Sind die landwirtschaftlichen Betriebe fit für den Klimawandel? Die Bodensee Stiftung mit ihrem Verwaltungssitz in Radolfzell sucht für das Pilotprojekt "Life Agri Adapt" 30 landwirtschaftliche Betriebe für die Entwicklung und Erprobung von Maßnahmen, die eine Anpassung der Höfe an den Klimawandel ermöglichen sollen. Auf der Jahresversammlung des Radolfzeller Ortsvereins des Badischen landwirtschaftlichen Hauptverbandes bot Projektmanager Patrick Trötschler den Landwirten einen Check mit einem individuell erarbeiteten Maßnahmeplan für die Tierhaltung, den Ackerbau und für Dauerkulturen an.

Nach eigenen Angaben begreift die Stiftung Bodensee die Landwirtschaft als einen Mitverursacher des Klimawandels. Gleichzeitig sei sie vom Wandel mit Auswirkungen auf das Produktionsrisiko und stärkeren Ertragsschwankungen betroffen. In seinem Vortrag entwarf Patrick Trötschler Szenarien klimatischer Veränderungen, auf die sich Landwirte einstellen müssten. Der Projektmanager geht von einer Temperaturerwärmung aus – mit weniger Frosttagen, wärmeren Sommern und längeren Hitze- und Trockenperioden. Trötschler rechnet bei gleich bleibenden Mengen an Niederschlägen mit einer anderen Verteilung. Er vermutet, dass es stärke Extremereignisse geben und das Klima unberechenbarer wird.

Das Pilotprojekt der Stiftung sucht nach Möglichkeiten nachhaltiger Anpassung für die landwirtschaftlichen Betriebe. Bei dem 40 Monate andauernden Projekt mit ein bis zwei Betriebsbesuchen pro Jahr vergleicht die Stiftung den Ertrag der vergangenen 15 Jahre mit den Daten der Klimaaufzeichnungen. Sie sucht nach Zusammenhängen von Ertragsschwankungen mit den regionalen Wetterereignissen. Im zweiten Schritt wagt sie einen Blick in die Zukunft, bei dem die Ertragsbeeinträchtigung durch Hagel, Trockenheit oder Feuchtigkeit mit den Prognosen des Wetterdienstes abgeglichen wird. Dabei nimmt das Projekt auch die Fruchtfolgen, den Humusaufbau oder die Gründüngung in den Blick.

Trötschler möchte den Check aber nicht unbedingt negativ auslegen. Der Klimawandel könne auch Chancen für den Anbau neuer Arten bringen.