Der Frühlingsmarkt lud zu einem Bummel in die Radolfzeller Altstadt ein. Von Socken über Ledergürtel, von Süßigkeiten und Haushaltswaren bis hin zu Gewürzen und Spezialklebstoffen reichte das Angebot der etwa 70 Händler rund um den Radolfzeller Marktplatz. Der Andrang fiel etwas schwächer als gewohnt aus. Viele Marktbeschicker bevorzugen jedoch die heimischen Krämermärkte wegen der aufgeschlossenen Radolfzeller Kundschaft. Die meisten kommen seit Jahrzehnten auf den Frühlingsmarkt.

Am Stand von Immanuel Hinz duftet es nach getrockneten Kräutern. 50 Mal im Jahr kommt der Pullendorfer mit 250 verschiedenen Warensorten an Kräutern, Tees und Würzmischungen auf die Märkte in Radolfzell. Die Radolfzeller seien nett, aufgeschlossen und probierten seine Empfehlungen aus, schwärmt er. Hinz hat Pflanzen, die für den Gelenkstoffwechsel gut seien und Kräuter für Frühjahrskuren, die den Körper zum Entwässern oder Entgiften anregen. Der Markthändler erinnert ein wenig an eine männliche Kräuterhexe. "Im Mittelalter wäre ich dran gekommen", scherzt Hinz lachend bei dem Vergleich. In größeren Mengen kauft der Händler Kräuter ein und stellt die Würz- und Kräutertee-Mischungen selbst her. Dabei orientiert er sich auch an seinen Kunden, die eine Allergie gegen gewisse Kräuter haben und stellt eigens für sie eine Mischung zusammen und bringt sie am nächsten Markttag mit oder schickt sie ihnen zu. Der vitale Händler steht seit seinem siebten Lebensjahr am Stand und hat eine Ausbildung zum Heilpraktiker gemacht. Es gebe nichts, das er nicht selbst ausprobiert habe. Dabei experimentiert er bei mancher Mischung ein halbes Jahr lang, bis sie auf seinem Ladentisch landet. Auch geschmacklich strebt er nach Qualität – schließlich sollen seine Mischungen keine Rosskuren sein.

"Schatzele, bleib mal da", ruft Peter Stoker über den Markt und regt zunächst vergeblich eine Kundin zum Kauf von Reinigungstüchern an. Der Markthändler bietet seiner Kundschaft eine gratis Lederpflege für das Schuhwerk an. Mit dem Wirkstoff aus Leinöl, Panamarinde und Bienenwachs könne man Armaturenbretter im Auto reinigen und zum Glänzen bringen, preist in Marktmanier Peter Stoker seine Waren an. "Der Lappen-Joe macht alle Hausfrauen froh und die Männer ebenso", ist sein Credo. Einer Kundin, der er einen Klebstoff für die Reparatur von Fasern, Textilien und Leder verkaufte, steckt er mit einem kessen Spruch die Ware "in seiner grenzenlosen Güte in eine Roy-Black-Gedächtnis-Tüte".

Matyas ist Wanderschäfer und zieht mit seiner Herde vom Standort Hausen am Tann bis zu 30 Kilometer weit zu seiner Sommerweide. Mit seinen 500 Mutterschafen hat er einen mittleren Betrieb. Neben der Fleischproduktion hat sich der Betrieb auf Woll- und Fellprodukte spezialisiert, die er von ausgewählten Firmen fertigen lässt. An seinem Stand gibt es Wollsocken, Felle, Wolljacken und Fellpantoffeln. Die Schuhe sind mit Fellen dekoriert und mit Wollflor ausgekleidet.

Roman Zub hat ein außergewöhnliches Sortiment. Der Markthändler verkauft Comics, Musik-CDs, Filme und für gewöhnlich auch Schallplatten aus Vinyl mit Film-Klassikern wie John Wayne Western und die Blues Brothers für Sammler. Viele liebten Klassiker, sagt er über seine Stammkundschaft. Die Preise könne er niedrig halten, da er keine Miete für ein Ladengeschäft aufbringen müsse. Ähnlich wie Kräuterhändler Hinz habe er schon als Kind seinen Vater auf Märkte begleitet.

 

Märkte in der Stadt

Die Radolfzeller Märkte sind ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt. Jeden Mittwoch und Samstag findet der Wochenmarkt statt mit einem großen Angebot an Gemüse, Obst und anderen Lebensmitteln. Hinzu kommen die Krämermärkte, die dieses Jahr noch am 31. Mai und 8. November geplant sind. Die Saison der wöchentlichen Abendmärkte beginnt am 22. Juni, sie finden jeweils an den Donnerstagen bis September statt. Das Altstadtfest findet am 2. September statt, auch dabei gibt es Ware auf dem Kinderflohmarkt zu erwerben.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €