Acht Mädchen und ein Junge im Alter von zwölf bis 16 Jahren bringen in der Zeller Kultur ein beinahe zweistündiges Stück auf die Bühne. Ort der Handlung ist eine Jugendarrestanstalt für Mädchen. In packenden, emotionsgeladenen Dialogen entfaltet sich allmählich, was die Figuren erlebt haben, bevor sie die schweren Straftaten begangen haben, die sie in die Anstalt führten. Die Zuschauer spendeten am Ende der Aufführung stehend Applaus. 

Ensemble fand sich vor etwas mehr als einem Jahr zusammen

Die Jugendgruppe entstand im September 2018. Einige der jungen Schauspieler waren der Kindertheatergruppe entwachsen und wollten ihre Passion weiterleben. Anny de Silva, selbst Schauspielerin, übernahm erstmals Regie. Einige Schwierigkeiten habe die Suche nach einem Stück bereitet, weil es viel mehr Mädchen als Jungen gab, erzählte die Regisseurin.

Auf Grundlage von Ideen der Jugendlichen entwickelte und schrieb de Silva schließlich ein eigenes Stück, das sich durch schnelle, packende Dialoge auszeichnet. Die Abkürzung „Jaa!!“ steht für Jugendarrestanstalt.

In der Jugendarrestanstalt Themishof – kurz „Jaa“ – geht es hoch her. Zwischen den Mädchen kommt es zu zahlreichen Konflikten und Auseinandersetzungen. Von links die Darstellerinnen Sayenn Floristeanu, Besjanda Berisha, Varinia de Silva und Alina Korhummel
In der Jugendarrestanstalt Themishof – kurz „Jaa“ – geht es hoch her. Zwischen den Mädchen kommt es zu zahlreichen Konflikten und Auseinandersetzungen. Von links die Darstellerinnen Sayenn Floristeanu, Besjanda Berisha, Varinia de Silva und Alina Korhummel | Bild: Natalie Reiser

Dort treffen vier Mädchen aufeinander. Jede von ihnen hat eine schwere Straftat begangen. Ihre familiären Hintergründe und Probleme bilden den Stoff für Konflikte, die sie lautstark untereinander austragen, während sie gezwungen sind, miteinander zu leben.

Leonie beschimpft das arabische Mädchen Akilah mit seinem Kopftuch als „Dönerfresse“. Die Religion der Muslima steht in ihren Augen für Unterdrückung, Frauenverachtung und männliche Gewalt. Doch auch Leonie ist eine Gefangene. Sie fügt sich ihrem Halbbruder Jason. Unter seinem Einfluss hat sie einen Raub mit durchgezogen und einen schweren Autounfall verursacht. Jason ist der Einzige, der Leonie besucht – mit der Intention, sie zu neuen Deals anzustiften.

Figuren voller Wut

Die Wut und Aggressivität Leonies bringt Varinia de Silva beeindruckend auf die Bühne. Die traurige Halbwaise Finja (Alina Korhummel) explodiert förmlich, als keine der anderen ihren Selbstmordversuch nachvollziehen kann: „Ich wollte, dass der Schmerz aufhört.“ Leonie, ruhiger geworden, kontert: „Du weißt schon, dass dein Schmerz dann nicht weggeht, wenn du dich umbringst, sondern dass du ihn nur an jemand anderen weitergibst?“

Wenn die Emotionsmauern bröckeln

Das Stück besticht durch seine Dialoge. Was die Jugendlichen sich an den Kopf werfen, ist in Jugendsprache spitzzüngig und authentisch formuliert. Glaubwürdig macht das Stück ebenso, dass die Stimmung zwischen den Mädchen sich erst spät, im Verlauf vieler Auseinandersetzungen, entspannt. Wieder in Freiheit, will Akilah sich für die Gleichberechtigung aller Muslime einsetzen. Der erste Standpunkt, dem alle vier zustimmen.

Gegen Ende bröckeln die emotionalen Mauern, die die Mädchen um sich aufgebaut haben. Sie sprechen über ihre zerrütteten Familien, darüber, wie sehr ihnen Zuneigung fehlt. Sie erzählen, was sie verbrochen haben und treffen Entscheidungen für die Zukunft. Sayenn Floristeanu sorgt für einen Gänsehautmoment, während sie sich als schwangere Aileen, vor dem Spiegel singend „I cant help falling in love with you“, für ihr Baby entscheidet.

Weitere Vorstellungen: 17. und 18. Januar 2020, je 20 Uhr. Der Eintritt ist frei