Die Iren sind laut Sigmund Freud das einzige Volk, dem durch Psychoanalyse nicht zu helfen ist. Sie sind voller Widersprüche und immun gegen rationale Denkprozesse. Doch vielleicht können die Radolfzeller künftig lernen, die irischen Landsleute besser zu verstehen. Und zwar dank ihr: Jule Meier. Sie übernimmt das leer stehende Pub in der Höllstraße in Radolfzell. Die 30-Jährige betreibt seit einiger Zeit bereits die Seebar am Konzertsegel. Allerdings ist ihr das nicht genug. Ab dem 1. September, passend zum Altstadtfest, wird die junge Unternehmerin eine weitere Herausforderung wagen und ein Irish Pub eröffnen.

Mit 30 Jahren gleich zwei Lokale selbstständig zu betreiben bedeutet für Jule Meier auch eine große Verantwortung. „Manchmal habe ich ganz schön Muffensausen“, gibt sie zu. Obwohl sie mit der Seebar bereits einige Erfahrung im Gastro-Bereich gesammelt hat, sei sie noch immer aufgeregt vor der Neueröffnung des zweiten Lokals. Jede Bar sei eben doch anders, jede habe ein anderes Konzept. Ob sie damit den Geschmack der Radolfzeller trifft, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Meier zufolge sei genau das aber auch das Spannende. Die junge Frau stellt sich gerne der neuen Herausforderung, auch wenn die Gastronomie keine einfache Branche ist.

Noch ist der Thekenbereich im Irish Pub eine Baustelle. Aber bereits zur Eröffnung am 1. September soll alles fertig sein.
Noch ist der Thekenbereich im Irish Pub eine Baustelle. Aber bereits zur Eröffnung am 1. September soll alles fertig sein. | Bild: Lisa Liebsch

Die Arbeitszeiten sind hauptsächlich abends und mit bald zwei Läden würden die Stunden, die sie investieren muss, auch nicht gerade weniger. Die Eröffnung des Irish Pubs zum 1. September hin passe daher eigentlich ganz gut. Die Saison in der Seebar sei fast vorbei, diese endet bereits im Oktober. Dann könne sie sich erst einmal voll und ganz auf das neue Projekt konzentrieren. Bis dahin werde sie aber zwischen den Läden pendeln müssen: „Tagsüber kann ich in die Seebar, abends in das Pub“, sagt die 30-Jährige. Das Team der Seebar sei zum Glück eingespielt und sie wisse, dass sie sich auf jeden dort verlassen könne. Sie müsse also nicht ständig anwesend sein. Und bis im kommenden Frühjahr die Seebar wieder öffnet, möchte Jule Meier ein gut laufendes Lokal aufgebaut haben: „Mit dem richtigen Team im Hintergrund geht es immer“, sagt sie.

In den Räumen in der Höllstraße war auch schon davor ein Pub. Dass Jule Meier doch etwas komplett Neues aufbauen möchte, erklärt die Unternehmerin mit einem kleinen Augenzwinkern so: „Davor war ein English Pub drin, wir machen ein Irish Pub draus. Der Unterschied besteht darin, dass die Engländer für den Brexit sind, die Iren jedoch nicht.“ Die Mentalität der Iren soll den Unterschied der Stimmung und Atmosphäre für den Laden bringen. „Es soll gemütlich und stimmungsvoll sein“, sagt sie. Aber eben doch noch ein Pub. „Eine Kommunikationsstätte, in der Leute sich treffen und zusammen trinken“, sagt Jens Mürke, der Lebenspartner von Jule Meier, der sie bei den Umbauarbeiten unterstützt. Vom Programm her möchte Meier den Laden also Pub-typisch führen mit Sportübertragungen, Live-Musik, einer Open Stage und natürlich Bier.

Wo jetzt noch Eimer mit Farbtuben stehen, sollen ab dem 1. September Pub-Besucher einen Hauch irischen Lebensgefühls spüren.
Wo jetzt noch Eimer mit Farbtuben stehen, sollen ab dem 1. September Pub-Besucher einen Hauch irischen Lebensgefühls spüren. | Bild: Lisa Liebsch

Auf den leer stehenden Laden in der Höllstraße ist Jule Meier durch Freunde aufmerksam gemacht worden. Ihr Interesse wurde sofort geweckt. Allerdings hat sie eine Weile gebraucht, um den Gedanken an ein zweites Lokal reifen zu lassen. Letztlich habe ein Gast aus der Seebar den entscheidenden Kontakt zum Besitzer hergestellt und man sei sich schnell einig geworden. „Ich war sofort Feuer und Flamme“, erinnert sie sich. Das neue Lokal soll „Irish Exit“ heißen. Um das korrekt zu verstehen, müsse man ein wenig ausholen, sagt Jule Meier. Im Grunde bedeutet es, dass man seine Freunde nach einem gemeinsamen Abend verlässt, ohne sich zu verabschieden. „Abhauen ohne Tschüss zu sagen“, sei die Botschaft dahinter. Diese Aussage verkörpere laut Jule Meier und ihrem Lebenspartner Jens Mürke, die Mentalität und Philosophie der Iren, die sie auch in ihrem Pub vermitteln wollen. Beide seien sich darüber im Klaren, dass die Idee hinter den Worten polarisiert. „Es ist nicht gemeint, dass man einfach die Zeche prellt. Sondern dass jeder kommen und gehen kann, wann er will. Es ist nicht schlimm, die Gruppe früher zu verlassen. Man soll sich einfach wohlfühlen“, erklärt Jens Mürke.

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