Seit Monaten haben sie ihre Stücke für den Regionalwettbewerb Jugend musiziert geübt, mit ihren Lehrern daran gefeilt, um jede Note und ihre Gestaltung gerungen. Im Abschlusskonzert am frühen Sonntagabend im Beethovensaal der Radolfzeller Musikschule dürfen sie entspannt aufatmen: Die Wertungsspiele sind vorbei, die Fachjury hat ihre Beurteilungen und Punkte nach bestem Wissen und Gewissen verteilt.

Das Konzert zum Abschluss zeigt noch einmal die große Bandbreite der Alters- und Instrumentenklassen und überrascht mit dem hohen Niveau, das die für das Abschlusskonzert Ausgewählten an den Tag legen. Denn trotz der langen Übungszeit der immer gleichen Stücke, trotz der Anspannung, die jeder Wettbewerb mit sich bringt, überraschen die Konzentration und die Frische, womit die 22 musikbegeisterten Kinder und Jugendlichen im Konzert die Zuhörer gefangen nehmen.

Die fünf jungen Pianisten tragen ihre Werke aus Barock, Romantik, Klassischer Moderne und zeitgenössischer Musik technisch souverän und mit erstaunlich sicherer Gestaltung vor. Die jüngste, gerade mal siebenjährige Alyssa Stephanie Grimm kann mit ihren Beinen die Pedale noch nicht erreichen, und für Noah Kulcsar aus der Altersgruppe II (elf bis zwölf Jahre) ist ein hölzerner Pedal-Aufbau nötig, damit er sein energisch vorgetragenes Agitato aus „Mein erstes Konzert“ von Jewgeni Golubew voll zur Wirkung bringen kann.

Beeindruckende Leistung durch Treue zum Instrument

Luc van Doomick aus der Gruppe der 17- bis 18-Jährigen zeigt in beeindruckendem Spiel, wie weit es die jungen Pianisten bringen können, wenn sie ihrem Instrument treu bleiben. Er, wie die meisten Teilnehmer am Abschlusskonzert, haben die Weiterleitung zum Landeswettbewerb im März in Tuttlingen erreicht.

Das jüngste Ensemble, das Violin-Duo Laura Baumgartl und Lea Tatic, erfreut beim Regionalwettbewerb Jugend musiziert mit seinem frischen Spiel.
Das jüngste Ensemble, das Violin-Duo Laura Baumgartl und Lea Tatic, erfreut beim Regionalwettbewerb Jugend musiziert mit seinem frischen Spiel. | Bild: Pantel, Veronika

Auch die drei jungen Sängerinnen lassen aufhorchen: Mit sauberen und in der Höhe sicheren Sopranstimmen überzeugen sie das begeistert applaudierende Publikum. Bei Bernsteins „I feel pretty“ aus der „West Side Story„, das Elisabeth Ohlsen aus der fünften Altersgruppe (17 bis 18 Jahre) mit viel Ausdruck und schauspielerischem Talent vorträgt, hätten viele Zuhörer wohl am liebsten mitgesummt.

Von den Ensembles stellen sich zwei Violin-Duos, ein Klarinetten-Duo, ein Blockflöten-Duo und ein Streichquartett vor. Noch größere Anforderungen stellt das Spielen im Ensemble, denn hier muss man nicht nur in seiner eigenen Stimme sicher sein, sondern in Zusammenspiel immer auch auf den Partner hören und sich in der Gestaltung abgesprochen haben. Schon die Jüngsten spielen forsch und sicher, die Älteren wagen sich an sehr anspruchsvolle Literatur.

Das Streichquartett Julie Luzie Messmer, Emese Elisabeth Driller, Amelia Kneer und Nadja Sophie Uhl wagen sich an die hohe Kunst des Quartettspiels.
Das Streichquartett Julie Luzie Messmer, Emese Elisabeth Driller, Amelia Kneer und Nadja Sophie Uhl wagen sich an die hohe Kunst des Quartettspiels. | Bild: Pantel, Veronika

Das Streichquartett spielt einen Satz aus Mozarts F-Dur-Divertimento technisch ausgefeilt und mit viel Gefühl für eine ausgewogene Dynamik. Aufhorchen lässt auch das Blockflöten-Duo: Kess und engagiert, mit viel Freude am eigenen Vortrag, trägt es auf bis zu vier Flöten das „Programu C-Dur“ von 1953 von Agnes Dorwarth vor – eine musikalisch und sprachlich erzählte, skurrile Geschichte von Huhn und Hund. Sie jungen Musiker zeigen eindrucksvoll, dass neben allem Wettbewerbsstress Musik doch vor allem Spaß machen soll!

Cool und selbstbewusst tritt Schlagzeuger Vinzenz Seeberger als „Rausschmeißer“ an: In „Trofeo De Bolos“ von Craig Skeffington demonstriert er die ganze Klangfarbenpalette seines Instrumentariums, pariert Rhythmen und Schlagtechniken mit großem Können. Dass sie sich alle diese Begeisterung für ihr Instrument bewahren mögen, das gibt Musikschulleiter Hans Heinrich Hartmann den erfolgreichen jungen Musikerinnen und Musikern abschließend mit auf den Weg.

Talentförderung als eine Säule der Musikstadt Radolfzell

Bürgermeisterin Monika Laule lässt es sich in ihrer kurzen Ansprache nicht nehmen darauf hinzuweisen, dass die Förderung des musikalischen Nachwuchses eine der drei Säulen der Musikstadt Radolfzell sei. Sie lobt die Teilnehmer am Wettbewerb für ihr intensives Übungspensum, ihre Durchhaltefähigkeit und den Mut, sich einer kritischen Jury zu stellen.