In Radolfzell lässt es sich sicher leben. Das sagte der Radolfzeller Revierleiter Willi Streit bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2018 mit voller Überzeugung und nicht ohne Stolz. In der jünsten Sitzung des Ausschusses für Bildung, Soziales und Sicherheit stellte er den „erfreulichen“ Bericht, wie er ihn nannte, vor. Allerdings habe es auch „wenige Wehrmutstropfen“ gegeben. Doch alles in allem seien er und sein Team sehr zufrieden.

Die Polizei hat deutlich weniger Fälle zu vearbeiten

Die Anzahl der erfassten Fälle 2018 sei im Vergleich zum Jahr 2017 deutlich zurückgegangen. So habe es vergangenes Jahr 18,5 Prozent weniger Arbeit für die Polizei gegeben. Die Häufigkeitszahl, also die Anzahl der Straftaten auf 100.000 Einwohner, sei für die Stadt Radolfzell mit 4948 der niedrigste Wert in den vergangenen zehn Jahren.

Bild: Silas Stein

Zum Vergleich: Konstanz hat 2018 eine Häufigkeitszahl von 7252, der gesamte Kreis Konstanz liegt bei 5719. Für den gesamten Revierbereich Radolfzell – dazu gehören auch die Hörigemeinden Moos, Gaienhofen und Öhningen – beträgt die Häufigkeitsziffer 4343.

Im Vergleich mit der Häufigkeitszahl 4604 des Reviers Stockach, mit den Gemeinden Mühlingen, Bodman-Ludwigshafen, Orsingen-Nenzingen, Eigeltingen und Hohenfels, ist die Kriminalitätsbelastung in Radolfzell und auf der Höri also deutlich niedriger. Auch diese Bilanz trägt Willi Streit nicht ohne Stolz vor.

Verkehrsunfälle nehmen ab

Auch die Zahl der Verkehrsunfälle sei im vergangenen Jahr um acht Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden gekommen sind, ist sogar um ganze 23 Prozent geringer als noch 2017. Willi Streit macht die gute Präventionsarbeit und die Kontrollen seiner Mitarbeiter für diese Entwicklung verantwortlich.

Polizei kontrolliert oft und regelmäßig

„Auch wenn die subjektive Wahrnehmung bei manch einem eine andere ist, wir kontrollieren sehr viel“, sagte Streit. Allerdings gab es eine Verschiebung bei der Art der Verletzungen. Zwar wurden 13 Prozent weniger Personen bei einem Unfall verletzt, 2018 gab es auch 33 Prozent weniger Leichtverletzte als noch 2017. Doch die Zahl der Schwerverletzten ist von 24 auf 28 gestiegen und macht ein Plus von 17 Prozent.

Die Anzahl der Tatverdächtigen lag in der Stadt Radolfzell im Jahr 2018 bei 666, davon waren 460 Tatverdächtige Deutsche, 206 der verdächtigen Personen hatten keinen deutschen Pass und von diesen waren 76 aus der Personengruppe der Geflüchteten.

Bei Gewalttaten ist häufig ein Asylbewerber der Verdächtige

In allen Bereichen konnte die Zahl im Vergleich zum Jahr 2017 deutlich gesenkt werden. 2017 waren es noch insgesamt mehr als 700 Tatverdächtige, 550 waren deutscher Herkunft und etwa 250 hatten keinen deutschen Pass. Nur die Anzahl der Asylbewerber unter den Tatverdächtige ist nahezu gleich geblieben.

Ähnlich sieht es aus, wenn man die Tatverdächtigen bei Fällen wie Körperverletzung betrachtet. Hier gab es 2018 100 Tatverdächtige insgesamt. Davon waren 49 deutscher Herkunft, 51 waren keine deutschen Staatsbürger und 40 davon gehören zur Gruppe der Geflüchteten.

Gewalt findet in den Gemeinschaftsunterkünften statt

Willi Streit erläuterte auf Nachfrage aus dem Gremium, dass sich das Aggressionspotenzial der Geflüchteten vor allem in den Gemeinschaftsunterkünften abspielen würde. Mit geflüchteten Personen, die eine eigene Wohnung gefunden hätten, habe die Polizei weniger zu tun. Leider, so führte Streit weiter aus, hätten Straftaten im Zusammenhang mit Gewalt im Jahr 2018 zugenommen. Die Polizei verzeichnete 224 Fälle, 2017 waren es noch 210 Gewalttaten.

Weniger kriminelle Jugendliche

Sehr erfreut zeigte sich Streit über die sinkende Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren. Diese Zahl habe man weiter senken können. Nur 195 jugendliche Personen wurden 2018 mit einer Straftat in Verbindung gebracht. Der Zehn-Jahres-Durchschnitt liegt bei 232, also habe man mit Präventionsarbeit viel geleistet, sagte Willi Streit.

Präventionsarbeit trägt Früchte

Hier sprach er auch der Stadtverwaltung und dem Präventionsrat ein großes Lob aus. „In Radolfzell wird den Jugendlichen viel angeboten und es gibt tolle Aktionen, an denen die Jugendlichen teilhaben können. Das sieht man auch in der Statistik“, sagte er. In Konstanz waren 2018 637 Personen unter 21 Jahren Tatverdächtigt, im Kreis Konstanz waren es 1676 Jugendliche.

Mit verdeckten Ermittlern gegen Drogenkriminalität

Ebenfalls zurückgegangen sei die Rauschgiftkriminalität. Hier habe man 15,9 Prozent weniger Fälle gehabt. Revierleiter Streit berichtete von verdeckten Ermittlungen und mehr offener Präsenz der Beamten. Dies habe auch eine abschreckende Wirkung gehabt, die weitere Straftaten verhindern konnte.

Auch habe man Drogenverkäufer auf einem Schulhof in der Stadt dingfest machen können. Für 2019 sieht Streit sogar eine noch niedrige Anzahl an Drogendelikten vorher, da man besser aufgestellt sei als noch 2018. Besondere Einsätze von jungen Kollegen direkt in der Szene seien effektiv gewesen, so Streit.

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Die Aufklärungsquote lag 2018 bei 58 Prozent. Im Jahr 2017 waren es noch 67,3 Prozent, doch Willi Streit hat dafür eine einfache Erklärung. Man habe 2017 einen großen Erfolg feiern können, indem man eine umfangreiche Serie von Betrugsfällen habe aufklären können. „Wenn man auf einem Schlag so viele Fälle aufklärt, schlägt sich das auch in der Statistik nieder“, sagte Streit.