Was ist derzeit politischer: wählen gehen oder Äpfel aus der Region kaufen? Bedeutet Chancengleichheit, dass der Langsamste die Reisegeschwindigkeit bestimmt? Und könnten sich noch mehr Menschen ehrenamtlich engagieren, wenn sie dafür bezahlt würden? Letzteres kann Frank Lüdecke ad hoc beantworten: Angesichts der Lohnzettel seien bereits viele verdammt nah am ehrenamtlichen Engagement. Beim Auftritt des Kabarettisten Frank Lüdecke in der Kabarett-Kiste schallte das Gelächter bis auf die Straße hinaus. Der Berliner bot politisches Kabarett vom Feinsten mit köstlichem Spott und beißender Häme.

Was lehrt uns der Diesel-Skandal? Dass Verantwortung outgesourct wird und nur noch derjenige haftet, der den Schaden habe, so Lüdecke. Doch hinter dem Diesel-Skandal stecke mehr: VW habe sich neuerdings auch dem Vorwurf zu stellen, jahrelang Tierversuche gemacht zu haben, indem sie Affen im Vorstand eingesetzt hätten. Kritikern der Flüchtlingspolitik ruft Lüdecke die Erfolge zu: Erika Steinbach sei beispielsweise aus der CDU ausgetreten.

Wir haben ein Bildungsproblem, wenn Schüler, im Eignungstest nach ihrer Konfession befragt, als Antwort 75B geben würden, konstatiert der Kabarettist. Und es sei in Ordnung, wenn man Flüchtlingen abverlange, dass sie sich an Gesetze halten sollen, bekennt Lüdecke, doch das dürfe man auch von Bestechern von Sportfunktionären, Manipulierern von Dieselmotoren oder Bankmanagern ohne Migrationshintergrund erwarten – auch unabhängig von der religiösen Ausrichtung der Verursacher.

Dem Lehrermangel werde in Berlin derzeit pragmatisch begegnet: Der gesetzlich vorgeschriebene, aber nicht vorhandene Ethik-Unterricht könne dennoch zu einer Benotung führen, indem man die Quersumme der Noten aus Biologie und Geschichte nehme. Auch habe sich die Struktur der Kommunikation verändert: Twittern käme denjenigen Nutzern entgegen, für die ein Nebensatz keine grammatische Struktur sei, sondern eine intellektuelles Hindernis.