Klar, Open-Air-Kinos sind im Sommer weit verbreitet. Doch das Böhringer Wunschkino zum 775. Ortsjubiläum hat mehr zu bieten als eine Kinoleinwand unter freiem Himmel. "Allein Kino vor einer Seekulisse ist etwas Besonderes", findet Rainer Dost vom Böhringer Kino-Nest. "Der Böhringer See – klein und überschaubar – ist geradezu perfekt für ein schönes Open-Air-Ambiente. Das wird richtig schnuckelig", verspricht Dost.

Das Böhringer Kino-Nest mit dem Storch im Logo belebt seit 2017 das Kulturleben im Ort. Es ist kein eingetragener Verein, sondern eine private Initiative des in Böhringen lebenden Gitarristen und Sängers Rainer Dost und dessen Frau Daniela sowie Freunden. Als Kinosaal dient üblicherweise der Rathauspavillon. Mit dem Werbeblock der Böhringer Betriebe und Sponsoren wird das Equipment finanziert.

Jeder Film erhält einen thematisch passenden Rahmen

Ausgewählt werden vorwiegend Filme, die in den großen Kinos nicht zu sehen waren oder fatalerweise nur ein kleines Publikum fanden. Je nach Thema bekommt jeder Film einen besonderen kulinarischen oder kulturellen Rahmen, der dazu einladen soll, nach der Vorstellung gemeinsam sitzen zu bleiben und ins Gespräch zu kommen. "Uns ging es vor allem darum, einen neuen Treffpunkt für die Bevölkerung zu schaffen", erklärt Rainer Dost.

Besondere Bedeutung wird auch dem Kinderkino beigemessen. In Zeiten, wo Kultur für Kinder oft nur noch hektisch, schrill und bunt ist, gibt das Kino-Nest Filmen Platz, die Kinder ernst nehmen und ihnen spannende, kindgerechte Fantasiereisen ermöglichen. Die Idee zum Open-Air-Kino am See kam von Ortsvorsteher Bernhard Diehl. "Ich bin tierisch gespannt, wie das Kino am See ankommt", erklärt er. Wie das Maibaumstellen, das fortgeführt werden soll, könnte er sich auch das Kino am Böhringer See als neue Veranstaltung im Jahresreigen vorstellen.

Film über den Wert des Zusammenhaltens

Über den Hauptfilm am Samstag, 4. August, ab etwa 21.30 Uhr, haben die Böhringer Kino-Fans abgestimmt. "Grüne Tomaten" ist ein Kultfilm-Klassiker über Freundschaft, Liebe, Tod, Selbstbestimmung und den Wert des Zusammenhaltens. "Ein Film mit Anspruch, aber trotzdem schön als Sommerfilm zu gucken", verspricht Rainer Dost.

Passend zum Ortsjubiläum gibt es ein besonderes Schmankerl als Vorfilm zu sehen. Gezeigt wird ein privater Schwarweißfilm von 1957 mit Szenen aus dem Böhringer Dorfleben. "Ein total sehenswerter und witziger Film", wirbt Rainer Dost. "Ich war selbst überrascht, wie sich das Dorfbild in den 60 Jahren verändert hat", so Bernhard Diehl. Ursprünglich eineinhalb Stunden lang, zeige der Film das ganze Dorf anno dazumal vom See über die Ziegelfabrik und die frühere Firma Stallit über die Hofgüter bis hin zu den vielen Wirtschaften früher und dem Leben im Ort. Auch eine Familie, die heute noch in Böhringen lebt, ist zu sehen. Als Vorfilm wurde der Streifen auf eine halbe Stunde Länge gebracht, zu sehen sind die besten Szenen.

Für Essen und Trinken sorgt die Familie Ünal, die das Schwimmbad bewirtschaftet. „Das wird bestimmt ein toller, stimmungsvoller Abend“, freut sich Bernhard Diehl.