konzeptes darstellte.