Dass die Stadtbibliothek nicht nur als Ausleihmöglichkeit für Bücher und andere Medien dienen kann, das haben Radolfzeller Schüler auf eine ganz besondere Art und Weise herausfinden dürfen. Im Rahmen des Osterferienprogramms haben sie in den Vortragsräumen der Einrichtung ihre eigenen digitalen Welten entworfen.

Angeboten wird der Workshop von der Stiftung Digitale Chancen, die unter der Schirmherrschaft der Bundesministerien für Wirtschaft und Energie und für Familie, Senioren, Frauen und Jugend steht. Sie stellt auch die technische Ausrüstung wie Smartphones. Nach Radolfzell gebracht wurde er gemeinsam von der Stadtbibliothek und dem Kinderkulturzentrum Lollipop.

Bereits während der Fasnachtsferien versammelten sich erstmals Kinder und Jugendliche aus Radolfzell und den Ortsteilen um innerhalb eines Tages mehrere interaktive Stationen zu den Themen digitale Realität, digitale Technik, digitaler Sound und digitale Sprache zu erforschen. Im Anschluss durften sie entscheiden, welcher der Bereiche während des Workshops in den Osterferien vertieft werden sollte.

Die Wahl fiel damals auf digitale Realität – ein Thema, dass auch einige Wochen später noch das Interesse des Radolfzeller Nachwuchses weckt. 13 Kinder im Alter zwischen zehn und zwölf nahmen in dieser Woche am zweiten Workshop teil und bewiesen Kreativität. Von Hand entwarfen sie Fantasiewelten, die durch eine aus Karton gebastelte "Virtual-Reality-Brille" hautnah erlebt werden konnte. In dieser wurden unter Anleitung des Medienpädagogen Julian Ruckdäschel Rätsel versteckt, deren Lösung zu einem Schatz führte. Vorwissen mussten die Schüler nicht mitbringen, technische Vorgänge wurden ihnen vor Ort näher gebracht.

Bibliotheksleiterin Petra Wucherer, Medienpädagoge Julian Ruckdäschel und Nadja Gaßner vom Kinderkulturzentrum Lollipop (von links) freuen sich über die Kreativität der Teilnehmer
Bibliotheksleiterin Petra Wucherer, Medienpädagoge Julian Ruckdäschel und Nadja Gaßner vom Kinderkulturzentrum Lollipop (von links) freuen sich über die Kreativität der Teilnehmer | Bild: Marinovic, Laura

Dennoch – als allzu einfach erwies sich die Aufgabe nicht. "Das Hochladen der Bilder finde ich nicht so leicht", urteilte der zehnjährige David, der gemeinsam mit vier anderen Teilnehmern eine Unterwasserwelt entworfen hatte. Die Freude an dem Workshop konnte das jedoch nicht trüben: "Das man malen und das direkt anschauen kann macht am meisten Spaß." Die gleichaltrige Mara konnte sich sogar vorstellen, ihr neu erworbenes Wissen in Zukunft auch zuhause zu nutzen.

Auch die Erwachsenen zeigten sich begeistert. "Es ist ein kreativer Prozess", erklärte Nadja Gaßner vom Kinderkulturzentrum. Sorgen, dass die Kinder dazu verleitet werden, zu viel Zeit mit Computerspielen zu verbringen, machen sie und Bibliotheksleiterin Petra Wucherer sich nicht. "Die Kinder sind hier nicht im Konsumieren, sondern im Schaffen", so Gaßner.

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Zudem sei es schlichtweg zeitgemäß, sich mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen – auch für Kinder. Und Wucherer war sich sicher: "Da übt man automatisch Medienkritik." Um auf Nummer sicher zu gehen, wies Julian Ruckdäschel in Theorieeinheiten auf einen kontrollierten Umgang mit virtueller Realität hin und klärte über mögliche versteckte Kosten beim Surfen im Internet auf.

Ob ein derartiger Workshop in Radolfzell noch einmal stattfinden wird, steht derzeit noch nicht fest. "Es ist schon ein Thema, bei dem wir wieder etwas machen würden", stellte Petra Wucherer fest. Schließlich seien digitale Themen sowohl dem Kinderkulturzentrum als auch der Stadtbibliothek wichtig. Welche Art von Projekten zu erwarten seien, sei aktuell jedoch noch nicht bekannt.