Mit einem fröhlichen Lächeln betritt Helmut Haselberger den Sitzungssaal im Markelfinger Rathaus. Die Tagesordnungspunkte des Ortschaftsrats werden heute schnell abgehandelt. Im Mittelpunkt steht Haselberger, der 14. Ehrenbürger der Stadt Radolfzell. Seit über 50 Jahren wohnt der gebürtige Radolfzeller in Markelfingen. Und Markelfingen ist stolz auf den Ehrenbürger, der auf ein großes Pensum ehrenamtlicher Tätigkeiten zurückblicken kann. Beim Neujahrsempfang der Stadt Radolfzell am 14. Januar wurde ihm im Milchwerk die Ehrenbürgerwürde verliehen. Nun organisieren die Markelfinger für den 77-Jährigen einen Empfang im Rathaus.

Zu Beginn ist die Anzahl der Besucher im Sitzungssaal relativ übersichtlich, was sich nach den Ständchen der Stadtkapelle, die es bei den eisigen Temperaturen ins Innere des Rathauses zieht, schnell ändert. Haselberger und die Ortschafträte blicken von der Treppe aus auf die Bläser. „Schön, dass wir die Stadtkapelle haben“, sagt Ortsvorsteher Lorenz Thum freudig und Haselberger ergänzt schlagfertig: „Die man auch hört.“ Die Klänge des 1. Mai-Marsches füllen die schmalen Gänge mit großer Lautstärke. Das Lied ist bekannt, die Markelfinger singen mit. Damit ist die Stimmung im Nu gelöst und es breitet sich Feierlaune im Empfangssaal aus. Haselberger scheint den Empfang zu genießen, unkompliziert, unprätentiös und mitten unter denen, für die er sich jahrelang eingesetzt hat.

Der Ehrenbürger Helmut Haselberger (Zweiter von links) genießt den Empfang, den der Markelfinger Ortschaftsrat im Rathaus für ihn organisiert hat. Links von ihm steht seine Tochter Christine Rieple und rechts von ihm Ortschaftsrätin Martina Gleich. Bild: Natalie Reiser
Der Ehrenbürger Helmut Haselberger (Zweiter von links) genießt den Empfang, den der Markelfinger Ortschaftsrat im Rathaus für ihn organisiert hat. Links von ihm steht seine Tochter Christine Rieple und rechts von ihm Ortschaftsrätin Martina Gleich. Bild: Natalie Reiser

Lorenz Thum erinnert an Haselbergers Einsatz für die Sozialstation und die Caritas, seine Zeit als Stadt- und Ortschaftsrat, seine Rolle als aktives Mitglied der Kirchengemeinde St. Laurentius, die Mitarbeit in zahlreichen Vereinen und nicht zuletzt die Gründung eines Stamms der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg in Radolfzell. „Wir sind stolz, einen solch wertvollen Menschen in der Gemeinde zu haben“, äußert der Ortsvorsteher in seiner Laudatio.

Helmut Haselberger bedankt sich, beschwichtigt aber: „Ich habe das alles als normal empfunden.“ Sein Dank geht an seine Frau Ulrike, die freudig, aber still an der Ehrung teilnimmt, seiner Familie und allen, die ihn unterstützt haben. Zwei seiner Kinder, Christine Rieple und Nikolaus Haselberger, und zwei seiner Enkelkinder sind gekommen. Enkelin Theresa Rieple strahlt und erklärt: „Eigentlich sind wir zehn Enkelkinder.“ Haselberger lässt sich von seiner Enkelin die Krawatte richten und erzählt, dass er am 23. April 1966 nach Markelfingen gekommen ist. Damals hat er seine Frau Ulrike geheiratet, die bereits seit einigen Jahren in Markelfingen wohnte. Die Trauung fand im Schulhaus statt. Das Rathaus wurde damals gerade renoviert. Als er ins Dorf kam, habe es Streitigkeiten im Ortschaftsrat gegeben, die sich aber bald beruhigen ließen, erinnert sich Helmut Haselberger.

Viel Vergnügen bereitet Helmut Haselberger (rechts)und Ortsvorsteher Lorenz Thum  der Empfang durch die Stadtkapelle unter der Leitung von Kuno Rauch. Dahinter die Ortschaftsräte Martina Gleich und Hermann Repnik. Bild: Natalie Reiser
Viel Vergnügen bereitet Helmut Haselberger (rechts)und Ortsvorsteher Lorenz Thum der Empfang durch die Stadtkapelle unter der Leitung von Kuno Rauch. Dahinter die Ortschaftsräte Martina Gleich und Hermann Repnik. Bild: Natalie Reiser

Eine friedvolle Zusammenarbeit wünsche er auch den jetzigen Räten, die aktuell teils heftige Diskussionen um den möglichen Bau einer östlichen Ortsumfahrung führen. Auch an Gespräche über knifflige politische Themen mit dem damaligen SÜDKURIER-Redakteur Wolfgang Eßig denke er gerne zurück. „Warte mal bis Dienstag, dann stelle ich die Frage im Gemeinderat“, habe er damals manchmal gesagt, erzählt er schmunzelnd.

Fühlt Helmut Haselberger sich nun mehr als Markelfinger oder als Radolfzeller? Absolut als beides, antwortet er sofort. Aufgewachsen sei er in der Ratoldusstraße. „Wie kann man denn noch mehr Radolfzeller sein?“, fragt der Ehrenbürger. In die Markelfinger Geschichte sei er jedoch tief eingestiegen, nicht nur, was die Jahreszahlen des Ortes angeht. Hier hat er Wurzeln gebildet, eine Familie gegründet. Hier sind seine Kinder aufgewachsen.

Ehrenamtlicher Einsatz

  • Der Stadtrat: Von April 1975 bis Dezember 1999 saß Helmut Haselberger als Stadtrat für die CDU im Gemeinderat Radolfzell, von 1989 bis 1994 war er Vorsitzender der CDU-Fraktion. Er saß in verschiedenen Ausschüssen und war in seiner Zeit als Stadtrat gleichzeitig Ortschaftsrat in Markelfingen.
  • Soziales Engagement: Als Vorstand wirkte Helmut Haselberger im Caritasverband Konstanz und in der Sozialstation Radolfzell-Höri mit. Er ist Ehrenvorsitzender der Sozialstation und hat das Ehrenzeichen in Gold des Deutschen Caritasverbands erhalten. Er ist Mitglied in vielen Vereinen und engagiert sich in der Pfarrei St. Laurentius in Markelfingen.