Für einen Wohnungsbrand hat die Freiwillige Feuerwehr einen eigenen Qualitätsanspruch: Spätestens zehn Minuten nach der Alarmierung der Einsatzzentrale steht sie mit neun Personen am Brandherd. Nach weiteren fünf Minuten sind 18 Einsatzkräfte vor Ort. Diesen Anspruch erfüllt die Feuerwehr Radolfzell zu 90 Prozent, wie Feuerwehrkommandant Helmut Richter im Rahmen der Jahreshauptversammlung bilanzierte.

Im großen Versammlungsraum der Feuerwehr kommen rund 180 aktive und ausgeschiedene Feuerwehrleute sowie die städtische Verwaltung und Gemeinderäte zusammen und lassen das vorangegangene Jahr Revue passieren.
Im großen Versammlungsraum der Feuerwehr kommen rund 180 aktive und ausgeschiedene Feuerwehrleute sowie die städtische Verwaltung und Gemeinderäte zusammen und lassen das vorangegangene Jahr Revue passieren.

258 Mal alarmiert

Im vergangenen Jahr sei die Feuerwehr 258 Mal alarmiert worden. 207 Mal rückte sie in die Radolfzeller Kernstadt aus. Sie löschte insgesamt 60 Brände und gab mit 77 Einsätzen technische Hilfeleistung bei ausgeströmtem Gas, bei vom Sturm abgedeckten Dächern sowie bei Forst-, Verkehrs- und Baustellenunfällen. Ein gefährlicher Einsatz für Leib und Leben der Feuerwehrleute sei der Brand eines landwirtschaftlichen Fahrzeugs gewesen. Dessen Ausleger geriet an eine Hochspannungsleitung. Die Leitung setzte die Reifen und den Kunststoff in Brand, aber auch das Fahrzeug unter Strom. Bei 216 Einsätzen rettete die Feuerwehr 25 Personen aus lebensbedrohlichen Situationen. Sechs Radolfzeller Bürger konnten nur noch tot geborgen werden.

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Die Zahl der Aus- und Weiterbildungen innerhalb der Feuerwehr übertraf im vergangenen Jahr die Anzahl ihrer Einsätze. Gleichzeitig wurden in zehn Grundschulklassen und sieben Kindergärten 284 Teilnehmer in der Brandschutzerziehung unterrichtet. "Spielerisch und plakativ werden den Kindern die Gefahren vermittelt und wie sie sich dabei zu verhalten haben", so Kommandant Richter. Die Feuerwehr unterstützte auch Planer, Architekten, Bauherren und Ingenieure beim vorbeugenden Brandschutz und gab ihre Stellungnahmen ab. Werkstätten der Feuerwehr prüften, reparierten, reinigten und pflegten die Einsatzmittel für die Brandbekämpfung. Allein 3800 Teile für den Atemschutz nahmen die Werkstätten zur Prüfung auseinander, 800 Schläuche wurden auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Auch in der Kleiderkammer ist einiges los. Neben der Reinigung von 1000 Bekleidungsteilen hatte sie 200 Termine für den Wechsel von Uniformen und Einsatzbekleidung. Denn das Wachstum der Einsatzabteilung ist auch körperlich sichtbar: Jugendliche und Erwachsene wachsen aus ihrer Kleidung heraus.

Die Feuerwehr Radolfzell im Einsatz beim Brand einer Pizzeria in der Teggingerstraße.
Die Feuerwehr Radolfzell im Einsatz. | Bild: SK

Neubau eines Feuerwehrhauses in der Kernstadt

Auf dem Feuerwehrbedarfsplan steht der Neubau eines Feuerwehrhauses für die Kernstadt. Danach sollten die Gebäude in Böhringen und Markelfingen folgen. Erst wenn die Gemeinde entscheide, wie die Lösung für die Markolfhalle aussehe, könne die Feuerwehr mit ihrer Planung des Feuerwehrhauses in Markelfingen beginnen, erläuterte Helmut Richter.

Kommandantenwechsel in drei Jahren vorgesehen

Altersbedingt scheiden fast zeitgleich der Kommandant und sein Stellvertreter altersbedingt aus dem Amt. Der personale Wechsel in der Kommandantur wird durch Wahlen bestimmt und sollte in einem weichen Übergang erfolgen. Um innerhalb der Feuerwehr eine Unruhe zu vermeiden, war bereits vor zwei Jahren eine Übergangszeit beim Stellenwechsel des Kommandanten und eine Einarbeitungszeit für dessen Stellvertreter angedacht. Bis Juli 2018 gingen allerdings keine Bewerbungen ein, und es wurden auch keine weiteren Lösungsvorschläge eingebracht. Helmut Richter führte daraufhin Gespräche mit potentiellen Kandidaten. Fehlinformationen, Informationsdefizite sowie über die Kandidaten als auch über die vorgezogene Wahl des Stellvertreters brachten Unruhe in die Feuerwehr. Der Feuerwehrausschuss entschied sich für die Beibehaltung des Stellvertreters und nimmt sich in die Pflicht den Wechsel in drei Jahren aktiver zu agieren und zu informieren.

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"Gott sei Dank kümmern sich Menschen um die Notlage von Bürgern", geht es OB Martin Staab durch den Kopf, wenn er in Radolfzell das Martinshorn erschallen hört. Bei der Versammlung sprach er seinen Dank an die Feuerwehr aus, die mit Mut und Einsatzbereitschaft in Gefahr begaben und 25 Bürgern aus lebensbedrohlichen Situationen gerettet hatten. Der Brand in der Markolfhalle in Markelfingen habe nicht nur die Feuerwehr durcheinander gewirbelt, sondern auch die Verwaltung, bekennt Staab. "Bis zur Sommerpause möchten wir und der Gemeinderat die Dringlichkeiten in Griff bringen", verspricht Staab.