Seit einigen Tagen sind in Radolfzell Plakate zu sehen, die für mehr Demokratie werben. Auf ihnen ist ein Mann zu sehen, den zumindest einige Radolfzeller aus ihrem eigenen Umfeld kennen. Der eine oder andere Beobachter mag schon der Meinung gewesen sein, es handle sich um erste Wahlkampfplakate zur Kommunalwahl im Mai 2019. Doch dem ist nicht so. Bei dem abgebildeten Mann handelt es sich um Heriveltom Luiz Dal Bo, seinen Mitmenschen eher als Diego bekannt.

Dauerlächelnder Sonnyboy im Supermarkt

Der seit 2001 in Radolfzell lebende Brasilianer arbeitet in einem örtlichen Lebensmittelgeschäft und steht nach Ansicht des Bürgerbündnisses Radolfzell für mehr Demokratie (BRD) exemplarisch für die "Menschen, die unsere Stadt ausmachen", wie Nina Breimaier vom BRD gegenüber dem SÜDKURIER erläuterte. Mit den Plakaten sollen "vor allem Menschen, denen wir täglich begegnen, die das Stadtbild oder unseren Alltag in Radolfzell prägen, gezeigt werden", führte sie weiter aus. Die Kunden des charmanten und dauerlächelnden Brasilianers können sein Kompliment an die Stadt nur erwidern: „Typisch Radolfzell ist für mich: Freundlich zu sein, zufrieden und fröhlich.“

Plakatpause im Vorfeld der Kommunalwahl

Generell sollen bei der Plakatserie Personen gezeigt werden, die nicht im üblichen Sinne prominent sind, aber einfach dazu gehören – "eben typisch Radolfzell sind" – wie Nina Breimaier sagt. Über das Jahr möchte das Bürgerbündnis auf diese Weise verschiedene Personen porträtieren. Im Idealfall zeigen die Plakate jeden Monat andere Gesichter. Lediglich in der Kommunalwahlphase wird man von den "Typisch Radolfzell"-Plakaten nichts im Stadtbild finden, um nicht für Verwirrung zu sorgen.

Bund fördert die Radolfzeller Aktion

Die Aktion, die im Rahmen des Bundesförderungsprogramms "Demokratie leben!" stattfindet und durch sie finanziert wird, soll laut Nina Breimaier für eine "positive Stimmung sorgen", wie sie sagte. "Toleranz und Vielfalt fängt im Kleinen an. Man kann nicht immer nur schwere Themen wälzen", führte sie weiter aus. Insgesamt sind 30 Plakate über die gesamte Stadt und die Ortsteile verteilt. Weitere finden sich in städtischen Schaukästen und Einrichtungen. Wer als nächstes als typisch Radolfzell veröffentlicht wird, ließ das Bürgerbündnis noch offen. "Die meisten Personen, die wir ansprechen wollen, wissen noch gar nichts davon und werden überrascht sein", verriet Nina Breimaier.