In diesen Tagen wird im Mooser Ortsteil Weiler ein Gebäude abgerissen, dass eng mit der Ortsgeschichte verbunden ist. Das Gasthaus mit Fremdenzimmern war über Jahrzehnte der Anlaufpunkt schlechthin in Weiler. Hier fanden zahllose Familienfeste, Treffen oder auch die legendären Bunten Abende der Büllebläri-Zunft statt. Nachdem es in den letzten Jahren noch einmal zu einem Betreiberwechsel kam, nahm der Betrieb in der einzigen Gaststätte im Ort merklich ab. Für Peter Kessler, Bürgermeister von Moos, ist der Verlust dieser Einrichtung ein großer: "Der einzige Anlaufpunkt ist jetzt weg", sagt er.

Vor zwei bis drei Jahrzehnten sah das noch ganz anders aus. "Da war die Sonne der Treffpunkt schlechthin im Ort. Vermutlich gab es jeden Abend einen Stammtisch", fasst Kessler zusammen. Daran hätte die Gemeinde aus seiner Sicht nichts ändern können. "Es ist nicht Aufgabe einer Kommune, sich wirtschaftlich zu engagieren", führt er aus. Verantwortlich sind seiner Meinung nach vielmehr die Nutzer selbst. Die Gewohnheiten hätten sich einfach in den vergangenen Jahrzehnten geändert. Während die Menschen früher an den Samstagen nach dem Markt an Orten wie der Sonne zusammengekommen wären, würden die Gaststätten heute nur noch kurzzeitig besucht. Auch Familienfeiern, die einst selbstverständlich im Gasthof vor Ort abgehalten wurden, fänden mittlerweile im privateren Rahmen statt. Die Folge sei ein Gaststättensterben, dass sich landauf, landab in den Gemeinden beobachten lasse.

Bürgermeister Kessler sieht die Chancen auf einen Ersatz in Weiler dementsprechend gering. Er erwartet für die kommenden Jahre keine Ansiedlung einer Gastronomie im Ort. Er rechnet vielmehr damit, dass in den kommenden Jahren noch weitere Betriebe solcher Art ersatzlos schließen werden. Immerhin entsteht am Standort der ehemaligen Sonne eine Wohnbebauung, die in der Gemeinde ebenfalls gefragt ist. Der Investor, ein örtliches Planungsbüro mit angeschlossener Baufirma, möchte auf dem Areal zwei Fünf-Familienhäuser errichten. Die barrierefreien Wohnungen sorgten bereits mehrfach im Mooser Gemeinderat für Diskussionen. Vor allem die Größe der Gebäude traf nicht unbedingt den Nerv der Gremiumsmitglieder. Aus diesem Grund versuchte man unter anderem dem Bebauungsplan in dem innerörtlichen Bereich zu ändern.

Für Lothar Koch, Seniorchef des Bauunternehmens, war das nicht unbedingt ideal. Er hätte die Gebäude aus wirtschaftlichen Gründen gerne etwas größer gebaut. Für ihn hatte der bis dahin gültige Bebauungsplan durchaus Gültigkeit. Zudem ist er sicher, etwas gegen die vorhandene Wohnungsnot getan zu haben. Ganz ohne Wehmut ging auch für ihn der Abriss der Sonne nicht vonstatten. Er war jahrelang selbst des öfteren Gast in der Sonne und erinnert sich gerne an die Stunden dort. Nun blickt er jedoch in die Zukunft. Die Gebäude, die auch eine Tiefgarage erhalten, sollen nach seiner Auskunft Mitte 2018 fertiggestellt sein.

Künftige Bebauung

Auf dem Grundstück der Sonne, dass rund 1700 Quadratmeter umfasst, werden zwei Mehrfamilienhäuser mit jeweils fünf Wohnungen entstehen. Die Flächen reichen von 69 bis 151 Quadratmeter pro Wohnung. Die vorgeschriebenen 15 Stellplätze werden in einer Tiefgarage Platz finden. Wenn es nach dem Wunsch des Investors gegangen wäre, wären noch mehr Wohnungen in den Gebäuden realisiert worden. Der Gemeinderat jedoch sprach sich dagegen aus, weil man das als nicht bebauungsplankonform ansah. (ja)