Der vergangene Sommer ist allen Förstern noch in bester Erinnerung. Das ist allerdings nicht in positivem Sinn gemeint. Die anhaltende Trockenheit vom Frühjahr bis in den frühen Herbst hatte in den Sommermonaten für akute Waldbrandgefahr gesorgt. Von einer ähnlichen Situation ist man derzeit weit entfernt, wie Revierförster Gerhard Heizmann sagt: „Wenn der Sommer so weitergeht, wie derzeit, dann müssen wir uns keine Sorgen machen.“

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Die starken Regenfälle in den vergangenen Tagen haben diesen Zustand nur noch verfestigt. Wer derzeit durch den Wald der Radolfzeller Gemarkungen schreitet, kann das selbst gut erkennen. In vielen kleinen Senken oder Löchern steht Oberflächenwasser. Was aber vielleicht noch wichtiger ist: Vielfach wachsen im Unterholz Pflanzen, die im kräftigen Grün stehen. Unter diesen Umständen gedeiht ein Feuer nicht sehr gut. „Wir sind weit entfernt von Verhältnissen, wie sie in Brandenburg herrschen. Dort gibt es weitläufige Kiefernwälder, dessen Nadeln auf dem Boden sehr gut brennen“, führt Bernhard Hake vom Forstamt des Landkreis Konstanz aus. Während die Förster dort momentan schon wieder mit Waldbrandgefahr zu kämpfen haben, ist es im Radolfzeller Wald diesbezüglich ruhig.

Bild: Jarausch, Gerald

In einem anderen Punkt kann von Ruhe nicht die Rede sein. Denn die Förster haben momentan alle Hände damit zu tun, eine drohende Borkenkäferplage abzuwenden. Das führt unter anderem dazu, dass sogar aktuell Holz geschlagen wird. Normalerweise werden solche Arbeiten nur in den Herbst- und Wintermonaten erledigt. Doch momentan trifft man im Radolfzeller Wald und auf dem Bodanrück immer wieder auf Waldarbeiter und große Maschinen, mit denen das Schadholz möglichst schnell aus dem Wald geschafft wird.

Holzpreise sind im freien Fall

Hinzu kommt eine äußerst ungewöhnliche Wirtschaftssituation. In ganz Europa gibt es aktuell so viel Holz im Verkauf, dass sich Preise dafür praktisch im freien Fall befinden. Das führt am Ende dazu, dass das viele Holz nur sehr schwer verkauft werden kann. Gleichwohl musste man im Radolfzeller Forstgebiet wegen des Borkenkäferbefalls schon größere Bereiche roden. Vor allem im Gebiet Radolfzeller Hardt, das westlich von Böhringen, jenseits der Bundesstraße 34 (nördlich des Media-Marktes) liegt. Der kieshaltige Untergrund macht es den dort angesiedelten Bäumen besonders schwer, an das notwendige Wasser zu kommen.

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Die ohnehin seit Jahren geschwächten Bäume wurden dann leichte Beute von Schädlingen wie dem Borkenkäfer. Besonders hart treffen die Umstände die Fichte, die im Radolfzeller Stadtwald immerhin knapp 20 Prozent des Bestandes ausmachen. Bei einer Forstbegehung hatte sich OB Martin Staab im September 2018 selbst ein Bild von der Lage gemacht. Vor allem in diesen Trockenzonen kann warmes und regenarmes Wetter schnell zu Waldbrandgefahr führen. In Wäldern Baden-Württembergs ist offenes Feuer mit Ausnahme ausgewiesener Grillplätze generell nicht gestattet. Bei akuter Waldbrandgefahr werden auch die Grillplätze gesperrt, beziehungsweise Warntafeln aufgestellt. Was viele Waldbesucher nicht wissen: Das Rauchen ist im Wald vom 1. März bis 31. Oktober ebenfalls untersagt.