Ob es in alten Speicherhallen durchwegs einen abgetrennten Platz für Müll und Abfälle gab, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. An solch eine alte Lagerhalle mit Satteldach und errichtet in Holzständerbauweise soll der Entwurf für das neue Gastronomiegebäude auf der Radolfzeller Mole erinnern. Was in diesem Entwurf für ein modernes Gasthaus zu kurz gekommen ist, sind ausreichend Flächen für die Lagerung von Müll und Leergut. Gerade mal zwei Räume mit je vier Quadratmeter Nutzfläche waren eingezeichnet.

Auftrag an die Verwaltung

Deshalb hat die Bodensee-Hafengesellschaft, eine hundertprozentige Tochter der Stadtwerke Konstanz, als Investor des Zwei-Millionen-Euro-Projekts die Stadt Radolfzell gebeten, sie möge doch ein externes Plätzchen für einen Sammelplatz suchen. Die Stadtverwaltung ist fündig geworden. Um die Ecke etwa hundert Meter weiter will die Stadt eine oder zwei Sitzbänke opfern und den Müllbereich für den Wäschbruckhafen zugunsten der neuen Gastronomie erweitern. "Im direkten Umfeld des neuen Gebäudes wurde kein geeigneter Standort gefunden", heißt es dazu in der Verwaltungsvorlage für den Bebauungsplan "Gastronomie Mole".

Unbehagen im Ausschuss

Das hat im Ausschuss Planung, Umwelt, Technik bei einigen Stadträten Kopfschütteln ausgelöst. SPD-Stadtrat Reinhard Rabanser tut sich schwer damit, sich vorzustellen, dass etwa beim Hausherrenfest der Abfall in Kübel- oder Rollwagen zwischen den Menschenmassen hin- und hergekarrt wird. Dieses Unbehagen ist auch im Abstimmungsergebnis abzulesen. Sechs eindeutige Ja-Stimmen für den neuen Bebauungsplan stehen fünf distanzierten Enthaltungen gegenüber.

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Zur nachträglichen Müllwanderung gibt es unterschiedliche Betrachtungen. Für die Bodensee-Hafengesellschaft sei nach Aussage von Stadtwerke-Pressesprecher Josef Siebler von Anfang an klar gewesen, dass der Müll und das Leergut aufgrund des Volumens nicht komplett im Gebäude und aufgrund der exponierten Lage nicht im unmittelbaren Umfeld des Gebäudes im Bereich der Mole untergebracht werden könne: "Das wurde im gesamten Verfahren des Wettbewerbs und danach immer wieder sowohl in den Gesprächen mit allen Beteiligten und den Pachtinteressenten abgesprochen."

Überraschung im Rathaus

OB Martin Staab hat das Verfahren etwas anders in Erinnerung: „Von Beginn an war die Müllfläche im Gebäude vorgesehen." Erst während den Verhandlungen der Hafengesellschaft mit dem Pächter sei klar geworden, dass die Müllflächen nicht ausreichen würden. "Dies hat uns überrascht", sagt Staab. Allerdings sei es bei Projekten dieser Art nicht unüblich, dass der Nutzer andere und zusätzliche Anforderungen an das Gebäude stelle. "Insofern unterstützen wir dieses Ansinnen und suchen gemeinsam mit der Bodensee-Hafengesellschaft nach der besten Lösung."

Geruchsbildung soll verhindert werden

Diese Lösung sieht nach Angaben der Hafengesellschaft eine gekühlte Lagerung des Biomülls in den beiden kleinen Räumen vor, um eine Geruchsbildung zu verhindern. Auf der Fläche an der Karl-Wolf-Straße dürfe nur Müll ohne Geruchsbildung gelagert werden wie Papier, Gelber Sack oder Leergut. Die Stadtverwaltung bestätigt auf Anfrage: "Die Auflagen an den Investor sind hoch", teilt die Pressestelle mit. Mit einer optischen Einfassung sowie einer vollständigen Begrünung soll dort eine störungsfreie Lagerung von Müll und Leergut gewährleistet werden.

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Pressesprecher Siebler weist für die Hafengesellschaft auf die Notwendigkeit dieser Fläche hin: "Aus unserer Überzeugung und als Ergebnis der vielen Bewerbergespräche können wir nur sagen, dass die Gastronomie auf der Mole ohne diesen externen Müllstandort nicht realisierbar ist." Zudem hätten die Bewerber für den Pachtbetrieb hinnehmen müssen, dass das Biergartenmobiliar im Winter an einer entfernten Stelle gelagert werden muss. Siebler: "Dies stieß auch auf wenig Gegenliebe, wurde jedoch durchgesetzt."