Was gibt es bei Sonnenschein schöneres, als den Tag im Strandbad zu verbringen? Trotz Spitzentemperaturen fällt die Zwischenbilanz zur diesjährigen Badesaison bei Familie Yildirim aber eher ernüchternd aus. Derya Yildirim ist Pächterin des Strandbads auf der Mettnau in Radolfzell. Ihre Eltern verwalten das nahegelegene Seebad.

  • Strandbad: In den vergangenen drei Jahren sind laut Familie Yildirim die Besucherzahlen im Strandbad gesunken. "Früher waren es etwa 40 000 Besucher pro Saison. Jetzt kommen wir auf nicht mehr als 28 000. Für diesen goldenen Sommer ist das leider zu wenig", berichtet Ibrahim Yildirim, Ehemann der Pächterin. Zwar gibt es laut Familie Yildirim jeden Tag Arbeit, allerdings sei es im Vergleich zu vergangenen Jahren nicht genug. Auch das gute Wetter habe den Besucherrückgang nicht verhindern können.

Die Betreiber machen unter anderem das neue Parkkonzept dafür verantwortlich. Außerdem werde der Shuttlebus von den Gästen nur mäßig angenommen. "Für mich ist das keine richtige Shuttlebus-Verbindung. Dazu müsste alle paar Minuten ein Bus abfahren", sagt Pächterin Derya Yildirim. Die Zahl der verbliebenen Parkplätze sei zu gering: "Es sind 230 Parkplätze. Wenn die voll sind, kommt keiner mehr", sagt ihr Ehemann. Und die wenigen Parkplätze seien nach einer Gebührenerhöhung verhältnismäßig teuer: "Die Gebühren sind einfach zu hoch. Das hält viele Besucher fern", sagt er weiter. Dazu kommen Strafzettel, die rund um das Bad an Falschparker verteilt werden. "60 Prozent unserer Gäste kommen von auswärts. Die fehlen, weil sie nirgends parken können", sagt Derya Yildirim. Einige Gäste würden dann andere Strandbäder wählen, um der Parkplatzsuche, den Kosten und den Strafzetteln zu entgehen. "Die Strandbäder auf der Höri haben teilweise keine Parkgebühren."

Zusätzlich habe auch der gesunkene Wasserstand in dieser Saison zu weniger Besuchern geführt. "Viele wollen nicht so weit ins Wasser laufen, bis es tief wird, und die Stege mussten wegen des wenigen Wassers raus", erklärt die Pächterin. So seien vor allem Kinder an andere Seen ausgewichen, wo sie weiterhin ins Wasser springen können. "Das Wetter war großartig, so ein Sommer kommt nur einmal in zehn Jahren. Leider haben wir nicht viel davon", lautet das Fazit von Ibrahim Yildirim.

Reinhild Heinzel von der Initiative "Mettnau für alle" ist durch den Besucherrückgang im Strandbad alarmiert. Sie wandte sich mit einer Stellungnahme an den SÜDKURIER und erinnert daran, dass die Stadtverwaltung zum Saisonstart 2017 mit einem Plakat darüber informierte, dass es wenige Parkplätze am Strandbad gebe. Das hätte viele Besucher abgeschreckt. Auch die Überwachung der Parkplätze finde sie bedenklich. "Übrigens gibt es Gebühren am Sonntag nur am Krankenhaus und Strandbad. Folge der Aktion: Weitere Abschreckungen von Strandbadbesuchern", schreibt sie weiter.

Yüksel Stein verwaltet derzeit das Seebad in Radolfzell. Sein Fazit des heißen Sommers fällt freundlicher aus, trotz mehrerer Tage mit wenigen Besuchern.
Yüksel Stein verwaltet derzeit das Seebad in Radolfzell. Sein Fazit des heißen Sommers fällt freundlicher aus, trotz mehrerer Tage mit wenigen Besuchern. | Bild: Lisa Liebsch
  • Seebad: Laut Yüksel Stein, Vater von Derya Yildirim und Verwalter des Seebads, haben dank des guten Wetters in diesem Jahr mehr Gäste das Bad aufgesucht. "Das Beste war zusätzlich die Bestätigung, dass es neugestaltet wird", berichtet seine Tochter. "Wir freuen uns sehr auf das neue Gebäude", bestätigt Yüksel Stein. Die Familie erhoffe sich durch den Umbau auch mehr Besucher. Die ersten Arbeiten kündigen sich bereits an. Deshalb bitten die Betreiber alle Nutzer von Schließfächern und Garderobenschränken, ihre persönlichen Sachen und Gegenstände bis zum 30. September zu entfernen. Für weitere Gäste hat das Seebad noch genügend Platz, in dieser Saison habe es nämlich auch schlecht besuchte Tage gegeben. "Manchmal waren nur ein oder zwei Personen da. Aber an guten Tagen kamen an die 800 Gäste", berichtet Derya Yildirim. Ihr Vater ist insgesamt mit der Saison zufrieden. "Es ist ein schöner, langer Sommer und alles läuft ohne Stress", sagt der 62-Jährige. Da es im Seebad einen Steg ins tiefe Wasser gibt, habe der niedrige Wasserstand dort nicht zu Problemen geführt.

Ein Bericht über das Fazit der Strandbäder auf der Höri folgt.