Es war bitter für den Kunstverein Radolfzell, als er am Vorabend der Eröffnung seiner neuen Ausstellung „Eigene Welten in Keramik und Glas“ mit Arbeiten der Überlinger Künstler Nica Haug und Klaus Schultze erfuhr, dass die Villa Bosch auf unbestimmte Zeit schließen muss. Die drohende „Geisteraustellung“ war Auslöser für die Organisatoren, einen neuen Weg zu beschreiten. Erstmals hat der Kunstverein deshalb auf seiner Internetpräsenz einen virtuellen Rundgang durch die Villa Bosch eingestellt.

„Das unmittelbare Erleben der Ausstellung kann das Video nicht ersetzen, aber vielleicht Neugier und Vorfreude wecken, die Ausstellung zu einem späteren Zeitpunkt zu besuchen, wenn sich das gesellschaftliche Leben wieder in normalen Bahnen bewegt“, ermuntert der Vorsitzende Wolff Voltmer Kunstinteressierte zum ultimativen Klick.

Eine der umfangreichste Ausstellungen des Kunstvereins

„Es ist eine traumhafte und sehr genussvolle Ausstellung, die sich wunderbar mit dem Kamera-Auge durchstreifen lässt – ein üppiger Skulpturengarten, der geradezu zum Lustwandeln einlädt“, schwärmt Andreas Gabelmann, der bei der Vernissage die Laudatio halten sollte. Die Ausstellung sei in mehrerer Hinsicht besonders, betont er. Mit 132 Exponaten zähle sie zu einer der umfangreichsten Ausstellungen des Kunstvereins überhaupt, auch was die Fülle und Vielfalt dreidimensionaler Objekte angehe.

Andreas Gabelmann hebt die ideenreiche Erfindungslust und spielerisch-vergnügliche Experimentierfreude des Künstlerpaares Nica Haug und Klaus Schulze hervor, die dem Betrachter in den Skulpturen und Objekten begegnen. Beide suchten bewusst die Grenzüberschreitungen jenseits der dekorativen Gefälligkeit oder technischen Perfektion der klassischen Keramik. Ihr Streben gelte einer neuen maximalen Freiheit beim Umgang mit den Materialien Ton und Glas, Zement und Ziegelstein. „Unter ihren Händen erfahren die Werkstoffe erstaunliche Metamorphosen. Uns eröffnet sich ein einzigartiges Panorama“, beschreibt Andreas Gabelmann die Ausstellung, mit der die Villa Bosch in diesen Tagen zu einem sinnlichen Erlebnisort werde.

Junger Radolfzeller hat den viertuellen Rundgang erstellt

Den virtuellen Rundgang hat der 17-jährige Radolfzeller Filmemacher Tobias Lingk gedreht. Offiziell dauert die Ausstellung bis 26. April. Momentan ruht sie bis 19. April. Über eine mögliche Verlängerung ist noch nicht entschieden.