Radolfzell – Seit Jahrzehnten gehört das Segeldefilee mit seinen illuminierten Booten zum festen Bestandteil des Radolfzeller Hausherrenfestes. Am Sonntag konnte es wie auch der Gondelkorso und das Feuerwerk aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden. Die Programmpunkte wurden auf den Hausherrenmontag verschoben.

Ralf Welschinger (links) und Thomas Lenz im Arbeitsboot des Yachtclubs. Während Welschinger viel Erfahrung hat, war Thomas Lenz am Montag erstmals in dieser Funktion dabei.
Ralf Welschinger (links) und Thomas Lenz im Arbeitsboot des Yachtclubs. Während Welschinger viel Erfahrung hat, war Thomas Lenz am Montag erstmals in dieser Funktion dabei. | Bild: Jarausch, Gerald

Das hat so manchen Besucher des Festes verwundert und manche verärgert. Doch die Entscheidung dazu musste bereits zwei Stunden vorher getroffen werden. Am Montag klappte alles, wie man es gewohnt ist.

Das erste Gebot: die Prüfung der Wettervorhersage

Alles hört auf sein Kommando. Ralf Welschinger steht in Funkkontakt mit den Teilnehmern des Segeldefilees.
Alles hört auf sein Kommando. Ralf Welschinger steht in Funkkontakt mit den Teilnehmern des Segeldefilees. | Bild: Jarausch, Gerald

Ralf Welschinger, der beim Yachtclub Radolfzell seit Jahren für das Defilee verantwortlich ist, entschied um 19.45 Uhr, dass sich die Segelboote auf den Weg machen konnten. Zuvor hatte er mit anderen erfahrenden Teilnehmern innerhalb des Vereins die Wettervorhersagen geprüft. Sein Favorit sind dabei die Prognosen für die Landwirtschaft in der Schweiz: "Es gibt viele Wetterdienste, die die gleichen Daten verwenden. Aber sie werden unterschiedlich aufbereitet", erklärt er. Generell ist die Wettereinschätzung das wichtigste Element des Defilees.

Wie an der Perlenschnur: Die Segelboote des Defilees werden über den See gezogen, bevor sie die Segel hissen und die Beleuchtung einschalten.
Wie an der Perlenschnur: Die Segelboote des Defilees werden über den See gezogen, bevor sie die Segel hissen und die Beleuchtung einschalten. | Bild: Jarausch, Gerald

Alle Segelboote werden ins Schlepptau genommen

Denn die Segelboote fahren nicht selbst, sie werden von einem motorisierten Schleppboot gezogen. Nachdem alle Boote den Hafen des Yachtclubs verlassen haben, werden sie in der vorher festgelegten Reihenfolge miteinander verbunden. Der größte Segler kommt als erstes an die Reihe, am Ende schließt das kleinste Segelboot ab. Begleitet wird das Defilee von ein bis zwei Sicherheitsbooten, die andere Boote auf dem See davon abhalten, auf Kollisionskurs mit dem Schlepp zu gehen.

Am Montag begann das Segeldefillee etwas früher als üblich. Der Abendhimmel macht sich auf den Fotos allerdings gut. Bilder: Gerald Jarausch
Am Montag begann das Segeldefillee etwas früher als üblich. Der Abendhimmel macht sich auf den Fotos allerdings gut. Bilder: Gerald Jarausch | Bild: Jarausch, Gerald

Wie die Fahrtrichtung geplant wird

Die Segler können in der Reihe nicht mehr manövrieren, sondern müssen darauf achten, dass sie gerade hinter ihrem Vorgänger bleiben. Sonst würden sich die Schleppkräfte zu sehr erhöhen. Am Montag, als 17 Segelboote teilnahmen, musste das Arbeitsboot des Yachtclubs 50 bis 60 Tonnen hinter sich ziehen. Für das rund 45 Jahre alte Arbeitsboot finnischer Baumarke prinzipiell kein Problem. "Wir hatten schon einmal 30 Boote im Schlepp", erinnert sich Ralf Welschinger. Nachdem alle Boote miteinander verbunden sind, wird der Schlepp so über den See geführt, dass er im Gegenwind an der Uferpromenade entlang fährt.

Die Segler ziehen die Segel auf und schalten die Beleuchtung ein. Bild: Gerald Jarausch
Die Segler ziehen die Segel auf und schalten die Beleuchtung ein. Bild: Gerald Jarausch | Bild: Jarausch, Gerald

Am Montag kam der Wind aus nordöstlicher Richtung. Dementsprechend lenkte Thomas Lenz das Arbeitsboot zunächst Richtung Gundholzen, um die Boote vorbei an Moos und der Borasauna wieder Richtung Konzertsegel zu ziehen. Die Geschwindigkeit betrug ein bis zwei Knoten. Auf der Höhe des Herzenareals hissten die Segler ihre Segel und schalteten die LED-Beleuchtung ein. Auch wenn fast alle Beteiligten die roten Phosphorfackeln schöner fanden, schätzen sie die Sicherheit der neuen Beleuchtung. "Wir hatten häufiger Verbrennungen bei Personen oder Schäden an den Booten", sagt Welschinger.

Traumkulisse Untersee. Das Segeldefilee in der Anfahrt zur Promenade. Bild: Gerald Jarausch
Traumkulisse Untersee. Das Segeldefilee in der Anfahrt zur Promenade. Bild: Gerald Jarausch | Bild: Jarausch, Gerald

Nach dem Defilee werden die Verbindungen zwischen den Booten getrennt, so dass jeder das Feuerwerk genießen kann. Bei der Einfahrt in den Yachthafen folgt das letzte Hindernis. In der Dunkelheit ist die Gefahr groß, auf die Spundwand aufzufahren, die die Einfahrt begrenzt.

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