Mit einem hochkarätigen und kontrastreichen Frühjahrskonzert begeisterten das Jugendblasorchester und die Stadtkapelle Radolfzell ihr Publikum. Die Leistungen beider Orchester unter Leitung von Kuno Rauch zeugten von Können und enormem Probenpensum. So erlebten die Zuhörer schönsten Musikgenuss und herrliche Klangbilder. Unter anderem bewies die Stadtkapelle, dass sie in Top-Form für das bevorstehende Deutsche Musikfest in Osnabrück und den Landesorchesterwettbewerb in Metzingen ist. Gleich zwei Werke für diese Wettbewerbe der Höchststufe waren an diesem Abend zu hören.

Mit dem programmatischen Stück „Ross Roy“ von Jacob de Haan nahm das JBO das Publikum mit nach Australien zur gleichnamigen monumentalen Villa in Brisbane, die als Schule genutzt wurde. Mit dynamisch und farblich gut herausgearbeiteten Zwischentönen und Kontrastbildern brachte das Orchester die Eindrücke und Gefühle zu Gehör, die ein Schüler im Laufe seiner Schulzeit erlebt. Ein Marschrhythmus zu Beginn symbolisiert die Disziplin in der Schule, aber genauso finden musikalisch Freude, Melancholie und Freundschaft, kulturelle Vielfalt und der Aufbruch in das Leben statt. Mit Bravour meisterte Mirjam Thum ihr Englischhorn-Solo. Auch im zweiten Stück des Abends „Die Hexe und die Heilige“ von Steven Reinecke vermittelte das Orchester sehr schön die Stimmungen. Lang gezogene Trompetentöne schwebten durch den Saal, manchmal leise, atmosphärisch unheimlich spielte hier die Musik. Die Dramaturgie der Mittelalter-Tragödie kam in dieser Darbietung voll zur Geltung. Das Solo der Bassklarinette wurde von Lillian Sauer geblasen. Das Hornsolo spielte Marcel Joos, das Baritonsolo Simon Wahl.

Komplexe Rhythmik bravourös bewältigt

„No Roots“ – der Hit von Alice Merton, arrangiert von Thiemo Kraas, bildete einen starken Kontrast zu den beiden vorangegangen Stücken, und es war eindrucksvoll, wie gut das Orchester die sehr komplexe Rhythmik bewältigte. Bei „Selections from 'Rocky'“, der Musik von Bill Conti zum Boxerfilm mit Sylvester Stallone, arrangiert von Bob Lowden, glänzten die Trompeter in ihrer tragenden Rolle. Das Saxophonsolo bei Philadelphia Morning spielte gekonnt Kim Schuhwerk. Eine echte Herausforderung meisterte das Orchester auch mit seinem lateinamerikanischen Zugabe-Stück „El Cumbanchero“, das für spontan aufbrandenden Beifall zum Abschied sorgte.

Mit den „Symphonic Marches“ von John Williams eröffnete die Stadtkapelle schwungvoll den zweiten Teil des Abends. Anschließend entführte sie die Zuhörer mit „The Land of Zarathustra“ von Amir Molookpour, dem Pflichtstück für Osnabrück, nach Persien. Das Werk, entsprechend seinem Titel in orientalischer Klangsprache gehalten, besteht aus drei Sätzen. Im ersten Satz „Ahuramazda und Ahmiran", stehen sich der Schöpfergott und sein Gegenspieler, der Zerstörer, gegenüber. Der zweite Satz „Zarathustras Prayers“ hat meditativen und aufgewühlten Charakter und der dritte Satz „Gahanbars“ beschreibt mit seinen Tanzrhythmen ein persisches Fest. Selbst den knifflig zu spielenden 5/8-Takt im letzten Satz meisterte das Orchester bestens. Als Solisten waren Annika Schwab (Flöte), Simon Barthold (Oboe), Ulrike Martin (Fagott), Anita Rimmele und Elisa Boos (Klarinetten) zu hören. Mit „Funk Attack“ von Otto M. Schwarz, eher untypisch für die Blasmusikszene, erlebte das Publikum dann ein kontrastierendes, rhythmisch sehr komplexes Werk in populärer moderner Klangsprache, das dem Orchester sichtlich Spaß machte. Das Schlagzeugsolo spielte Jonas Haller.

Extreme Tonlagen

Bravo-Rufe ernteten die Musiker mit den „Yiddish Dances“ von Otto M. Schwarz, dem Wahlstück für Osnabrück, das auf der Musik der Klezmer basiert. Das Stück faszinierte die Zuhörer durch ausgelassene Fröhlichkeit, orientalischen Einschlag und zündende Rhythmen. Durch seine sehr dünne Instrumentierung und extreme Tonlagen bei den verschiedenen Instrumenten ist das Stück äußerst schwer zu spielen. Eine wichtige Rolle in der Klezmermusik kommt der Klarinette zu. Alex Bührer an der Es-Klarinette und Elisabeth Rauch- Hurt an der B-Klarinette sind hier die Solisten, die dem Klezmerischen Sprechgesang gekonnt Leben einhauchen. Weitere Solisten sind Thomas Späth (Trompete), Ralf Futterknecht (Posaune), Gabriel Deufel (Altsaxophon), Annika Schwab (Flöte), Christine Semrau (Piccoloflöte), Simon Barthold (Oboe), Dietmar Baumgartner (Trompete), Christoph Honsell (Tuba).