Das Jugendschöffengericht Konstanz hat einen 20-jährigen Schüler aus Radolfzell wegen Drogenhandels und wegen des Besitzes eines verbotenen Butterfly-Messers zu einer Jugendstrafe von 15 Monaten verurteilt. Die Strafe wurde unter Auflagen für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der junge Mann hatte zugegeben, Anfang 2017 insgesamt 750 Gramm Marihuana erworben und 67 Mal je zwei Gramm zu 25 Euro an verschiedene Abnehmer verkauft zu haben. Auch den Besitz des Messers räumte er ein.

Es war reiner Zufall, dass der 20-Jährige aufflog. Nach vielen Jahren Ehestreit seien nach und nach die anderen Familienmitglieder aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen, berichtete er. Als knapp 19-jähriger Schüler sei er praktisch mittellos gewesen. Die Mutter habe nur 1000 Euro zurückgelassen. Der Vater war vor seinem Verschwinden wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit ins Visier der Zollfahnder geraten. Anfang Juni vorigen Jahres kam es deshalb zu einer Wohnungsdurchsuchung. Dabei entdeckten die Zollfahnder insgesamt 615 Gramm Haschisch in Schuhschachteln und in einem Sektkühler. Außerdem fanden sie in der Wohnung verstreut mehr als 8000 Euro.

Beschuldigter gibt Drogenbesitz und -handel sofort zu

Der 20-Jährige räumte sofort ein, dass ihm die Drogen gehörten. Es handle sich um den Rest der eingekauften 750 Gramm. Zum Geld befragt, erklärte er, bei einem Teil der Summe habe es sich um die Einnahmen aus dem Drogenverkauf gehandelt. Weitere 4790 Euro seien eigene Ersparnisse für den Führerschein gewesen. Dazu kamen die 1000 Euro von der Mutter. Nun stellte sich die Frage, warum er nicht dieses Geld verwendet hatte und stattdessen ins kriminelle Drogengeschäft eingestiegen war. "Das hätte nie gereicht, um noch 16 Monate Wohnungsmiete zu bezahlen", erklärte der 20-Jährige. Denn so lange hätte er dort bis zum Schulabschluss noch wohnen müssen.

Ein Kripobeamter berichtete, dass der Schüler im gleichen Zeitraum drei Mal je 2000 Euro an Verwandte ins Ausland überwiesen hatte. Der Beschuldigte behauptete nun, dieses Geld habe ihm die Mutter geschickt, damit er die Auslandsüberweisungen ausführen sollte. Noch unglaubwürdiger wurde alles, als der Polizeibeamte seine übrigen Ermittlungsergebnisse präsentierte: Sie untermauerten den Verdacht, dass der Schüler zusammen mit einem Kumpel schon seit Anfang vorigen Jahres Drogen verkauft hat und nicht erst zwischen April und Mai. Der Beschuldigte verneinte das. Die Namen des Verkäufers der 750 Gramm und des Kumpels, mit dem er weitere Geschäfte gemacht haben soll, wollte er nicht nennen. Dafür hätte es eine mildere Strafe gegeben.

Gericht vermutet höhere Menge an gehandeltem Marihuana

Das Gericht hielt es schließlich für "klar wie Kloßbrühe", dass der Schüler sich damals mehr und ausgiebiger als zugegeben in Drogengeschäfte verstrickt hatte. Bei der Urteilsfindung verkannte man durchaus nicht die schlimme Lage, in welcher er sich damals tatsächlich befand. Auch dass er keine Namen nenne wollte, kreidete das Gericht ihm nicht an. Viel gravierender sei gewesen, dass er sich in keiner Weise dazu bekannt habe, "dass damals wesentlich mehr gelaufen ist", stellte das Gericht fest. Auch habe er seine Taten weder bedauert, noch habe er deutlich gemacht, "dass er absolut nichts mehr damit zu tun haben will", monierte Jugendrichter Franz Klaiber. "Er muss merken, in welchen Sumpf er sich begeben hat", betonten der Richter und die Schöffen und brummten dem 20-Jährigen als Bewährungsauflage 2000 Euro Geldbuße und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit auf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.