Zu Beginn fliegt die Kamera über die Dächer und nimmt die Besucher mit auf eine Reise in ihre Stadt: aus der Vogelperspektive und später auch aus der Perspektive des durch die Stadt flanierenden neugierigen Entdeckers. Stadtgeschichten sind es, die Rainer Jörger, erfahrener Filmemacher und Journalist, auf diese Weise produziert und auf die Bühne bringt: Seit 2010 hat er 28 Produktionen in vielen Städten in der Region erstellt, in Waldshut, Bad Säckingen, St. Georgen und Pfullendorf. Jetzt soll auch Radolfzell zum Star an zwei Abenden werden.

Es gibt zwei Helden dieses Abends: Einer ist die Stadt selbst, der andere sind ihre Menschen. Diese sind gleichzeitig das Publikum – und so ist die Wirkung sichergestellt: Rainer Jörger versteht es, ein Stück Heimat zu vermitteln, zum einen als Film, zum anderen live auf der Bühne des Milchwerks. Das Konzept ist einfach und zugleich ambitioniert: Rainer Jörger beschäftigt sich mehrere Monate intensiv mit der Stadt, in der die Stadtgeschichten entstehen sollen. In Radolfzell steht ihm Lothar Rapp als Kenner der Stadt und Türöffner zur Seite – so sollte es möglich sein, spannende Geschichten zu entdecken und diese filmisch festzuhalten. Die Kurzreportagen werden im April 2018 im Milchwerk gezeigt – zur faszinierenden Show werden sie aber erst durch die Ergänzungen auf der Bühne: das können kurze Interviews mit Radolfzellern sein, eine Turnvorführung, ein Tanz oder eine andere Präsentation. Das Projekt verwirklicht Jörger gemeinsam mit dem Fachbereich Kultur bei der Stadtverwaltung unter Leitung von Angelique Tracik, der Tourismus und Stadtmarketing GmbH unter Leitung von Nina Hanstein und in Kooperation mit dem Milchwerk.

Die Stadtverwaltung hat ein eigenes Interesse an den Stadtgeschichten: Unter anderem sollen Bürgerprojekte, die aktuell aus Anlass des Stadtjubiläums umgesetzt werden, in der Filmproduktion portraitiert werden. Ein Beispiel verrät Rainer Jörger vorab: Zu den Vorbereitungen zum Bürgerprojekt in Möggingen, bei dem ein Schachspiel aus Lebendfiguren nachgestellt wird, soll es eine Filmsequenz geben. Das Stadtjubiläum steht aber längst nicht im Vordergrund des Projekts: Rainer Jörger geht es auch um die verborgenen Geschichten, die erst hervorkommen, wenn man sich um sie bemüht – und die das Bild einer Stadt prägen. Der Erfolg von Film und Show offenbart sich immer nur in Verbindung mit der jeweiligen Stadt: "Das Projekt lebt von den Menschen, den Bürgern, die von sich erzählen", sagt Nina Hanstein.

Zuständig für Moderation, Technik und die Entdeckung der Stadt: von rechts Rainer Jörger und sein Radolfzell-Begleiter Lothar Rapp, im Hintergrund Nina Hanstein. Bild: Claudia Wagner
Zuständig für Moderation, Technik und die Entdeckung der Stadt: von rechts Rainer Jörger und sein Radolfzell-Begleiter Lothar Rapp, im Hintergrund Nina Hanstein. Bild: Claudia Wagner

Wer im April 2018 auf der Bühne des Milchwerks stehen wird, ist also noch völlig offen. Sicher ist: je offener die Angesprochenen reagieren, desto gehaltvoller wird der Film. Rainer Jörger hält sich bei der Produktion an ein Grundprinzip des Journalismus: er ist als Beobachter vor Ort: "Bei der Show werde ich als Moderator auftreten, aber nicht versuchen, den Radolfzellern ihre Stadt zu erklären. Denn das können sie am besten selbst". Mit trockenem Humor wiederum kommentiert Lothar Rapp seine Erwartungen an die Multimedia-Produktion: "Nun ja, besser als der Narrenspiegel sollte es lieber nicht werden."

Eine wichtige Rolle übernehmen bei den Stadtgeschichten übrigens die Kinder. Sie setzt Rainer Jörger gern als Reporter ein. In Radolfzell bekommen sie die Aufgabe, über die Veranstaltungen des Stadtjubiläums zu berichten: ein frischer Blick auf Radolfzeller Festereignisse ist damit zu erwarten.

Ob es denn im Anschluss an die Shows den Film auch in konservierter Form geben wird? Bei dieser Frage muss Rainer Jörger schmunzeln: "Die Stadtgeschichten sind unverkäuflich, weil sie von der Stimmung an diesem einen Abend leben und diese medial schwer einzufangen sind". Das Heimatgefühl ist eben ein flüchtiger Gast und wer es spüren will, sollte es selbst erleben.

Zum Ablauf

  • Film und Show: Die Multimedia-Reportage wird am 14. und 15. April 2018 im Radolfzeller Milchwerk gezeigt. Es wird zwei Show-Blöcke zu jeweils 50 Minuten geben. Dabei wechseln sich acht bis zehn Filmreportagen mit Live-Showeinlagen ab. Die Protagonisten sind die Radolfzeller selbst.
  • Zur Person: Rainer Jörger hat als Bildreporter für Magazine und Zeitungen gearbeitet und Reise- und Naturreportagen ebenso wie Menschengeschichten erstellt. Seit 1990 vermarktet er seine Produktionen über die eigene Agentur Joerger Media.