Radolfzell – Es darf aufgeatmet werden. Das Montessori-Kinderhaus steht. Zwölf Jahre trennen die Idee von der Realisierung. Zur Einweihung schickte die Herbstsonne ihre milden Strahlen durch die großen Fensterfronten über das Eichenstäbchenparkett in die schlichte Eingangshalle, in der sich zahlreiche Gäste eingefunden hatten.

Betritt man das Haus durch den Haupteingang an seiner westlichen Seite, dann fällt der Blick auf Regalabteile, in denen Kinder-Hausschuhe ordentlich eingereiht sind. Seit Anfang September werden die ersten Kinder betreut. Doch abgesehen von diesem Indiz weist zunächst nichts auf ein Kinderhaus hin. Hinter der hohen, lichtdurchfluteten Eingangshalle, die sich über zwei Stockwerke erstreckt, könnte man auch eine andere Bestimmung des Hauses vermuten.

Karl Steidle (Vorstand Messmer Stiftung im blauen Sakko) nimmt den symbolischen Schlüssel für das Montessori-Haus entgegen. Neben ihm (links) Architekt Thomas Kauter und rechts Arnulf Heideger und Petra Bialoncig von der Messmer Stiftung. Bild: Natalie Reiser
Karl Steidle (Vorstand Messmer Stiftung im blauen Sakko) nimmt den symbolischen Schlüssel für das Montessori-Haus entgegen. Neben ihm (links) Architekt Thomas Kauter und rechts Arnulf Heideger und Petra Bialoncig von der Messmer Stiftung. Bild: Natalie Reiser

Eleganter Charme für die Kinder

Der Architekt Thomas Kauter erklärte, gemeinsam mit den Bauherren sei die Entscheidung für eine reduzierte Formensprache und Farbgebung getroffen worden, um den Kindern Freiraum für Kreativität und Bewegung zu geben. Der geölte Holzbodenbelag zieht sich durch das gesamte Gebäude. Auf Natürlichkeit sei auch beim Verputz des Ziegelbaus Wert gelegt worden, fuhr Kauter fort. Der verwendete Kalkputz sorge für einen guten Feuchtigkeitsausgleich. Insgesamt ist der Innenbereich in drei Erdtönen gehalten, was dem Gebäude einen zurückhaltend eleganten Charakter verleiht.

Gruppenräume, Frischeküche, Elterncafe

"Die Farben bringen die Kinder selbst mit", meint der Architekt. Mineralholzwollplatten an den Decken sollen Kinderlärm schlucken. Kauter bedankte sich bei dem Grundstückseigner und Bauherren, der Messmer Stiftung sowie dem zukünftigen Mieter, der Stadt Radolfzell, die bei Bemusterungsterminen Entscheidungen für hochwertige Materialien getroffen hätten. Den Bauplan veranschaulichte der Architekt an einem langen Holzgestell, das er nach und nach zusammensteckte und schließlich als symbolischen Schlüssel übergab. Von der nord-süd-orientierten Halle aus erstreckt sich ein langer im rechten Winkel angeschlossener Flur, von dem die Gruppenräume abzweigen. An das Foyer angeschlossen sind eine Frischeküche und ein Elterncafé.

Die Eingangshalle des Montessori-Kinderhauses war zur Einweihung gut gefüllt. Thomas Nöken (Leiter des Baudezernats, mittig hinter dem linken Stehtisch) hört die Eröffnungsreden an. Rechts neben ihm: Anette Hemmie (Leiterin der Kindertagesbetreuung) und Jürgen Keck (FDP-Landtagsabgeordneter). Ganz rechts stehen Katharina Schreiber (Vorsitzende des Montessori Vereins) und Judith Keller (Leiterin des Montessori-Hauses). Bild: Natalie Reiser
Die Eingangshalle des Montessori-Kinderhauses war zur Einweihung gut gefüllt. Thomas Nöken (Leiter des Baudezernats, mittig hinter dem linken Stehtisch) hört die Eröffnungsreden an. Rechts neben ihm: Anette Hemmie (Leiterin der Kindertagesbetreuung) und Jürgen Keck (FDP-Landtagsabgeordneter). Ganz rechts stehen Katharina Schreiber (Vorsitzende des Montessori Vereins) und Judith Keller (Leiterin des Montessori-Hauses). Bild: Natalie Reiser

Dank an die Architekten

Karl Steidle, Vorstand der Messmer Stiftung, versuchte, das Haus mit Kinderaugen zu sehen. In ihrem Namen bedankte sich dafür, dass innerhalb dieser Mauern laut gelebt, gespielt und gesungen werden könne. Ein Dank ging auch an die Architekten dafür, dass Zeit und Kosten eingehalten worden seien. Gunter Langbein vom Stiftungsrat der Messmer Stiftung wünschte, in diesem Haus möge sich der Grundsatz der Pädagogin Maria Montessori verwirklichen: "Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren."

Katharina Schreiber hat beharrlich gekämpft

Diesen Leitsatz griff auch Katharina Schreiber, Vorsitzende des Montessori Vereins, in ihrer Dankesrede auf. Als treibender Motor hatte sie sich zwölf Jahre für den Bau des Kinderhauses eingesetzt. Die Idee, einen harmonischen Übergang von der Krippe in den Kindergarten und weiter in die Grundschule nach den Grundsätzen der Montessori Pädagogik zu schaffen, sei von ihren Kolleginnen gekommen. Zwischenzeitlich habe sie den Mut verloren und nur durch die Unterstützung von Judith Keller, die jetzt das Kinderhaus leitet, weitergemacht. Nach manchen Rückschlägen sei sie dankbar für den jetzigen, ursprünglich ins Auge gefassten Standort gegenüber der Sonnenrainschule, der für die Verwirklichung der Ziele des Montessori Vereins ideal sei. Oberbürgermeister Martin Staab bedankte sich für die Beharrlichkeit Schreibers. Zum Spatenstich im Mai 2017 habe er von einer Odyssee gesprochen. Nun sei sie endgültig beendet.

Pfarrer Christian Link und Jörg Waldvogel erbitten den Segen

In einer ökumenischen Weihe erbaten der evangelische Pfarrer Christian Link und sein katholischer Kollege Jörg Waldvogel den Segen für das Haus. An den Reigen der guten Wünsche für das Haus schließt sich zu guter Letzt noch einer an: Arnulf Heidegger, Vorstand der Messmer Stiftung, wünscht, möglichst viele Eltern mögen ihre Kinder hier anmelden.