Nach 83 Jahren wechselt der Kindergarten St. Anton seine Räume und zieht in das neue Familienzentrum im Mezgerwaidring – ein Projekt, das von der Stadt Radolfzell finanziell und ideell unterstützt wurde und insgesamt als Beitrag zum familienfreundlichen Erscheinungsbild Radolfzells beitragen soll. Die katholische Gemeinde Radolfzell bietet in dem Neubau des Familienzentrums St. Anton auf zwei Etagen einen Kindergarten, eine Außenstelle der Arche vom Caritasverband Konstanz sowie im dritten Geschoss ein Zentrum für die Frühförderung und Entwicklungsberatung für Kinder. Die Kosten des familienorientierten Zentrums belaufen sich auf 4,5 Millionen Euro. 3,6 Millionen Euro davon entfielen allein auf den Kindergarten. Er wurde zu 80 Prozent von der Stadt Radolfzell gefördert.

Die Zahl der Mitarbeiter im neuen Familienzentrum St. Anton wuchs mit dem Neubau von 13 auf 23 an. Zugelassen ist das Familienzentrum für die Betreuung von insgesamt 60 Kindern. Die Erzieher haben Spezialqualifikationen mit den Schwerpunkten Sprache und Ernährung, Bewegung und Musik sowie interkulturelles Lernen und Interreligiosität. Das Zentrum hat Sprachförderkräfte sowie Heil- und Motopädagogen. Das Gebäude beherbergt Bewegungs- und Gruppenräume, eine Kinderbibliothek und ein Kinderbistro ebenso wie Beratungsräume für Eltern, ein Elterncafé und Elternsprechzimmer. Der Außenbereich zum Spielen ist gegenüber dem alten Kindergarten um das dreifache angewachsen.

Geografisch ist das Familienzentrum im Mezgerwaidring angebunden an die Pfarrgemeinde St. Meinrad, das beruflichen Bildungszentrum und eine sich in der Nähe entwickelnde Gemeinschaftsschule. Die Kinder können sich damit im Laufe ihrer Entwicklung innerhalb eines Stadtteiles bis hin zum Berufsbild eines Meisters bewegen. Das Zentrum selbst wurde als Treffpunkt für Familien gestaltet, bei denen sich die Eltern gemeinsam oder mit den Erziehern austauschen können. Es entsteht ein Sozialraum mit begleitenden Angeboten für die Kindesentwicklung, bei denen auch gesamte Familien eine Orientierung bekommen können. Familiären Problemen kann im Familienzentrum gleich von Anfang begegnet werden. Die Räume sind zum gegenseitigen Kennenlernen, für Beratungen, Informationsveranstaltungen und mit einem offenen Elterncafé konzipiert.

Betreuung mit vielen Extras

Innerhalb des Familienzentrums wurde eine Außenstelle der Arche des Caritasverbandes Konstanz integriert. Kinder mit besonderen Bedürfnissen, die durch eine bestehende oder drohende Behinderung Beeinträchtigung erfahren, werden im Familienzentrum betreut und erhalten gleichzeitig Integration mit anderen Kindern. Im Obergeschoss des Zentrums wird Familien geholfen, deren Kinder Auffälligkeiten zeigen oder sich verzögert entwickeln. An der interdisziplinären Frühförderung und Entwicklungsberatung sind Ergo-, Heil- und Motopädagogen ebenso wie Physiotherapeuten, Sozialpädagogen und Psychologen beteiligt. Sie helfen beispielsweise Kindern, die in ihren Bewegungen ungeschickt sind, Konzentrationsschwierigkeiten zeigen, sich unruhig oder ängstlich zeigen oder ohne ersichtlichem Grund viel schreien.

Das Angebot gilt für Kinder ab der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr und soll ihnen Chancengleichheit gegenüber Kindern verschaffen, die solche Probleme nicht haben.


Blick in die Geschichte

Seit 150 Jahren betreut die katholische Gemeinde Kinder in Radolfzell. 1866 übernahmen Ordensschwestern im ehemaligen städtischen Werkhaus hinter der Burg die Betreuung. 1897 wuchs die Zahl auf 100 Kinder an. 1903 wurde der Kindergarten St. Josef als Neubau konzipiert und errichtet. Als die Betreuungszahl auf 150 Kinder anwuchs, plante der damals größte Radolfzeller Verein, der Frauenverein, 1928 einen zweiten Kindergarten. Er wurde 1933 gegenüber dem Unternehmen Allweiler angesiedelt. Der Kindergarten St. Anton wurde mit zwei Sälen angelegt, hatte einen abgerundeten Speisesaal und für damalige Verhältnisse fortschrittliche sanitäre Anlagen. Das Familienzentrum im Mezgerwaidring 100 führt den Namen des alten Kindergartens weiter. (gla)