Ein großer Heiliger: Sankt Martin. Mit wallendem blauen Mantel und schimmerndem Schwert durchreitet er auf einem Schimmel das Land. Er ist ein vielfältiger Patron: der Pferde: der Reiter und Soldaten, der Gefangenen, der Weinbauern und der Gastronomie, Schutzpatron des Fränkischen Reiches, Gönner der Armen, mit denen er den Mantel teilte. Deshalb belegen ihn auch die Schneider als Patron mit Beschlag. Von seinem geteilten Mantel, der „cappa“, die von den merowingischen Königen als Reichskleinod in einem gesonderten Raum, der „capella“, aufbewahrt wurde, stammt die Bezeichnung kleinerer Gotteshäuser als „Kapelle“, und die junger Priester als „Kaplan“.

Viele Legenden über die Martinsgans

Der November war und ist der Schlachtmonat. Mit ihm ging früher das Bauernjahr zu Ende. Die Tiere wurden von der Weide getrieben; was nicht im Stall überwintern sollte, wurde geschlachtet, zu Vorrat verarbeitet oder sofort bei einem großen Festschmaus verzehrt. Wichtig und bekannt ist die Martinsgans. Um sie ranken sich vielerlei Legenden. Man erzählt, ihr Geschnatter habe den asketisch lebenden Martinus verraten, als er sich in ihrem Stall versteckte, um der ehrenvollen Wahl zum Bischof zu entgehen. Martinus wurde dann doch Bischof (von Tours), und die Gans sein Attribut. Er trägt sie, wenn er als Fußgänger dargestellt wird, unter dem Arm.

Großer Bauernschmaus

Die Gänse sind gerade zu dieser Zeit besonders schön fett. Sie galten als Lehensspeise, als Pacht- und Zinsvogel an Höfen und Klöstern, und natürlich als großer Bauernschmaus. „Erstlich loben sie Sankt Martin mit guetem wein, genießen, bis sie voll werden. Unselig ist das haus, das nit auf diese nacht eine gans zu essen hat, da zepfen sie ihren neuen wein an“ – so ein Bericht aus Franken um etwa 1550. Wie auch immer, die Gänse haben zu Martini dran glauben müssen. Ein gelungener Gänsebraten muss knusprig, wohlduftend und gewaltig sein. In vielen Häusern in Stadt und Land brutzeln und schmurgeln auch heute noch pralle Gänse und versprechen dem Hungrigen ein willkommenes Festessen.