Beim Hausherrenfest im vergangenen Jahr boten sie einen Ohrenschmaus: 60 chinesische Schüler standen in Reih und Glied auf dem Marktplatz, die Mädchen in zart-rosa Kleidern, die Jungen in weißen Hemden. Ein Klarinettenensemble und ein Chor aus Peking verbrachten einige Tage im Städtchen am Bodensee. Nun ist ein Gegenbesuch geplant. Das Jugendblasorchester (JBO) wird in Peking, Xian und Shanghai Station machen. Am Sonntag geht es los. 50 jugendliche Musiker und zwölf Begleiter, Musiklehrer und Mitglieder des Elternbeirats der Musikschule, werden in einen Bus steigen, der sie nach München bringt. Von dort aus geht es mit dem Flieger ins ferne Asien.

Das ist eine spannende Sache, befanden alle Beteiligten bei der letzten Orchesterprobe vor der Reise. China ist kein typisches Reiseland, groß sind die Unbekannten, was die Sprache, das Verhalten und das Essen angeht. Ganz bewusst ausgesucht habe man China nicht, erzählte Schulleiter Hans Heinrich Hartmann. Im Gespräch mit der Organisation für Internationale Kontakte (OIK) fiel das Stichwort China eher zufällig. Die Musikschule zeigte sich offen und der Besuch 2016 wurde ein voller Erfolg. Dass ein deutsches Ensemble den Gegenbesuch antritt, sei allerdings außergewöhnlich. Das JBO ist seit Langem reisefreudig. Bereits mit dem ehemaligen Dirigenten Heinrich Braun unternahmen die jungen Bläser mehrere Musikreisen in Europa. Diese Tradition wolle man weiterführen, so Hartmann. Und nun geht es auch im ganz konkreten Sinne einige tausend Kilometer weiter auf einen anderen Kontinent.

Für einige Jugendliche ist es die erste Flugreise. Klar, dass die meisten jetzt ziemlich aufgeregt sind, erzählt Orchestersprecher Tobias Rieple. In Xian und in Shanghai werden die Blasmusiker Konzerte spielen. Klassische Stücke von Bach und Dvorák stehen auf dem Programm, aber auch Modernes wie Filmmusik von Star Wars beispielsweise. Die Chinesen dürfen aussuchen, was sie hören möchten. Einige Stücke sollen gemeinsam mit den chinesischen Musikern gemeistert werden.

Wer so weit reist, will natürlich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten nicht ganz außer Acht lassen. Ausflüge zur chinesischen Mauer und zum Mausoleum Qín Shhuángdìs mit der berühmten Terracotta-Armee sind geplant. Drei Tage lang werden die Jugendlichen in chinesischen Gastfamilien untergebracht sein. Und da dürfte sich der Wunsch von Oberbürgermeister Martin Staab, die Jugendlichen mögen viele neue Eindrücke aus der fremden Kultur mitnehmen, spätestens erfüllen.

Was wird wohl auf den Tisch kommen? Da macht sich Erheiterung breit. Im Vertrauen auf die Aussagen der chinesischen Betreuer von der OIK, das Essen nehme einen hohen Stellenwert in der chinesischen Kultur ein, hofft Hartmann auf kulinarische Genüsse. Im Friedrich-Hecker-Gymnasium wurde den Chinesen im vergangenen Jahr Leberkäs serviert. Sollte man da als Deutscher nicht auch experimentierfreudig an die fremde Kultur herangehen? Staab wünschte des Weiteren, die Jugendlichen mögen gestärkt, neugieriger und mit einem erweiterten Horizont zurückkehren. Ab dem 14. Juni werden Freunde und Familie in Erfahrung bringen können, ob sie diese Empfehlung umgesetzt haben.

Finanzierung

Nach dem Besuch von 60 chinesischen Musikschülern, die das Hausherrenfest durch ein Klarinettenensemble und einen Chor bereicherten, sei die Idee zu einem Gegenbesuch des Jugendblasorchesters entstanden, berichtet Hans Heinrich Hartmann, Leiter der Musikschule. Bereits während des Hausherrenfestes sind 2500 Euro für eine Musikreise gespendet worden. Weitere Unterstützung kam von der Werner und Erika Messmer-Stiftung und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend förderte das Austauschprojekt der Musikschule. Für die 50 Musiker und ihre zwölf Begleiter bleibt ein Eigenbetrag. (rei)