Kann man sich nicht mitteilen, dann werden einfachste Dinge zum Problem. Wie macht sich ein Kind verständlich, das beginnt, eine Kindertagesstätte zu besuchen, aber nicht auf Deutsch sagen kann, dass es Durst hat oder eine Toilette braucht? Kommunikation führt natürlich weit über die nötigsten Bedürfnisse hinaus. Es geht darum, sich mitteilen, beschreiben und erklären zu können. Der unlängst veröffentlichte Bildungsbericht für Radolfzell hat gezeigt, dass 40 Prozent der untersuchten Kinder im Einschulungsalter die deutsche Sprache nicht altersgemäß beherrschen. Mehrere Kindertagesstätten im Landkreis wollen dem entgegenwirken. Sie nehmen am Bundesprogramm "Sprach-Kitas" teil.

Unter anderem 13 Kinderhäuser, die unter der Trägerschaft katholischer und evangelischer Kirchengemeinden und der Arbeiterwohlfahrt stehen, haben den Zuschlag für das Programm erhalten. Barbara Bosch ist als Fachberaterin für die 13 Kitas in Radolfzell, Konstanz, Stockach, Gailingen und Mühlhausen-Ehingen tätig. Sie unterstützt die pädagogischen Fachkräfte darin, die Sprachentwicklung der Kinder vielfältig zu fördern. In der Ausbildung werden mehrere Ziele verfolgt. Grundlegend solle das Bewusstsein gestärkt werden, dass jede Familie die gleiche Wertschätzung verdient. Wird die Mutter, die ihr Kind in der Jogginghose in die Kita bringt, genauso begrüßt wie die Mutter, die im Business-Look auftritt?

Bei jeder Gelegenheit miteinander sprechen

Erzieherinnen werden des Weiteren ermuntert, möglichst viele Situationen zu nutzen, um mit den Kindern zu sprechen: Alltagssituationen wie die Ankunft im Kindergarten, das An- und Ausziehen, Spiele, das gemeinsame Essen. In der Praxis sollen viele kleine Bausteine dazu führen, dass sich alle Familien geschätzt fühlen und den Mut entwickeln, miteinander zu sprechen. In den meisten Sprach-Kitas hängen Willkommensschilder in verschiedenen Sprachen, den Muttersprachen der Kinder, die die Einrichtung besuchen. Für Eltern sind kleine Kaffee- und Leseecken im Eingangsbereich eingerichtet, in denen sie sich unterhalten oder verweilen können, während ihr Kind sich in die Kita eingewöhnt.

Bilder helfen anfänglich bei der Kommunikation

Kindern, die Deutsch noch nicht verstehen, wird mit Bildern weitergeholfen. Im Familienzentrum St. Anton in Radolfzell verwenden Erzieherinnen Metacom-Symbole, einfache Bilder, die den Kindern bei der Orientierung helfen. Sie zeigen, wo die Bücherei, die Spielräume, der Speiseraum und die Toiletten sind, was es an den verschiedenen Wochentagen zu essen gibt, dass jetzt gesungen wird oder man sich die Hände waschen muss. Für die wichtigsten Bedürfnisse tragen die Erzieherinnen einen kleinen Katalog mit den Bildchen bei sich.

Ann-Kathrin Riederer, Leiterin des Familienzentrums St. Anton, erklärt: "Die Bilder ersetzen nicht die Worte. Aber sie helfen anfänglich bei der Kommunikation." Yvonne Humljak, zusätzliche Sprachfachkraft, ergänzt: "Wenn die Kinder sich sprachlich mitteilen können, werden die Symbole überflüssig." Auch Elternbriefe werden mit den Bildchen versehen, um Müttern, die nicht Deutsch lesen können, zu helfen die Nachrichten der Kita zu verstehen.

Der soziale Umgang aller Kinder soll gestärkt werden

Von einer Sprach-Kita profitierten nicht nur ausländische Kinder und ihre Familien, betont Bosch. Der soziale Umgang aller Kinder miteinander werde gestärkt. Dieser Weg mache Mut zur Integration für alle. Michaela Gesell von der Kindergartengeschäftsführung für katholische Kirchengemeinden resümiert das Anliegen der inklusiven Pädagogik so: "Unser Ziel ist es, dass jeder willkommen ist, so wie er ist."