Der Lebensmittelproduzent Hügli schließt zum 31. Dezember seinen Werksverkaufsladen in Radolfzell. Das hat Geschäftsführer Endrik Dallmann auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt: "Wir wollen den Werksverkauf in dieser Form nicht mehr aufrecht erhalten." Man habe zuletzt mit dem Werksverkauf ein Minus von rund 30 000 Euro in den Büchern stehen. Die Verlegung von der Herrenlandstraße in die Güttingerstraße und damit in unmittelbare Nähe zum Einkaufszentrum Seemaxx habe nicht die erhoffte Wirkung gezeigt. "Wir haben uns davon ein Plus im Umsatz versprochen, aber das ist nicht in dem benötigten Ausmaß eingetroffen", sagt Dallmann.

Der Werksverkaufsladen in dem rund 20 Quadratmeter großen Container sei nach Dallmann "ein freundliches Angebot" gewesen. Auf die Produktpalette von Suppen, Soßen und Bouillons müssen im neuen Jahr nur externe Kunden verzichten. Den Betriebsangehörigen sollen die gewünschten Hügli-Produkte mit der Post an die Haustüre geliefert werden. Betroffen von der Ladenschließung sind nach Aussagen von Dallmann vier Mitarbeiter. Dreien mit unbefristeten Arbeitsverträgen seien andere Arbeitsgebiete im Unternehmen angeboten worden, ein befristeter Arbeitsvertrag werde nicht mehr verlängert.

Mit dieser Entscheidung hat die Hügli-Geschäftleitung eine heftige Reaktion bei der Gewerkschaft Nahrung Genuss und Gaststätten (NGG) ausgelöst. In einer Pressemitteilung fragt die Gewerkschaft: "Hängt demnächst bei Hügli der Haussegen schief?" Die geplante Schließung stoße bei Betriebsrat, Belegschaft und externen Kunden auf Unferständnis. Mehr als 100 Beschäftigte sowie über 100 externe Kunden hätten inzwischen einen Appell für den Erhalt des Werksverkaufs unterzeichnet. Claus-Peter Wolf, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Singen, reibt sich an der Entscheidung: „Wir haben für die Maßnahme kein Verständnis, denn ein Werksverkauf ist das Aushängeschild eines Betriebes vor Ort, schafft Verbundenheit der Einheimischen mit dem Betrieb und seinen Produkten und schafft Multiplikatoren für gute Produkte."

Was den NGG-Funktionär besonders wurmt, ist der Umstand, dass die Geschäftsführung das Ende des Werksladens beschlossen hat, ohne vorher mit der Gewerkschaft zu verhandeln: "Wir haben einen bestehenden Tarifvertrag zum Werksverkauf, der bis zum 31. Dezember 2018 gültig ist und in dem sich die Geschäftsleitung verpflichtet hat, das Thema Werksverkauf mit uns bis spätestens zum 31. Oktober zu verhandeln." Auch der Betriebsrat sei gemäß der Einschätzung der NGG nicht nach den gesetzlich vorgeschriebenen Regeln eingebunden und informiert worden. „Ist das die neue Kultur in der Nährmittelindustrie? Unilever mit Knorr, Nestle mit Maggi und jetzt auch Hügli? Neue Renditeziele vergeben, abschaffen, was nicht unbedingt notwendig ist, um die Gewinnmarge zu erhöhen? Wir werden die Entwicklung mit Argus-Augen verfolgen“, kündigt NGG-Geschäftsführer Wolf an.

Der Vergleich mit den Konzernriesen der Lebensmittelbranche ärgert Dallmann: "Das finde ich völlig überzogen." Nach dem Umzug des Werksladens von der Herrenlandstraße in die Güttinger Straße wollte das Unternehmen auch Samstags öffnen. Dafür sei eine Zusatzvereinbarung im Tarifvertrag für ausschließlich diese vier Mitarbeiter getroffen worden, dass für diese Beschäftigten auch der Samstag ein Werktag sei. "Wenn wir den Laden schließen, ist der Bedarf für diese tarifliche Regelung doch gar nicht mehr da", sagt Hügli-Geschäftsführer Endrik Dallmann. Er befürchtet auch keinen Imageverlust durch die Schließung des Werksverkaufs: "Mit unserer Beteiligung an der Nacht der Unternehmen in Radolfzell haben wir weitaus mehr für unser Image getan, als es der Laden je getan hätte."