Baustelle als Amphitheater

In der Gustav-Troll-Straße auf der Weinburg steht derzeit ein Amphitheater. Die drei Gebäude säumen die noch offen liegende Tiefgarage, ähnlich dem Vorbild aus dem antiken Griechenland. Für einen kurzen Zeitraum liefert die Baustelle der Baugenossenschaft Hegau die ideale Kulisse für Kunst und Kultur. Diese Plattform wollen Axel Nieburg, Geschäftsführer der Baugenossenschaft, und viele Künstler bespielen. Und zwar auf eine zuvor nie da gewesene Art. Das Richtfest ist Kunst im Rohbau. Anders als beim Projekt Arte Romeias, welches in abbruchreifen Häusern in Singen realisiert wurde, geht es beim Richtfest um ein Kunst- und Kultur-Festival, welches in einem Rohbau abgehalten wird. Das Richtfest wird am Freitag, 20. Juli, von 11 Uhr bis Mitternacht auf der Baustelle in der Gustav-Troll-Straße gefeiert.

Zeit ist das ausschlaggebende Thema

Das Thema des Festivals ist Zeit. "Es gibt Horrortage, die gar nicht enden wollen und Stunden, die wie im Flug vergehen", erklärt Axel Nieburg das relative Zeitempfinden. Und so wie das Richtfest den einzelnen Kunstprojekten nur auf Zeit eine Heimat bietet, so sei das Thema Zeit eben auch in allen Ausstellungsräumen wiederzufinden. Jeremias Heppeler, Künstler aus Konstanz sowie die beiden Literatur-Kunst-Medien-Studentinnen Julia Ihls und Sofie Benning, haben viele verschiedene Künstler für das Richtfest gewinnen können. "Da wir nur einen Tag für den Aufbau haben, gibt es viele Unwägbarkeiten. Aber das macht es so spannend", sagt Julia Ihls. Erst zwei Wochen vor dem Richtfest haben die Künstler die Maße der Räume bekommen. Es werde Video-Projektionen, Licht-Installationen, Lesungen, Musik, Kunst aus Textil und anderen Stoffen und vieles mehr geben, fasst die Studentin zusammen.

Der Fanfarenzug der Froschenzunft macht mit

Mit dabei auch lokale Teilnehmer, für die das Richtfest absolutes Neuland ist. Der Fanfarenzug der Froschenzunft wird an einer Fassade eine Art musikalische Froschleiter umsetzen. Zu hören um 19.45 Uhr. Ein weiterere Höhepunkt wird das Kunstprojekt des Konstanzers Boris Petrovsky sein. Es trägt den vielsagenden Namen "Derrick". Hierbei soll ein großer Baukran zu Hauptakteur einer künstlerischen Darbietung werden. Zu sehen um 21 Uhr. Da es nicht nur ein Kunst- und Kulturfestival sondern auch ein richtiges Richtfest ist, wird es auch einen Richtkranz geben. Doch auch dieses traditionelle Element soll künstlerisch umgesetzt werden. Künstler werden ihn aus Baumaterialien herstellen. Diese bekommen sie am Vortag und haben acht Stunden Zeit, daraus einen Richtkranz zu bauen. Das ganze wird auf Video festgehalten und während dem Richtfest in einem Schnelldurchlauf gezeigt.

Zwei Wettbewerbe

Die Hegau Baugenossenschaft hat für das Richtfest auch zwei Wettbewerbe ausgelobt, einen bewertet eine Fachjury, den zweiten das Publikum. Der Richtfestförderpreis richtet sich an alle Künstler, die jünger als 35 Jahre sind. Alle teilnehmenden Künstler an den beiden Wettbewerben sind im Haus eins untergebracht. Im Haus zwei stellen die Künstler aus, die nicht am Förderpreis-Wettbewerb teilnehmen und im Haus drei, dem kleinsten der Gebäude, gibt es Informationen über das Bauprojekt. Besucher können mit Muskelkraft abstimmen – und zwar mit einem Hammer und Nagel im Holzbrett.